Porträt

laut.de-Biographie

Hustensaft Jüngling

Eine der größten Trends in der Popkultur der 2010er ist der endgültige Abschied vom Authentischen. Es ist eine Zeit, in der Fahrstuhl-Muzak-Samples im Vaporwave-Sound postironisch reüssieren. Und es ist die Zeit von MoneyBoy.

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Als der im klassischen Sinn talentfreie Österreicher 2010 den "Swag aufdreht", fragt sich die Popwelt noch, wie ernst der Künstler das wohl eigentlich meint. Fünf Jahre später ist Authentizität kein Thema mehr: Das Projekt MoneyBoy hat mit der Glo Up Dinero Gang seine eigene Rap-Posse gegründet. Einer der Protagonisten ist ein sehr junger, schmächtiger Berliner namens Hustensaft Jüngling.

Schon das Pseudonym, eine Referenz auf die in Teilen des US-Raps gefeierte Partydroge Purple Drank, spricht natürlich postironische Bände. Wie der große Halbpersiflage-Papa MoneyBoy setzt auch Hustensaft Jüngling zu einhundert Prozent auf die Transkreation amerikanischen Trap-Raps.

Vom US-Slang über die Chief Keef-Attitüde und den massiven Autotune-Einsatz bis zu den aus dem Netz geklauten Cloud Rap-Beats kopiert "Yung Hustensaft" das US-Vorbild - wie etwa auch Kollektivkollege Medikamenten Manfred. Migos' Gaga-Überhit "Versace" heißt bei Hustensaft "Ich Bin Gucci" bzw. "Alles":

Ich will alles, alles, alles, alles, alles, alles, alles, alles, alles, alles, alles, alles, alles, alles, alles, alles, alles, alles, alles, alles, alles, alles, alles, alles, alles, alles, alles, alles, alles, alles, alles, alles.

Derartige Lyrics machen auf deutschsprachigen Schulhöfen natürlich schnell die Runde. Weil der Jüngling seine ewig gleichen Tracks über Hustling, Geldmacherei und Bitches bewusst budgetlos mit dem Smartphone aufnimmt, erfolgt sein Aufstieg via YouTube 2015 entsprechend rasant. Gratis-Mixtapes wie "Hustensaft Villa" und "Hustensaft House" tun ihr Übriges.

Alle paar Wochen veröffentlicht Hustensaft Jüngling so ein neues Video, in dem er - vermutlich absichtlich - nicht einmal dem Anspruch der Lippensynchronizität gerecht wird. Authentisch zu sein ist schließlich das genaue Gegenteil des eingedeutschten Swag-Rap-Konzepts. Den Nihilismus des absolutistischen Konsumismus treibt der Fischerhutfan damit mindestens so geschickt wie sein Ziehvater auf die Spitze.

Wie der Vaporwave demonstriert Hustensaft Jüngling, dass in Zeiten globaler Vernetzung die Grenze zwischen dem eigenen künstlerischen Schöpfertum und kreativer Adaption zunehmend aufweicht. Hustensaft als dekonstruktivistisches Mittel - wer hätte das angesichts fatalblöder Aussagen wie "Das Leben ist hart, aber du musst es on keepen" vermutet?

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