Porträt

laut.de-Biographie

Holly Herndon

Metaebene, ick hör' dir trapsen. Holly Herndon, 1980 im Südstaat Tennessee geboren, versteht sich ganz ausgezeichnet auf elektronische sowie hochkonzeptionelle Abstraktionen.

Nach einer Jugend im Chor ist sie seit 2009 auf dem Gebiet der Klangbildnerei aktiv. Im Zuge dessen hat sie sich Titel wie "Electronica-Avantgardistin" (Spex), "Königin von Tech-Topia" (Guardian) oder "Leuchtturm in zeitgenössischer alternativer und elektronischer Musik" (das Label 4AD) erobert. Für manche arbeitet Herndon gar in einem "post-humanen Modus".

Laut Spiegel Online etwa klingen die Collagen der in San Francisco lebenden Künstlerin wie Computer, die sich im Standby-Modus Verworrenes zuraunen. Klar ist: Intelligenz und Schönheit klangen nur so selten so gänsehautfördernd wie etwa in Herndons ausgezeichnetem audiovisuellen Meisterstück "Chorus".

In besagtem Videoclip verschmelzen Frontend und Backend, Computer und Benutzerseite, soziale Medien und soziale Wesen zu einem kompulsiven, post-minimalistischen Glitch-Techno. Hier wie anderswo scheint Herndons Prägung in Berlin durch. Jahre ihres Lebens verbringt die Amerikanerin in der dortigen Technoszene.

Sie absorbiert den harten, stoischen Sound des Berghain, kellnert im Cookies. Als sie in die Vereinigten Staaten zurückkehrt, widmet sie sich einem Studium der elektronischen Musik am Mulls College in Oakland. Während dieser Ausbildungszeit komponiert Herndon das synthetische Gesangsstück "195". Dafür gewinnt sie den Elizabeth-Crothers-Award 2010 für die beste Komposition.

Mit dem kommerziellen Debüt "Movement" formuliert Herndon 2012 erstmals ihren einzigartigen Sound konsequent aus. Stimmen sind zwar prägender Teil der zerhackstückelten Micro-Techno-Oden; allerdings genießt Herndon es mehr, diese Vokalfragmente einer Vivisektion zu unterziehen, als ihnen identitätsstiftendes Humankapital zuzugestehen.

Ähnlich Warps Laurel Halo setzt Holly Herndon auf intellektuell-ästhetische Stimmungen: Durch diese formal absolut stubenreinen Laptopgeburten scheint bei aller Synthetik häufig ein emotionales Leuchten hindurch. Weitere Klangverwandte findet Herndon in den hypnagogischen Vorreitern James Ferraro, Oneohtrix Point Never und in Arca.

"Mein Laptop besitzt mehr emotionalen Gehalt als jede Violine. Der Computer ist tatsächlich ein hyper-emotionales Instrument", betont Herndon eine positive Sicht auf das digitale Zeitalter. "Ich finde es merkwürdig anachronistisch, in der heutigen Zeit noch auf analoge Musik zurückzugreifen, wenn ich gerade via Skype meine Beziehung beendet habe."

Um auch in dieser Hinsicht dem eigenen Forscherdrang nachzugehen, arbeitet die Wahlkalifornierin an der Stanford-Universität an ihrem Doktor in computerbasierter Musik- und Akustikanalyse. "Ich fühle mich von der modernen Technologie eher emanzipiert als eingeschränkt", sagt sie.

Was selbstverständlich nicht ausschließt, im Stück "Home" die Verletzungen der Privatsphäre durch den amerikanischen Nachrichtendienst NSA zu thematisieren. Klar: auf überaus abstrakte Art und Weise.

Alben

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  • Holly Herndon

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