laut.de-Kritik

Party, Mosh, Aggro, Fuck You, Radio.

Review von

"No one can clean up the mess we left" – tja, dann müssen Emil Bulls eben selbst aufräumen. Mit "Sacrifice To Venus" dürften die Münchner aber eher noch mehr Chaos verursachen.

Drei Jahre sind seit "Oceanic" vergangen. Ungewöhnlich viel Zeit zwischen zwei Alben der bajuwarischen Partycoreler. Ihrem Stil sind sie allerdings weitestgehend treu geblieben. Schon der Opener "The Grave" vereint die typischen Bulls-Elemente in sich. Aggressiv herausgekotzte Shouts eröffnen den bunten Reigen. Im Refrain greifen die ersten Radiohooks an. Breakdowns, Ballern, Beyoncé, um es mal überspitzt auszudrücken.

Aber es funktioniert hervorragend. Der Kopf wippt von ganz alleine und bereitet schon mal die Choreographie für den nächsten Ausdruckstanz im Pit vor. "Hearteater" hält das Niveau von "The Grave" mühelos und packt in allen Belangen sogar noch eins drauf. Ein bisschen Sweeping, ein bisschen Doublebass, ein bisschen Kaugummi.

Dann heißt es Vorhang auf für die Kung Fu-Kids. "Pants Down" schließt das Anfangstrio monströs ab. Ich verspreche euch: das wird der Höhepunkt vieler kommender Shows. Kreiselaction, Wall Of Death, Mosh, Clubdisco, Wet-T-Shirt-Contest – dieser Track kann alles.

Leider können Emil Bulls die demonstrierte Energie nicht auf alle Songs der Scheibe übertragen. Nummer vier – "I Wanna Feel You" - übertreibt es ein wenig mit Kitsch und Mainstreamtauglichkeit. Und höre ich da etwa Autotune?

Dafür folgt direkt im Anschluss der textliche Hochgenuss "Rainbows And Butterflies". In einer zuckersüßen Ohrwurm-Pop-Melodie singt Christoph: "We fuck your elves and unicorns doggy style." Fuck you, Radio!

Ähnliches Geschütz fährt die Band im Titeltrack auf: "You can never fuck, never suck my pride out of my penis." Venus nimmt hier keinesfalls Opfergaben entgegen. Sie bläst dem Vierer hingebungsvoll einen.

Mit Ausnahme von "Man Or Mouse", auf dem Christ mit Staccato-Vocals komplett ausrastet und das Livepublikum zur völligen Ekstase springen lassen dürfte, erreicht allerdings kein Stück mehr die schiere Durchschlagskraft des fulminanten Einstiegs.

Trotzdem liegt der Aggressionspegel auf "Sacrifice To Venus" insgesamt höher als auf dem Vorgänger, was der Band gut zu Gesicht steht. Denn ihre Stärken spielen sie am besten aus, wenn es richtig knallt. Balladeskes wie "Gone Baby Gone" lockert zwar auf und ist handwerklich gut gemacht. Gegenüber den Brechern ist das qualitative Gefälle aber einfach zu groß.

Deutlich wird das vor allem am Schluss des Albums. Statt mit einem Paukenschlag zu enden, wie es "Keep On Dreaming" mit schönem Gitarrensolo und brutaler Stimmarbeit ermöglicht hätte, schieben die Bulls "Behind The Sun", den schwächsten, unspektakulärsten, dafür aber längsten Song der Platte, hinterher. "I wanna kiss you goodnight baby / I wanna kiss you goodbye baby / Kiss you one last time baby / Before the planets collide baby." Jungs, wollt ihr Justin Bieber ausstechen?

Doch wie eingangs schon erwähnt regieren "Sacrifice To Venus" größtenteils Chaos und Aggression. Und das ist auch gut so. Zwar lebt das Werk vor allem von seinem gewaltigen Startschuss. Aber auch insgesamt gesehen liefern Emil Bulls einen überdurchschnittlichen und sehr (für ein Studioalbum stellenweise fast zu sehr) liveorientierten Alternative Metal-Brocken, den es erst einmal zu toppen gilt.

Trackliste

  1. 1. The Grave
  2. 2. Hearteater
  3. 3. Pants Down
  4. 4. I Wanna Feel You
  5. 5. Rainbows And Butterflies
  6. 6. The Way Of The Warrior
  7. 7. The Reckoning
  8. 8. The Age Of Revolution
  9. 9. Sacrifice To Venus
  10. 10. Gone Baby Gone
  11. 11. Man Or Mouse
  12. 12. Keep On Dreaming
  13. 13. Behind The Sun

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