Porträt

laut.de-Biographie

Kate Bush

Am 30. Juli 1958 kommt die Frau zur Welt, die später einmal als "die ungewöhnlichste Solo-Künstlerin, die England jemals hervorgebracht hat" (NME) bezeichnet wird. Kate Bush hat mit ihrem Mut zum Experiment seit den späten 70er Jahren viele Frauen beeinflusst. Mit ihrer unverwechselbaren Stimme und den Kapriolen, die sie mit der Spannweite von vier Oktaven produziert, singt sie sich seither trotz teilweise langer Albumpausen in die Herzen der Musikliebhaber.

Schon bevor auch nur ein Ton ihrer Stimme den Weg in die Plattenläden der Welt findet, sorgt sie für ein Novum in der Musikgeschichte. So lässt sich die damals Siebzehnjährige vertraglich versichern, dass sie auf Kosten des Labels (EMI) drei Jahre lang Sprechunterricht erhält sowie Tanz, Mimik und Komponieren lernt. Man könnte den Eindruck erhalten, dass sie dem einen oder anderen Herrn in der Chefetage den Kopf verdreht hätte, aber nichts dergleichen. David Gilmour, Gitarrist von Pink Floyd ist ihr größter Fürsprecher und verhilft ihr zu diesem seltsamen Deal, der ihr nebenbei noch alle künstlerischen Freiheiten lässt, die man sich nur vorstellen kann. Zu verdanken hat sie dies aber auch ihrem Freund Ricky Hopper. Der verschickt Demotapes an einige Major-Labels, ohne eine positive Antwort zu erhalten. Erst als er Gilmour die Songs vorspielt, kommt Bewegung in die Sache.

Auf ihren Alben reizt sie sämtliche ihr zur Verfügung stehenden technischen Spielereien aus. Im Zusammenspiel mit ihrer Vokalakrobatik türmt sie nicht selten Klangcollagen auf, die klingen wie "eine Kreuzung aus Patti Smith und einem Staubsauger" (Stereo Review).

Als der Staubsauger dann 1978 sein erstes Album ("The Kick Inside") veröffentlicht, scheint dies das Vertrauen des Labels zu rechtfertigen. Mit "Wuthering Heights" findet sich hier einer ihrer größten Hits wieder, der auch Jahrzehnte nach der Erstveröffentlichung nichts von seiner Ausstrahlung verloren hat. Dieses von Exzentrik geprägte Album ist richtungsweisend für den weiteren Verlauf von Kates Karriere. Manches Verhalten, das sie aus der Masse der Musiker heraus hebt, ist eine konsequente Fortsetzung dieser Attitude. So tourt sie kaum, sie beschränkt sich lieber auf seltene Auftritte, meist als Gast anderer Musiker. Sie lässt sich von der eigenen Familie managen und verspürt keinerlei Zeitdruck bei der Fertigstellung von neuen Alben.

Mit den Veröffentlichungen bis 1982 kann sie ein immer größeres Publikum erreichen. Songs wie "Babooshka" prägen sich ins musikalische Gedächtnis einer immer zahlreicher werdenden Fanschar. Da Studioexperimente schon immer eine kostspielige Angelegenheiten waren, baut sie sich deshalb kurzerhand ihr eigenes, in dem sie zusammen mit ihrem Bassisten Del Palmer am Album "Hounds Of Love" bastelt. "Running Up That Hill" und "Cloudbusting" toppen die Charts vieler Länder. Das Video zu "Cloudbusting", in dem Donald Sutherland die Rolle eines Wissenschaftlers mimt, wird mit seiner rührenden Story wegweisend für zukünftige Clips. Trotz der Unterteilung in zwei unterschiedliche Hälften (die erste Seite enthält Songs mit Hitpotential, während die zweite Seite mit einem Liederzyklus viel experimentierfreudiger ausfällt) schlägt "Hounds Of Love" die Verkaufszahlen aller vorigen Alben und etabliert Kate Bush als großen Namen im Musikgeschäft.

Die Zeit bis zu ihrem nächsten Studio-Longplayer überbrückt sie mit Kollaborationen ("Don't Give Up" mit Peter Gabriel) und einer Best-Of-Sammlung ("The Whole Story"). Nach vier Jahren folgt "Sensual World". Trotz gesunkener Experimentierfreudigkeit, kann Kate Bush hier, wie auch bei dem 1993er Album "The Red Shoes" überzeugen. Bis ins neue Jahrtausend warten Bush-Begeisterte dann vergeblich auf eine neue eigene Veröffentlichung. Während die Fans warten, komponiert sie Soundtracks, singt für Alan Stivell und Prince, gestaltet Weihnachtskarten, deren Erlös Kinder in Kriegsgebieten zugute kommt und bringt Sohnemann Bertie zur Welt.

Im Oktober 2001 erhält sie vom Q Magazine den Preis als "Best Classic Songwriter", was ungefähr aufzeigt, welchen Stellenwert Bush mit ihrer Arbeit mittlerweile inne hat. Bei der Verleihung des Preises teilt sie dem entzückten Publikum mit, dass sie tatsächlich an einem neuen Album arbeite. Eigentlich hätte es schon 2001 erscheinen sollen, aber sie spiele eben lieber mit ihrem Sohn, als sich im Studio herum zu treiben, verrät die Künstlerin. So dauert es noch weitere vier Jahre, bis "Aerial", ihr erstes Studioalbum nach zwölf Jahren, erscheint.

Nach einer weiteren langen Pause erscheinen im Jahr 2011 gleich zwei Alben: Zunächst präsentiert sie ältere Songs in überarbeiteten Versionen auf "Director's Cut". Kurz darauf beglückt sie ihre Anhänger mit einem weiteren, kompromisslosen Studioalbum. "50 Words For Snow" untermauert Kate Bushs Ruf als eine der größten Exzentrikerinnen im Popgeschäft.

Im März 2014 hält sie erneut eine Überraschung für ihre Fans bereit. Was kaum noch einer für möglich gehalten hat, wird wahr: Kate Bush verkündet, dass sie im August und September 2014 im Londoner Hammersmith Apollo die ersten eigenen Shows nach einer 35-jährigen Konzert-Pause absolvieren wird.

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Alben

Kate Bush - Aerial: Album-Cover
  • Leserwertung: 5 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2005 Aerial

Kritik von Artur Schulz

Ausgefeilte Songgemälde einer einzigartigen Künstlerin. (0 Kommentare)

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1 Kommentar mit einer Antwort

  • Vor 5 Monaten

    was ich am meisten an ihr bewundere ist , das sie sich allen mechanismen der musik industrie entzieht. das fängt damit an das sie sich oft sehr, sehr lange zeit lässt bis sie ein neues album veröffentlicht. und wenn es dann veröffentlicht ist..es nie den erwartungen der fans entspricht. alle haben eine lieblingsperiode, nach der das neue album klingen muss. ich persönlich finde jedes album ihrer verschiedenen schaffensperioden gut. ich habe die angewohnheit ein neues album so anzuhören, als ob ich noch nie ein lied von dem/der künstler/in gehört habe. ich vergleiche nicht mit vergangenem..weil das ist wie das wort schon sagt ..vergangen ..und das neue album ist JETZT.