Porträt

laut.de-Biographie

Julia Hummer

Eine singende Schauspielerin? Eine schauspielernde Sängerin? Bei Julia Hummer kann man sich seiner Sache nicht so sicher sein. Obwohl sie im allgemeinen Bewusstsein eher in die Schublade "Nachwuchs-Leinwandtalent" einsortiert wird, war doch eine Schauspielkarriere gar nicht vorgesehen: Julia Hummer will Musikerin sein.

Geboren in Hagen, wächst Julia mit ihren vier Geschwistern bei der Mutter auf. Mit 13 Jahren verlässt sie die Familie, um zu ihrem Vater zu ziehen, der ihr bis dato völlig unbekannt ist. Dessen Ehefrau schickt den ungewünschten Familienzuwachs allerdings postwendend zurück zur Mutter, die mittlerweile in der Schweiz lebt. Dort hält es Julia nicht lange aus; sie zieht nach Itzehoe, um dort ein Gymnasium zu besuchen. Was nicht gut geht: Mangelndes Interesse am Schulbesuch bringt Julia in ein Jugendheim. Alle Läuterungsversuche scheitern. In der 11. Klasse wirft Julia die Brocken hin und verschwindet in die Großstadt.

Im Folgenden muss mehr als nur ein einzelner glücklicher Zufall eingetreten sein: Julia wird auf der Straße von einem Fotografen angesprochen, der Aufnahmen für das Jugendmagazin der Süddeutschen Zeitung macht. Für Julia bedeutet das die allererste Gage, ihr Foto ziert das Cover von "jetzt". Eben dieses Titelbild fällt Regisseur Sebastian Schipper in die Hände, als er für seinen Film "Absolute Giganten" (1999) auf der Suche nach einem bestimmten Mädchentyp ist. Aus einer Einladung zum Casting resultiert Julia Hummers erste Filmrolle.

Es folgen Auftritte in Stahlnetz und Tatort, Rollen in "Tolle Lage", "Crazy" und "Weil ich gut bin". Für ihre Verkörperung der Tochter eines Terroristenpaars auf ständiger Flucht vor der Entdeckung in Christian Petzolds RAF-Film "Die innere Sicherheit" wird Julia Hummer für den Deutschen Filmpreis 2001 als beste Hauptdarstellerin nominiert. In Petzolds Berlinale-Wettbewerbsbeitrag 2005 ("Gespenster") spielt Julia Hummer ebenfalls die Hauptrolle, wie auch in den Dramen "Eierdiebe" und "Northern Star" (beide 2003) sowie im Episodenfilm "Stadt als Beute" (2005). Nebenher studiert sie Design.

Doch wie gesagt, im Grunde sieht sich Julia Hummer als Musikerin. Seit etwa 2001 schreibt sie ihre eigenen Lieder, begleitet sich selbst auf Akustikgitarre und Mundharmonika. Das Experiment, mit eigener Rockband ("Sgt. Hummer") aufzutreten, scheitert; der Sound sei "zu laut für meine Songs", wie Julia befindet. Ihr Singer/Songwriter-Pop mit zuweilen folkigen Einschlägen bedarf dezenterer Töne. 2004 erscheint beim irischen Indie- und Elektro-Label Earsugar eine 7", die auf dem britischen Markt alsbald vergriffen ist. Für "Boxy, Where Are The Spangles" läßt sich Julia von Darren Kings Roman "Boxy + Star" inspirieren. Die B-Seite liefert mit "Bowling In Woodstock" einen sparsam instrumentierten Bluessong.

Seit Hebst 2004 gibt Julia Hummer Konzerte mit ihrer Band Too Many Boys, deren Besetzung sich aus alten Hasen im Showgeschäft rekrutiert. Neben Basser Christopher "Krite" Uhe (gemeinsam mit Dirk Dresselhaus aka Schneider TM einst bei Locust Fudge) spielen Arne Bergner, Bob Schätzle und Jannes Wurps von Awesome bei Too Many Boys - viele erfahrene Jungs für ein einzelnes kleines Mädchen. Über die Verbindung Uhe entsteht Kontakt mit erwähntem Schneider TM. Der geht im Frühjahr 2005 ins Gefängnis, um mit einigen Insassen authentischen, elektrisch unterfütterten Gangsta Rap zu produzieren. Julia schaut eines Tages im Studio vorbei und singt spontan einen Refrain ein. Der schafft es auch auf die zum Projekt gehörige CD, die im Juni erscheint.

Für ihr eigenes Debütalbum begibt sie sich zur gleichen Zeit mit Krite für fast zwei Monate auf dem Land in Klausur. Abgesehen von einigen Gästen wird Julias Erstling, der im Herbst bei Strangeways erscheinen soll, zu zweit eingespielt. Eine erste Kostprobe liefert die Vinyl-Single "Our Empire Is/Too Many Boys".

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