Porträt

laut.de-Biographie

Jay Denham

Die Heimatstadt von Jay Denham heißt Kalamazoo und liegt auf halber Strecke zwischen den beiden Tanzmetropolen Chicago und Detroit. Dort in der Provinz von Michigan gründet er 1992 sein Label Black Nation, das sich seither neben den bekannten Imprints aus Motor-City als feine Adresse für hart-funkige Technotunes etablieren konnte. Qualitäten, die man beim Münchner Label Disko B schon früh zu schätzen weiß, wo 1998 und 1999 die ersten beiden Longplayer Denhams "Return To The Black Planet" und "Synthesized Society" das Licht der Welt erblicken.

Jay Denham - The Truth Aktuelles Album
Jay Denham The Truth
Das Aushängeschild des Detroit Techno setzt Patina an.

Zu dieser Zeit hat Denham bereits eine beachtliche Produzentenkarriere hinter sich. Ende der 70er spielt er noch Bass in verschiedenen Punkbands, hört nebenbei aber auch synthetische New Wave-Bands oder den Funk von Parliament. Einflüsse, die sich in seiner späteren Arbeit wiederfinden. 1982 stolpert er über ein Tape aus Chicago mit frühen House-Tracks von Frankie Knuckles und Farley Jackmaster Funk. Ein Schlüsselerlebnis, das dem jungen Denham die Ohren für rein synthetische Musik öffnet.

Als er sich Mitte der 80er Jahre an der Michigan State University einschreibt, folgt der zweite wichtige Schritt in Richtung DJ und Produzent. In Anthony "Shake" Shakir, der später einmal mit Claude Young das Label Frictional Recordings gründen und zur zweiten Garde der Detroit-Pioniere zählen sollte, trifft er einen Gleichgesinnten. Jay besitzt einen Drumcomputer, Shakir einen Synthesizer und so trifft man sich zum gemeinsamen Jammen. Erste Tapes entstehen, die über Shakir auch den Weg in die Hände von Derrick May finden, der mit Transmat sein eigenes Label betreibt und immer Ausschau nach neuen Talenten hält.

Er zeigt sich begeistert von Denhams Produktionen, ermutigt ihn, nach Detroit zu ziehen und veröffentlicht auf dem Transmat-Ableger Fragile 1990 Denhams Vinyldebüt. Die "In Sync"-EP erscheint unter dem frühen Pseudonym Vice und sticht mit ihrer überwiegend herben und direkten Funkiness aus den sehr viel souligeren Detroit-Releases von Derrick May oder Kevin Saunderson heraus. Sie ebnet den Weg für ein Release auf 430 West sowie Remixarbeiten für Kevin Saundersons KMS Records.

1992 zieht es Denham zurück nach Kalamzoo, wo er Black Nation Recordings gründet, ohne zunächst irgendwelche Platten zu veröffentlichen. Erst 1995 debütiert das junge Label mit seinem ersten Release, der "White Flight"-EP. Denham drückt dem Label als treibende Kraft mit seinem Output als Vice und Blackman seinen Stempel auf und etabliert Black Nation mit EPs wie "Carjacker" oder "Anomie" als feine Adresse, wenn es um direkten harten Dancefloor-Techno geht. Im Zuge des Schranz-Fiebers lernt man Black Nation auch diesseits des Atlantiks schätzen und in Form von Henze/Rios, Umek oder Gayle San finden sich einige der üblichen Verdächtigen auf Black Nation wieder.

Sein Debütalbum "Return To The Black Planet" kommt 1998 auf dem Münchner Label Disko B raus und festigt Denhams Ruf, ein Meister trocken und schnörkellos rockender Basslines zu sein. Ein Jahr später legt "Synthesized Society" noch einmal nach und beschert dem Mann aus Kalamazoo reichlich Bookings in Europa, unter anderem auch bei der Love Parade 2000. Der Track "Pride (It's Time)" steht repräsentativ für Denhams langjähriges Engagement für die Belange der Afroamerikaner. Musik ist bei Denham immer auch Politik.

Geschätzt wird Denham vor allem wegen seiner energetischen Sets, die er oftmals an drei Turntables zusammen mixt. 2004 gibt er auf Fine Audio Recordings eine Kostprobe seines Könnens, die dank Tracks von Adam Beyer, Chris Liebing oder Ignition Technician dementsprechend hart ausfällt.

Danach verschwindet Denham für einige Zeit von der Bildfläche. Die Maxi "Black Nites 2.0" auf Gayle Sans Equator-Label ist eine der wenigen Ausnahmen. 2008 überrascht er mit einem neuen Album auf Disko B. "The Truth" orientiert sich in Richtung House, knüpft aber in keiner Weise an die Qualität seiner früheren Releases an.

Alben

Jay Denham - The Truth: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 1 Punkte

2008 The Truth

Kritik von Daniel Straub

Das Aushängeschild des Detroit Techno setzt Patina an. (0 Kommentare)

  • Black Nation

    Denhams Black Nation Records Labelseite. Schlicht aber stylisch.

    http://www.black-nation.com
  • Disko B

    Porträt beim Münchner Disko B Label.

    http://www.diskob.com/a/denham/index.html

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