laut.de-Kritik

Das Scooter-Phänomen: Blowjob - leicht gemacht.

Review von

Ich weiß es mit jeder Faser meines Verstandes, ganz genau und ohne den leisesten Zweifel: Was ich hier höre, ist, musikalisch betrachtet, Grütze. Trotzdem wandert die Hand zum Lautstärkeregler, und es bounct sich ganz von alleine. Im zweiten Refrain von "Whistle" pfeife ich das Tutorial "Blowjob - leicht gemacht" schon mit. Hilfe. Flo Rida ist gruselig, und es gibt kein Entrinnen.

Sein Strickmuster: unverschämt primitiv. Ein Intro, wahlweise mit Akustikgitarre oder Klavier in Szene gesetzt, stellt die Hookline vor. Die singt mal Sia ein. Mal piepst sie Jennifer Lopez ins Mikrofon: "Let's hit the sweet spot", so kieksig, man fragt sich unweigerlich: Womit? Mit Marshmallows?

Keine Sängerin zur Hand? Flo Rida samplet sich eins bei Freddie King oder Etta James. Letzterer Lady so komplett die Seele auszusaugen und die Erde dergestalt aus ihrem Blues zu schütteln, dass kein Krümel davon übrig bleibt: eine reife Leistung, wenn auch nicht unbedingt Auslöser für "Good Feeling".

Kein Sample parat? Dann lässt sich auch mit AutoTune noch etwas drechseln ("Thinking Of You"). Oder man findet irgendjemanden, der für "Run" noch Bryan Adams' "Run To You" nachträllert.

Anschließend setzt stets der schnurgerade Dancefloor-Beat ein, der jede Prolldisco zum Wackeln bringt: umz-umz-umz-umz, eins, zwei, drei, vier. Flo Rida knallt seinen immer gleichen Rap-Part drüber. Noch ein paar Synthie-Effekte eingestreut, den Bass in simpelster Rave-Manier raus- und wieder reingeschraubt: Fertig ist die Laube.

Die Hook fährt das Tempo etwas herunter, um leichte Spannung aufzubauen, ehe die Strophe die Geschwindigkeit wieder steigert. Einzig in "Thinking Of You" verharrt der sonst allgegenwärtige Bummsbeat in Lauerstellung, darf nicht von der Leine. Überall sonst regiert so offensichtliche Autoscooter-Ästhetik, dass man schier den Karussellbremser halluziniert: "Jaaaaa, das macht Laune, das macht Spaß. Die nächste Runde: Rrrrückwärts!"

Acht Tracks rotzt Flo Rida in dieser Weise aufs Tapet, dazu großzügig noch einen Bonustrack: Dann darf man das Ganze also auch 'Album' nennen. Na, mir solls recht sein. Überlänge hätte das Konzept - so man es denn so nennen möchte - ohnehin nicht getragen.

Das Unheimliche daran: Man durchschaut die Kalkulation sofort, das Spiel mit vertrauten Versatzstücken, die daraus resultierende unglaubliche Eingängigkeit, die schon freche Unverfrorenheit, mit der einem völlig geistloser, hohler Partysound aufs Brot geschmiert wird. Allein: Das Verständnis der Mechanismen hilft nix. Es packt einen trotzdem, irgendwie. Wenigstens ein bisschen. Zumindest mich. Das Scooter-Phänomen.

Im Booklet posiert ein muskelbepackter, tätowierter Flo Rida in ärmelloser Jeansweste mit Nieten, verspiegelter Sonnenbrille, dicker güldener Uhr und noch dickerer Goldkette - im Mund! - zwischen billig-bunten Lichteffekten. Nie habe ich Musik treffender illustriert gesehen: Genau so klingt "Wild Ones". Brrr, scheußlich. Und jetzt: lauter!

Trackliste

  1. 1. Whistle
  2. 2. Wild Ones feat. Sia
  3. 3. Let It Roll
  4. 4. Good Feeling
  5. 5. In My Mind (Part 2) feat. Georgi Kay
  6. 6. Sweet Spot feat. Jennifer Lopez
  7. 7. Thinking Of You
  8. 8. I Cry
  9. 9. Run feat. RedFoo of LMFAO

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10 Kommentare

  • Vor 2 Jahren

    Müll. Dreck. Scheiße. Sry, Dani, auch wenn du ja erläutert hast, dass du weißt, wie scheiße es ist und es dir doch irgendwie gefällt, hat das Album dennoch beim besten Willen keine 2 Sterne verdient. Und @ Allrounder: So lang dieser Sack Erfolg hat, sollte er auch rezensiert werden, istm ir eh recht so. Kann man die Review schön ausdrucken und dummen Mainstream-Freunden unter die Nase klatschen (hätte es doch nur 1 Stern bekommen xD)

  • Vor 2 Jahren

    Beim letzten Album hätte ich dieses "Verdammt, irgendwie mitreißend"-Label noch nachvollziehen können. Aber bei diesem Werk schaudert es mich nur. Das ist selbst mir zu dumpf.
    (juhu, es gibt noch Hoffnung für meinen Musikgeschmack) ^^

  • Vor 2 Jahren

    Party Music halt. Jeder Track hört sich gleich an und Flo Rida singt immer das gleiche. Einige Tracks sind ganz nett, aber ein Album mit 9 Tracks und dann alle den gleichen Sound geht garnit. Mehr abwechslung muss ein Album schon liefern.