laut.de-Kritik

Lässig wie der junge Snoop Dogg.

Review von

"Nimm dein Mikro in die Hand, spitz' dein' Stift / Nimm noch ein' Zug vom Spliff …" Lang, lang ists her, als man auf die Frage "Wer burnt?" getrost "Hamburg City der Standort" antworten konnte. Ein gewisser Kalim schickt sich nun an, der Hafenstadt wieder frischen Wind einzuhauchen und schlägt sich dabei beeindruckend gut.

Wie auch seine LabelkumpanInnen setzt er auf Altbewährtes. Auf ebenjenes Rezept also, das Alles Oder Nix Records in jüngster Vergangenheit außerordentliche Erfolge bescherte. Doch warum eigentlich? Anders als beispielsweise Ssio fährt Kalim weder die Humorschiene, noch trumpft er mit gänzlich anderen Blickwinkeln auf die Straße auf, mit denen Schwesta Ewa derzeit auch abseits der Rap-internen Medien für Furore sorgt. Oder gar mit der Straßen-Kredibilität seines Labelchefs Xatar mithalten.

Genannte Künstler eint einzig ihre Vorliebe für Beats traditioneller Machart. Befreit von jeglichen Strömungen dröhnt auf "Sechs Kronen" eine Boombap-Kanone nach der anderen aus den Boxen, insgesamt dreizehn Mal. Verfeinert mit einer gehörigen Portion Westküsten-Flavor zählen die schnörkellosen Machenschaften von Herren wie David Crates, Reaf, Crooky Jazz oder Gee Futuristic mit zum Besten, das es anno 2014 im hiesigen Spiel zu finden gibt.

Rein inhaltlich kann Kalim damit sicherlich nicht mithalten. Zu erzählen hat er wenig Neues, "es geht um Schweizer Uhrwerke und deutsche Limousinen". Die Geschichte des kleinkriminellen Grastickers aus dem Problembezirk scheint, gelinde gesagt, wenig innovativ. Eigentlich. Denn Kalim macht nahezu nichts falsch. Nicht eine Zeile wirkt allzu konstruiert, kein Vergleich erzwungen. Jede Silbe sitzt absolut on point, seine Flows sind unfassbar abgeklärt, ohne im Monotonen zu verlaufen.

Nebenbei bleibt das Mixtape die gesamte Spielzeit über in sich schlüssig. Die knackige Länge von einer knappen halben Stunde lässt keinerlei Platz für Lückenfüller. Zu denen zählen auch nicht die Gäste, die sich Kalim für seine "Stadtrundfahrt" einlädt. Xatar verteilt Weisheiten über das "BKA" direkt aus dem Knast, Ssio beweist einmal mehr, dass er nichts von seinem Humor verloren hat. Am erfreulichsten ist jedoch, Nate57 nach viel zu langer Zeit wieder über einen anständigen Beat zu hören.

Was hier alles zusammenkommt, lässt sich wohl am besten mit der lässigen Abgeklärtheit eines (jungen) Snoop Doggs umschreiben, die verbunden mit einer bestimmten Rotzigkeit für so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal im Deutschrap sorgt. Gute Vorzeichen also, für das geplante Debüt-Album, denn es handelt sich hierbei wohlgemerkt um ein Mixtape. Mit der anvisierten Höchstpunktzahl wirds zwar nichts, aber dennoch: "Das hier ist pures Gift!"

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. Stadtrundfahrt
  3. 3. Skit
  4. 4. BKA ft. Xatar
  5. 5. Hochspitzgeschosse
  6. 6. Chivas
  7. 7. Stiefvaterstaat ft. Mista Malik
  8. 8. Mach Nicht Auf Teuer
  9. 9. 1995
  10. 10. Zuu Viel ft. Xatar
  11. 11. Nein Leider Niemals! ft. Ssio
  12. 12. Hauptsache Es Läuft ft. Nate57
  13. 13. Dichter Und Denker

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