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"Da hab' ich noch gar nicht drüber nachgedacht", antwortet der Trainer auf die Frage wie er sich die Sache mit seinem Video denn nach der Einstellung von Viva Zwei vorstelle. Schon allein wegen dieser Antwort muss man ihn mögen. Weilheim und selbstgemachte Musik ist die Welt die zählt, was in den möchtegern-coolen Medien- bzw. Musik-Metropolen passiert ist erstmal zweitrangig.
So lieb und unschuldig er auch wirken mag, so trügt der Babyspeck. Kaum zu glauben, aber wahr: der gute Mann hat früher mal in der Hardcore-Band Defazement an der Gitarre die Saiten reißen lassen, die Haare wild geschüttelt und Sepultura schon im Kinderzimmer gehört. Von den Möglichkeiten gitarrenorientierter Musik enttäuscht, besinnt er sich nach einiger Zeit auf das DJing und versucht sich auch selbst an den Geräten. Angesiedelt zwischen C64 "California Games"-Soundtrack und postmoderner Elektronika mit Vocoder-Stimme presst er nun feinste Horwürmer auf die schwarze Rillen, die nicht nur in bayrischen Hinterland auf große Resonanz stoßen. Zwei 12" hat er bereits auf dem Markt, die man beide nur wärmstens jedem Knöpfchendreher-Fan ans Herz legen kann. Das Debut erscheint natürlich auf Payola/Hausmusik, wo auch sonst bei einem Typen aus Weilheim?
So ganz kann sich der Schwaiger Michi aber nicht von den handfesten Instrumenten verabschieden und unterstützt die Console-Live-Band mit seinem Bassgespiele. Womit der Kreis zu Martin Gretschmann gezogen wäre. Hometrainer ist sicherlich vom Japaner aka Console beeinflusst, besteht aber auf der völligen Eigenständigkeit seines Schaffens. Wer genau hinhört kann den hinkenden Vergleich nur bedingt verstehen. Hometrainer rennt viel hektischer, viel verwirrtender und vor allem auf 45rpm durch die Tracks als der Gretschmann, der nichts von einem will. Hometrainer gehört auf die Tanzfläche, Console in einen gemütlich relaxten Sessel.
Der Trainer gehört zur Weilheimer Szene wie der süße Senf zur Weißwurst und darf hoffentlich bald in einem Atemzug mit Console und Notwist genannt werden. Wann er aber endlich mit seinem Debüt-Album rausrückt, weiß er selbst nicht genau. Angepeilt ist auf jeden Fall eine Veröffentlichung im Jahr 2002.
Im Dezember 2000 stand die Konstanzer Provinz wieder unter dem Zeichen "Bayerische Elektropopschmankerl". Das Musikdorf Weilheim entsandte Vorzeigepopper Hometrainer an den Bodensee mit seinem Kollegen Generation Aldi aus München.
Kurz nach einem furiosen Soundcheck durfte die laut-Redaktion hinter die Kulissen von Hometrainer und Generation Aldi schauen.
Wie kamst Du zur elektronischen Musik, was war der Auslöser?
Hometrainer: Es war so ein typischer Einstieg. Früher hab ich nur Gitarrenzeug gehört, z.B. so Sachen wie Napalm Death und den ganzen Grindcore-Stuff. Die ganze Metal-Schiene. Dann kam ja dieser Death-Metal Boom, da war ich auch voll mit drin. Orbituary, Sepultura standen damals ganz oben. Ich hab mich aber damals schon immer für andere Sachen interessiert. Irgendwann kam ja in dem Metal-Bereich nichts neues mehr raus. Es war alles irgendwie gleich. Das hat sich eigentlich immer noch nicht geändert. In der Gitarrenrichtung passiert nicht mehr viel.
Vielleicht liegt das daran, dass man im Elektrobereich viel mehr Möglichkeiten hat.
Hometrainer: Ganz genau. Ich hab ja selber Gitarre in ner Hardcoreband (Defazement) gespielt. Leider existiert diese Band nicht mehr, aber ich glaube, dass wir damals ganz vorne mit dabei waren. Ich bin mir sicher, dass da einiges gehen würde, wenn’s uns noch gäbe (lacht). Aus Angst, dass sich die Band irgendwann auflöst, habe ich mir dann einen Sampler gekauft, so dass ich dann allein Musik machen kann. Ich wusste, dass es nicht lang geht, fünf Volltrottel unter einen Hut zu kriegen.
Jetzt mal zu deinem Material. Die Linernotes deiner Maxi weisen den "Japaner" als Co-Produzenten des Stücks "Trained To Be A Dancer" aus. Ist das nicht zufällig das Pseudonym von Martin Gretschmann (Console)?
Hometrainer Ja ja (lacht). Martin hat das Lied bei der Entstehung gehört. Er kam zu mir ins Zimmer rein: "He ist ja geil!", und dann hat er sich spontan dazu entschlossen da mitzumachen. Wir sind dann zu ihm rüber ins Studio und haben es da produziert. Aber er hat daran eigentlich nicht viel gemacht. Das Stück ist ganz allein von mir, und Martin hat mal ein wenig an der Bassdrum rumgeschraubt und zwei, drei kleine gefilterte Loops dazu gemacht. Nicht, dass Martins Arbeit dabei zu überbewertet wird. Also das bin schon ich, was man da hört.
Du legst schon wert darauf, dass hier eine Trennung zwischen deinem Werk und seiner Arbeit gezogen wird?
Hometrainer Ja. Gerade bei diesem Stück ist Vocoder-Gesang dabei, und da liest man halt schon in der Presse, es sei der Nachfolger zum Console-Hit "14 Zero Zero". Aber wenn man sich mal ein bisschen mehr damit beschäftigt, dann hört man, dass hier z.B. die Harmonien ganz anders gelagert sind, und dass das einfach ich bin.
Um nochmals auf Gretschmann zurückzukommen, du spielst ja Bass in der Console-Band. Seid ihr (seine Musiker) eine reine Liveband und Gretschmann macht das Songwriting? Wie sind eure Aufgabenfelder aufgeteilt?
Hometrainer: Wir sind eigentlich nur seine Liveband. Martin allein ist eigentlich Console. Er produziert die Stücke im Studio. Irgendwann ging es eben daran, die Sachen live zu präsentieren. Martin hat das am Anfang mit dem Computer gemacht. Er saß dann allein hinter seinem Laptop und das war schon super langweilig. Und keinen hat’s interessiert. Daraufhin kam er zu uns, ob wir nicht zusammen mit ihm auf die Bühne gehen wollten. So ist die Band dann entstanden. Wir haben nach Möglichkeiten gesucht, die Songs live umzusetzen, was ja dann auch supergeil funktioniert hat.
Das können wir nur bestätigen. Als wir euch in Zürich gesehen haben, ging’s wirklich gut ab. Jetzt erinnere ich mich auch wieder an dich. Du warst doch der derjenige, der am Schluss dieses kranke Slayer-Riff auf dem Bass zum Besten gab?
Hometrainer:Yeah, das war ich (lacht).
Ein großartiger Gag. Damals war doch auch Atom Heart (Senior Coconut) im Vorprogramm. Was hälst Du eigentlich von dem?
Hometrainer: Der ist großartig. Ich meine die Senior Coconut-Platte ist zum ganz Durchhören etwas zu schwierig, das funktioniert irgendwie nicht. Aber einige Songs sind sehr geil, z.B. dieses "Pop Artificiel" ist ganz groß.
Kann man Martin Gretschmann als deinen Mentor bezeichnen?
Hometrainer: (zögert) Es ist eher so: Bei uns daheim in Weilheim und Umgebung hat er halt viele mitgezogen. So wie er sich entwickelt hat, kam für ihn irgendwann der Punkt, wo’s nur noch Musik für ihn gab. Und der Knabe hat extrem hart daran gearbeitet. So hat er auch mich mitgezogen.
Und wie sehen deine Zukunftspläne aus?
Hometrainer: Ich hab gerade eine Maxi auf Payola mit dem Titel "Tips For Professional Drilling" raus, die auch ganz gut läuft. Nach unserer kleinen Tour werde ich mich dann ausschließlich dem Album widmen, welches hoffentlich im Sommer erscheinen wird.
OK, noch ein paar Fragen an Generation Aldi. Erzähl mal bitte was über Dich.
Aldi: Tja, Generation Aldi ist ein neuer Act auf Payola. Ich hab gerade ne Maxi gemacht, die kommt im Januar heraus und im März kommt mein Album heraus, das "Fat Is Action" heißen wird. Also mal reinhören und kaufen!
In welche Richtung wird das Album gehen?
Aldi: Unterschiedlich. Auf der Maxi sind eher Techno- und Elektrosachen drauf. Auch so’n bisschen 80er-mäßig angehaucht. Das Album enthält eher Gitarrenriffs und housige Sachen mit nem paar geklauten Samples. Ich versuche mein Projekt möglichst groovig zu halten. So’n bisschen Rock n’ Roll auch.
Du kommst aus München. Wie steht’s mit deinem Kontakt zur Münchener Szene (Disko B, Gigolo usw.)?
Aldi: Ich hab auch ein Projekt auf Disko B laufen. Ich kenn auch ein paar Leute bei Gigolo.
Hometrainer: Ja, ich hab auch mal was mit Zombie Nation gemacht für den Zündfunk-Sampler "Unter unserem Himmel". Da unsere Mucke in die selbe Richtung geht, wollten die, dass wir was zusammen einspielen. Wir wollten eigentlich ein Slayer-Cover beisteuern (lacht), dann haben wir aber doch unsere eigenes Material zusammen gespielt, heißt dann übrigens "Zombie Trainer".
Wo verkehrt denn die Münchener Szene vorwiegend?
Aldi: Da gibt’s z.B. den Ultraschall, wo elektronische Musik seit Jahren gespielt wird. Ansonsten sind’s ganz normale Kneipen und vor allem private Partys. Zum Beispiel hat der Flo von Zombie Nation früher oft mit Steril sogenannte "Instant Patys" organisiert, wo auch Leute live gespielt haben.
Hometrainer: Es gibt auch noch ein paar illegale Sachen, wo man hingehen kann. Temporäre Clubs, aber nicht derartige Massen, wie z.B. in Berlin oder Hamburg.
Aldi Generation: Oder auch das "Atomic Cafe", das ist auch ziemlich geil.
Hometrainer: Das "Atomic Cafe" find ich ziemlich scheiße. Da hab ich mal mit Console gespielt, da sind wir zuerst super behandelt worden. Die haben sich quasi vor dem Namen Console verbeugt. Aber als ich dann ein 3 Wochen später alleine dort aufkreuzte, haben sie mich an der Tür abgewiesen. Die wollen doch nur ihre paar jungen Chicks bei der Stange halten.
Zurück zum Thema. Wie sieht’s eigentlich bei Generation Aldi mit zukünftigen Veröffentlichungen aus?
Aldi: Wie gesagt, das erste Album kommt im März auf den Markt und das Zweite ist auch schon so weit im Kasten. Ich arbeite nebenher als Komponist, u.a. bei diversen Hörspielproduktionen und fürs Theater und mache meine eigenen Installationen. Ich lebe weniger von meiner Popmusik, sondern mehr von der Auftragsarbeit.
Interessant. Ist Martin Gretschmann nicht auch im Hörspiel-Business aktiv?
Aldi: Ja, der macht das ziemlich intensiv. Der hat sogar sein eigenes Label.
Aus welcher Musikrichtung kommst du eigentlich ?
Aldi : Auch eher aus der Hardcore- und Punk-Szene. Ich hab früher mal Gitarre in ner Punkband gespielt. Ich war früher auch sehr heiß auf Einstürzende Neubauten. Für die hab ich auch letztens ne Platte produziert. Genauer für Andrew Unruh. Das ist auf diesem Ego Label erschienen. Nennt sich "Euphorie im Zeitalter der digitalen Informationsübertragung". Ihr kennt vielleicht diese Platten, die sehen aus, wie diese kleinen Reclam-Heftchen. Eigentlich steht auf der Platte "written and produced by Andrew Unruh", aber das ist eigentlich eine Lüge. Der hat nur ab und zu mal vorbeigeschaut um zu sehen, was ich mache und hat mich dann später nur mit einer zwei Millimeter großen Danksagung erwähnt. Aber ich bin der einzige Mensch, der das jetzt spielen kann. Er kam dann später nochmals bei mir vorbei und wollte mich für ein Konzert mitnehmen. Ich entgegnete ihm nur, er solle sein Zeug besser alleine machen. Gruftisound höre ich auch gerne. Ich mach gerade was zusammen mit Deine Lakaien, teilweise auch mittelalterliche Musik.
OK, danke für’s Gespräch, ihr habt jetzt sicher Hunger...
Das Interview führten Martin Mengele und Gregory Britsch .
Trained To Be A Dancer (2000), Tips For Professional Drilling (1999)
Dürftige Info, dafür gibts aber zwei fette Mp3s.
http://www.doxa.de/trainer.htm
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