Porträt

laut.de-Biographie

Hocus Pocus

Die Wahrnehmung des französischen Raps beschränkt sich häufig auf die beiden Metropolen Paris und Marseille.

Stilistisch unterscheidet man entweder streicher- und pianogeschwängerte Beats oder straßenaffine Rapper wie Booba oder Sefyu mit der französischen Hip Hop-Szene. Bei dieser Sichtweise muss man Hocus Pocus als Außenseiter bezeichnen. Nicht nur nennt das Kollektiv die im Westen Frankreiches gelegene Stadt Nantes ihr Zuhause, auch musikalisch unterscheidet sich die Liveband deutlich vom gängigen Bild des frankophonen Hip Hops. Ihr Markenzeichen ist die gekonnte Fusion von Rap, Soul, Jazz und Funk, was ihnen auch schon Vergleiche wie "die französische Antwort auf The Roots" einbringt.

Die Musik des Sextetts ist, abgesehen von den französischen Raps, nicht regional zu verorten, was mitunter ein Grund dafür sein dürfte, dass sie mit ihren Liveshows an Orte vordringen, von denen viele kommerziell erfolgreichere französische Rapper nur träumen können.

In ihren Anfangstagen sind aber auch Hocus Pocus als klassische Rap-Formation mit zwei MCs und einem DJ unterwegs. Nach zwei Mixtapes 1996 und 1998 verlässt der Rapper Cambia die Crew. Die übriggebliebenen DJ Greem und vor allem 20Syl sollen weiterhin die Musik von Hocus Pocus prägen.

Auch wenn Hocus Pocus ein Kollektiv ist, das vor allem live zu einer perfekten Einheit verschmilzt, ist es doch 20Syl, der der Band den Stempel aufdrückt und die Richtung vorgibt. Nicht nur steht er als Rapper der Truppe im Vordergrund, er komponiert auch fast alle Songs und ist somit der Visionär, der auf Beihilfe seiner talentierten Musikerkollegen zählt. Als wäre das nicht genug, ist er jeweils auch für die Artworks der Alben verantwortlich.

Zudem ist 20Syl der Gründer von On and On Records, wo Hocus Pocus 2002 die EP "Acoustic Hip Hop Quintet" und schließlich 2005 ihr erstes Album "73 Touches" veröffentlichen.

Dass zwischen EP und Album einige Jahre ins Land streichen, liegt möglicherweise daran, dass 20Syl und DJ Greem kurzerhand auch noch die Turntableism-Welt erobern. Gemeinsam mit DJ Atom und DJ Pfel gründen sie 1998 das DJ-Kollektiv C2C, das von 2003 bis 2006 bei den DMC Worldfinals triumphiert und sich 2005 zusätzlich noch den ITF-Titel sichert.

Danach ist der Weg frei für das zweite Hocus Pocus-Album, das 2007 unter dem Titel "Place 54" erscheint. Dieses fällt noch eine Spur musikalischer aus als der Vorgänger, was auch die Gästeliste unterstreicht, die befreundete Rap-Acts wie The Procussions und T Love aber auch Funk-Urgestein Frank Wesley oder den britischen Soulsänger Omar umfasst.

Hocus Pocus sind fast ununterbrochen auf Tour, weshalb der Nachfolger weitere drei Jahre auf sich warten lässt. "16 Pièces" reiht sich mit seinen humorvollen und gleichzeitig nachdenklichen Texten sowie der enormen musikalischen Vielfalt nahtlos in die Diskografie ein. Auf der Vorabsingle "A Mi-Chemin" geben sich Akhenaton von IAM und Ben L’Oncle Soul die Ehre, mit Oxmo Puccino ist eine weitere Respektsperson des französischen Raps zu hören, ebenso die britische Soulröhre Alice Russell.

"16 Pièces" unterstreicht auch, dass Hocus Pocus längst ihre ganz eigene Nische in der französischen Musikwelt und weit darüber hinaus gefunden haben. Man muss kein absoluter Rap-Nerd sein, um ihre Musik zu lieben. Auch kann man ihre Songs fühlen, ohne des Französischen mächtig zu sein – erst recht bei ihren Liveshows. Über 600 Gigs hat die Truppe zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von "16 Pièces" bereits auf dem Buckel. Sei es in Nantes, Paris, am Hip Hop-Kemp in Tschechien, dem Sziget Festival in Budapest oder gar in Japan – nach wenigen Klängen springt der Funke über. Ihre Konzerte bleiben somit die allerbeste Werbung in eigener Sache.

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