Porträt

laut.de-Biographie

John Morales

Anfang der 70er Jahre entsteht, was man heute als DJ-Kultur kennt. Zwar gibt es auch davor schon Discjockeys, die sind jedoch zumeist bei Radiosendern angestellt und legen dort Musik auf. Der DJ als zentraler Bestandteil der Clubkultur feiert seinen Siegeszug erst jetzt.

Aus dem Bedürfnis, die Nächte durchzutanzen, entsteht nicht nur eine ganz neue Wertschätzung für die Plattenaufleger, auch die Musik als solches verändert sich. Die Stücke werden bassbetonter, der Groove rückt in den Mittelpunkt. Und da sich sowohl Single als auch Longplayer als nicht optimal für den Club erweisen, muss ein neues Format her: die Maxi.

Als der im New Yorker Stadtteil Bronx geborene John Morales 1975 seine Karriere als DJ auf den Weg bringt, gibt es noch keine Maxis. Wer trotzdem Stücke spielen will, die über die üblichen drei bis vier Minuten Singleversionen hinausgehen, muss sich etwas überlegen.

Morales kauft sich mehrere Bandmaschinen und nimmt Songs von Single und LP auf. Die Bänder bearbeitet er anschließend nach seinem Geschmack: Die Stücke werden zerschnitten, neu aneinander gesetzt, teilweise mit Teilen anderer Songs kombiniert und schließlich als exklusives Acetat gepresst. Heute nennt man die von Morales verwendete Technik "Remix" und das fertige Produkt "Extended Mix".

Beides hat John Morales wenn auch vielleicht nicht erfunden, so doch ganz entscheidend geprägt. Im Disco-Fieber der späten 70er Jahre finden seine Mixe in der DJ-Szene reißenden Absatz.

Als mit der Maxi schließlich das disco-taugliche Format in den Plattenläden Einzug hält, hängt Morales seinen Job als DJ an den Nagel und widmet sich voll und ganz seiner Produzententätigkeit. Dort arbeitet er häufig mit Sergio Munzibai zusammen. Ihre Mixe versehen die beiden mit der Abkürzung ihrer Nachnamen. In den 80er Jahren gilt "M & M Mix" als weit über den New Yorker Underground hinaus geschätzte Marke.

In Morales' Studio entstehen Hunderte von Remixen. Zu den bekanntesten Künstlern, die ihre Tracks bei ihm für die Bedürfnisse der Tanzfläche überarbeiten lassen gehören Aretha Franklin, Al Jarreau, The Rolling Stones, Marvin Gaye, The Temptations, The Commodores und Art Of Noize.

Nach knapp 20 Jahren intensiver DJ- und Produzenten-Tätigkeit zieht sich Morales in den 90er Jahren aus dem Geschäft zurück und macht erst wieder zum Ende der 00er Jahre mit neuen Projekten und Arbeiten von sich reden.

Bevorzugtes Format für seine Mixe bleibt die Maxi-Single. Sein erster offizieller Longplayer erscheint 2009 beim britischen Label BBE. "The M&M Mixes: NYC Underground Disco Anthems + Previously Un-Released Exclusive Salsoul Mixes" arbeitet auf zwei CDs das Schaffen von John Morales während der 70er und 80er Jahre auf.

Mit einer gewissen Genugtuung dürfte John Morales erfüllen, dass das von ihm mit erfundene Maxi-Format längst zum festen Bestandteil der Clubkultur geworden ist.

Alben

  • John Morales

    Ein Blick ins Studio des Disco-Königs gefällig?

    http://www.johnmoralesmix.com
  • MySpace

    Das Wichtigste auf einen Blick.

    http://www.myspace.com/johnmoralesmix

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