Porträt

laut.de-Biographie

Hans Joachim Roedelius

Roedelius - schon der elegante Name taugt zur Bezeichnung einer Kunstrichtung. Als einer der dienstältesten Elektro-, Kraut- und Avantgardepioniere hätte Hans Joachim Roedelius einiges für die Vergoldung des eigenen Namens tun können. Stattdessen gilt er lediglich unter Genrekennern als verdiente Ikone. Der Masse bleibt er stets unbekannt und entrückt. Nahezu alles erklärt der Mann zum Privatgeheimnis. Interviews erfolgen lediglich schriftlich und sind von eher mundfaulem Gehalt.

Doch ein paar Infos gibt es dennoch über den 1934 geborenen Berliner. Bereits als Kind wurde er Teil der deutschen - damals nationalsozialistische - Filmpropaganda und spielte in Propagandastreifen wie "... reitet für Deutschland". Inwieweit diese unfreiwilligen Kinderstar-Beiträge zum Dritten Reich Roedelius weiteren künstlerischen Weg bestimmten und zum freigeistigen Elektrokonzept beitrugen, wird nur gemutmaßt. Der Musiker selbst schweigt hierzu wenig überraschend.

Immerhin scheint ihn das total durchstrukturierte Konzept des Films auf die musikalisch gegenteilige Methode zu bringen. So gründet er ca 1968 in Berlin das Zodiac Free Arts Lab mit; eines der Zentren für Undergroundkultur. Hier trifft er erstmals auf Connie Schnitzler und Gerd Möbius. Die drei kennt man besser unter ihrem Bandnamen Cluster.

In der Folgezeit entstehen musikhistorisch wichtige und mittlerweile legendäre Zusammenarbeiten mit Brian Eno oder Michael Rother (Neu!, Kraftwerk). Vor allem die von Hassliebe und männlichen Eitelkeiten geprägte Zusammenarbeit mit Rother als Harmonia gestaltet sich als musikalisch fruchtbar wie menschlich schwierig. Der Ruf als Künstler im Team eine stets grantelnde, egomanische Diva zu sein, eilt Roedelius seither voraus. Zu stören scheint es ihn indes nicht sonderlich.

So dauert es bis 1978,ehe das erste echte Solowerk "Durch Die Wüste" des preußischen Eigenbrötlers erscheint. Ein buntes, ebenso rockendes wie psychedelisches Album mit positivem Unterton. Es folgen zahllose Platten bis in die Gegenwart. Zwischem romantisch nocturnalen Pianominiaturen, ästhetischer Elekronik, ein wenig jazzy Ambient und ein paar Klangcollagen. Dazu den immer etwas knochig-schroffen Rock, den er direkt seinen Gesichtszügen entnommen zu haben scheint. So zieht HJR auch mit weit über 70 Jahren weiter seine Kreise zwischen eingängig und abstrakt; zwischen Vergessen und Legende.

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