Porträt

laut.de-Biographie

JuJu Rogers

JuJu Rogers kann etwas, das sonst nur eine Handvoll deutscher Rapper beherrscht: mehr als passabel auf Englisch rappen. Während ganze Riegen am Versuch, ihre Reime in Hip Hops Muttersprache vorzutragen, teilweise kläglich scheiterten, profitiert der Sohn eines Amerikaners und einer deutschen Mutter von seiner bilingualen Erziehung.

Bevor er der Welt jedoch "aus dem Leben eines Taugenichts'" erzählt und Bummtschak-Produktionen wieder salonfähig macht, beginnt die Story im nicht gerade als Hip Hop-Epizentrum bekannten unterfränkischen Schweinfurt. Dort widerfährt ihm allerdings eine musikalische Sozialisation, die sich gewaschen hat.

JuJus Vater stammt ursprünglich aus der Jazz-Hauptstadt New Orleans und hortet deshalb eine ausufernde Plattensammlung, in die JuJu schnell eintaucht. Darin findet sich neben Jazz und Rhythm'n'Blues auch Soul und Country-Musik. Darüber hinaus nimmt Julian, wie JuJu eigentlich heißt, früh Trompetenunterricht. Ab Teenagertagen bandelt er auch erstmals mit Hip Hop an und probiert sich fortan selbst daran aus.

Schnell wird ihm allerdings bewusst, dass Schweinfurt nicht länger als Nährboden für Kreativität im Allgemeinen und Hip Hop im Speziellen genügt. Nach drei erfolglosen Semestern Studium der Kommunikationswissenschaften und Philosophie in Bamberg verschlägt es ihn – wie sollte es auch anders sein – nach Berlin. Dort schließt er sich mit der Untergrund-Koryphäe Figub Brazlevic kurz, den er bereits zuvor in Nürnberg auf einem Clubgig kennenlernte. Zusammen mit Teknical Development ziehen sich die beiden daraufhin nächtelang ins Studio zurück, um als Man Of Booom das erste Album zu fabrizieren, auf dem JuJu zu hören ist.

Entgegen dem aktuellen State of the Art, lebt die Platte von den nostalgieverklärten Bummtschak-Produktionen Brazlevics. Die Liebe zum Hip Hop der 90er-Jahre und insbesondere dessen lyrischer Impact sollen Rogers weiteres Schaffen ohnehin tiefgreifend beeinflussen.

Der nächste Schritt lässt nicht lange auf sich warten: Nach einem Praktikum beim in Berlin und Köln ansässigen Qualitäts-Imprint Jakarta Records kommt JuJu dort unter, um sein Debütalbum "From The Life Of A Good-For-Nothing" zu veröffentlichen. Als erster deutscher Rapper auf dem Label zu releasen, das zuvor Szenegrößen wie Anderson .Paak, Kaytranada oder Ta-Ku (mit-)entdeckte, betrachtet JuJu aber mehr als Art der Anerkennung denn als eine Bürde.

Die Platte, angelehnt an den gleichnamigen Eichendorff-Roman, bestätigt das vorab geschenkte Vertrauen herrlich unaufgeregt. In Zusammenarbeit mit den versiertesten Underground-Beatbastlern der hiesigen Gefilde, darunter Bluestaeb (der im späteren Verlauf noch eine größere Rolle einnehmen wird), Tufu oder JuSoul, konzipiert JuJu ein Kleinod an warmer, samplebasierter Hip Hop-Musik, die sich völlig unbeeindruckt von gängigen Deutschrap-Trends abhebt. Ehrliche Geschichten mit Blick nach Innen wie Außen treffen beim Schweinfurter auf feines Melodie- und Rhythmusgefühl, ohne "stucked in the 90s" zu klingen. "And while they try to get the cash and big cars/ I'm rapping for love."

Ohnehin entsteht JuJus Musik nicht am Reißbrett, sondern passiert vielmehr. Zurückzuführen ist das ein Stück weit sicherlich auch auf seine Spiritualität, die er als Motor und Antrieb seiner Kunst versteht. Angesprochen auf seine Entscheidung, Musiker zu werden, entgegnet JuJu in seiner Frohnatur gerne, dass höhere Kräfte dafür verantwortlich seien und sein Handlungsspielraum ohnehin begrenzt sei.

So fügt sich oft eines zum anderen. Im konkreten Fall JuJu Rogers führt der Weg zum Beat-Wunderburschen Bluestaeb. Da ihre Kollaboration auf JuJus Debütalbum so prächtig harmonierte und die beiden im Anschluss einige Gigs zusammen spielen, keimt während gemeinsamer Studiosessions die Idee, eine Platte miteinander aufzunehmen.

"LIT – Lost In Translation" entsteht auf diese Weise ganz ungezwungen, was dem reduzierten Album auch jederzeit anzuhören ist. Der Titel, der als augenzwinkernder Seitenhieb Richtung Generation Sensationsgeilheit verstanden werden darf, dient bereits als Fingerzeig, in welchen Sphären sich das Album verortet. Zwischen Systemkritik, Revolution und "Black Thoughts" vermittelt "LIT" aber allen voran eines: wohligen, verspielten und detailverliebten Sound, der dieser Tage bereits als Alleinstellungsmerkmal genügt.

Um Beliebigkeit braucht sich JuJu ohnehin nicht zu scheren. Dass er mit dem typischen Deutschrapper nicht viel gemein hat, erkennt man unschwer - nicht zuletzt an der Sprache.

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