Porträt

laut.de-Biographie

KIT

Man könnte vermuten, bei KIT handelte es sich um eine Posse von neuen frischen Gesichtern, noch grün hinter den Ohren, voller Verve und voller Möglichkeiten. Man könnte andererseits auch annehmen, dass es sich um straßenerfahrene Veteranen handelt, die zwischen mit ihren Kiefern ganze Generationen von Rockgeschichte zusammenpressen, eine gutgeölte Maschine, die Musik der Musik wegen wiederkäut. Irgendwo in der Mitte dieser zwei klischeetriefenden Annäherungen gibt es Belege für beide Seiten.

Im Jahr 2002 setzt Kristy G, Unschuld vom Lande und nebenberuflich Part des White-Rap-Projekts DJ Shitbird And The Ultimate Party Machine, dazu an, mit ihrem Indie-Elektro-Sprechgesang die Welt zu erobern. Zur gleichen Zeit sitzt San Francisco-Szenekauz George Chen ohne Band da, nachdem sich seine Bands Boxleitner und Sobretooth aufgelöst haben. Unterdessen streunt Steve bereits durch eine der berühmten Oaklander Lagerhallen, und VC treibt sich wie ein Elektron überall und nirgends zugleich herum. Auf einem Friends Forever-Konzert konvergieren die Wege der Vier.

Aus dem allerhöchstens halbernst ausgesprochenen Vorschlag "Wir sollten eine gemeinsame Band starten!" wird auf dem Weg nach Haus eine Herzensangelegenheit. Zwei Proben später stehen KIT das erste Mal zusammen auf einer Bühne. Über eine Split mit Wives bringen sie ihre erste fünf Songs unter das Indievolk. Eine Westküstentournee später ist der zarte Keim werdenden Startums gelegt. Nächster Halt: Split mit den San Francisconischen Noise-Experimental-Pop-Querdenkern Deerhoof.

Aufgrund unzähliger Soloprojekten in der Hinterhand liegt KIT in der Folgezeit erst einmal auf Eis. Ende 2004 taucht die Band wieder aus der Versenkung auf. Das Instrumentenkarussell hat sich derweil gedreht: VC wechselt vom Bass hinters Schlagzeug, und George zieht es von den Drums zur Gitarre. Die Songs, die jetzt entstehen, sind anders, länger und unterliegen nicht mehr dem Dogma, ihr ganzes Pulver innerhalb der ersten 30 Sekunden zu verschießen. Eine Show bei einer Hausparty in Oakland führt zum intern einstimmigen Beschluss, von nun an nur noch All Ages-Gigs zu spielen.

Eine weitere Split mit Rose For Bodhan erscheint, anschließend nehmen sich Kristy, George, Steve und VC ein komplettes Jahr Zeit, um ein Album zu schreiben und aufzunehmen. Resultat: eine hyperaktiv-hysterische, trotzdem vollkommen verspielte Zitatesammlung aus indiesker Populärmusik, Noiserock, der Kratzigkeit des Punk und einer Prise Post-Grunge. G singt und schreit in oft nur einer Minute eine energetische Druckwelle aus Experiment und Rohmasse aus dem Leib, kleine Weisheiten über Abenteuer, Geheimnisse, Flucht und die Nacht heraus. Das macht beim Hören ebenso viel Spaß wie ihn KIT unzweifelhaft im Studio hatten.

Alben

KIT - Broken Voyage: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2007 Broken Voyage

Kritik von Matthias Manthe

Garagig-direkt, hysterisch, stumm und voller Bauchgefühl. (0 Kommentare)

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