Porträt

laut.de-Biographie

Emperor X

Vom Tellerwäscher zum Millionär – der amerikanische Traum. Vom Naturwissenschaftler zum Musiker – das ist der Werdegang von Chad Matheny. Er hängt 1998 seinen Lehrberuf an den Nagel, um sich fortan seiner Stimme und seiner Gitarre zu widmen.

Der Mann aus Los Angeles macht Noise-Pop, und seine Vorgehensweise ist eher unüblich. Oft kommt Matheny eine Melodie in den Kopf, er ist versessen auf einen Sound, auf ein Geräusch, einen Rhythmus. Diese Bruchstücke unterlegt er mit einem Murmeln, "Fake-English" nennt er das. "Bei den Aufnahmen wiederhole ich das so oft, bis mir mein Hirn suggeriert, es handele sich um richtiges Englisch."

Eine ungewöhnliche Methode, die für Emperor X jedoch wunderbar funktioniert. Beständig veröffentlicht er Alben und neue Songs und spart dabei nicht an Kreativität.

So erscheint 2012 ein Video zum Song "Compressor Repair". Darin sieht man Matheny an einem Sommertag durch die Straßen laufen, bepackt mit einer Klimaanlage. Eine Gruppe kleiner Mädchen erschießt ihn mit Wasserpistolen – zu allem Überfluss versucht ein Mann den am Boden Liegenden auszurauben. Ein Glück, dass der in dessen Taschen nichts Brauchbares findet. Einen Zettel mit Zahlen knüllt er zusammen. Die Zahlen – es sind GPS-Koordinaten.

Fernab des Videos hat Emperor X tatsächlich an jenem Ort eine Kassette versteckt. Und es ist nicht die einzige: "Wir haben alle B-Seiten der Aufnahmen und frühere Versionen der Songs auf Kassetten gepackt", erzählt Matheny. "Sie sind überall in den USA versteckt, eine in Mexiko, einige in Kanada." Der Finder erhält mit der Kassette einen Code, den er im Internet einträgt, wodurch er die zugehörige MP3-Datei freischaltet: "So kann sie dann jeder hören!".

Es ist Emperor X Art, sich in der hart umkämpften Musikwelt individuell fortzubewegen und seine eigene, kleine Kunstwelt zu erschaffen. "Auf der einen Seite hat der Künstler mehr Kontrolle über seine Arbeit und wie diese veröffentlicht wird – auf der anderen Seite bekommt er immer weniger finanzielle Vergütung oder Anerkennung für seine Bemühungen", so der Amerikaner.

Davon lässt Emperor X sich allerdings nicht seinen Traum vom Musiker-Dasein verderben. Im Gegenteil: Er kämpft gegen den "Tod der physikalischen Musik" und gegen die immer weiter voranschreitende Macht der Musikvermarktung. Seine Kassetten-Schatzkarte ist der eine Weg – seine Live-Auftritte der andere.

Nachdem er lange Zeit mit Bands wie Sebadoh, Nada Surf, The Hold Steady oder John Vanderslice auf der Bühne steht und eben auch seine Kassetten versteckt, veröffentlicht Emperor X diese Erlebnisse im Jahr 2013 auf seinen "Nineteen Live Recordings".

Es sind Songs, die zwischen 2008 und 2012 entstehen und auch die Schattenseiten des Musikerlebens nicht ausblenden. "Bei manchen Auftritten ignorierten mich die Leute und betranken sich, manchmal schenkten sie mir ihre Aufmerksamkeit. Manchmal eröffneten sie einen Circle Pit und brüllten mit mir gemeinsam", beschreibt Matheny.

Und er zieht, optimistisch gestimmt, ein positives Resümee: "Wie kalt mir auch sein mag, so müde oder hungrig ich auch bin – ich behalte immer im Hinterkopf, was für ein unglaubliches Privileg es ist, Musik machen zu können und schreiben zu dürfen. Aus dem Fenster schauen zu können, hypnotisiert zu sein von den Lichtern auf dem Freeway und dem Leuchten der Glühwürmchen", erzählt Emperor X. "Ich trage immer Hoffnung in mir. Und mag sie auch manchmal noch so klein sein – sie wird mich dazu bringen, den Rest meines Lebens zu singen."

Alben

Videos

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