laut.de-Kritik

Zwischen Gewaltexzessen und cheesy Radiosound.

Review von

Mit dem sechsten Machwerk gehen die Emil Bulls den Weg der letzten beiden: "The Black Path" (2008) und "Phoenix" (2009). Auch auf "Oceanic" wechseln sich wieder knüppelharte Passagen mit eingägigen Melodien ab. Leider überspannen die einstigen deutschen Nu Metal-Helden den Bogen stellenweise ein wenig.

"Hardcorewurzeln und Ähnliches fehlen uns eigentlich vollkommen", behauptete der damalige Drummer Fabian Füß, als Kritiker den Emil Bulls 2008 auf "The Black Path" erstmals Metalcore-Einflüsse attestierten. Spätestens nach dem Opener der neuen Platte glaubt ihnen das keiner mehr.

Nachdem ruhigen, melodischen Intro "The Concubines Of Debauchery" legt "Epiphany" derart brutal los, dass Fans der härteren Bulls direkt das Herz aufgehen dürfte. Wer aber immer noch mit einer Metalcore-Phobie zu kämpfen hat, wird sich schon vor dem ersten Refrain kopfschüttelnd abwenden. Selten setzten die Münchner auf derart genretypische Elemente wie abgehackte Stakkato-Riffs oder fast schon Deathcore-Vocals.

Ob Metalcore-beeinflusst oder nicht - die Nummer macht gewaltig Spaß, weil sich die wilden Shouts von Sänger Christoph von Freydorf bestens mit dem eingängigen Refrain zusammenfügen. Dieses Kunststück gelingt den Emil Bulls auf "Oceanic" leider zu selten. Schon im nachfolgenden "Between The Devil And The Deep Blue Sea" spannen sie den Bogen zwischen brutaler Strophe und sanftem Refrain so weit, dass die Kombination nicht so richtig funktionieren will.

Viel mehr Spaß macht "Not Tonight Josephine". Hier verzichten die Bulls in den Strophen auf übertriebene Härte und die großartige Refrainmelodie kann sich bestens entfalten. Die walzenden Gitarrenriffs über hämmernder Doublebass sowie das virtuose Gitarrensolo von Andy Bock machen den Song zum Höhepunkt des Albums. Ebenfalls erwähnenswert bleibt das groovende "All Systems Go". In dieser abwechslungsreichen Nummer laufen die Bayern wieder mit virtuoser Gitarrenarbeit zu Hochform auf.

Auf dem Rest der Platte wechseln sich meist extrem harte Nummern ("Battle Royal") mit unangenehm poppigem Songmaterial ("Lessons From Losses", "I Bow To You") ab. Während die Bulls bei "We Don't Believe In Ifs" dermaßen hart auf Klampfen und Schlagzeug einknüppeln, dass sie dabei schon wie Caliban klingen, rollen sich beim direkt folgenden "The Saddest Man On Earth Is The Boy Who Never Weeps" die Fußnägel hoch.

Klaus "Kanone" Kössinger gibt auf "Oceanic" seinen Einstand am Schlagzeug und musste in die großen Fußstapfen seines Vorgängers Fabian treten. Der Neuling macht eine sehr gute Figur, hebt sich aber nicht vom mittlerweile mit Blumentopf tourenden Ex-Drummer ab. Er scheint so gut ins Bandgefüge zu passen, dass man Füß' Abgang als Unwissender wahrscheinlich nicht mal bemerkt.

Auch die Produktion unterscheidet sich kaum vom letzten Album "Phoenix". Benny Richter (Caliban, Krypteria) war zum dritten Mal in Folge der Mann an den Reglern und verpasst der Platte einen klaren, prägnanten Sound. Leider gibt es hier und da einen Song wie "The Knight In Shining Armor", der stellenweise klingt wie ein Mix aus Synthiepop und Nu Metal. Nicht nur hier sehnt sich der geneigte Emil Bulls-Hörer zum rauen und schnörkellosen Soundgewand zurück, in dem einem die Münchner einst "The Black Path" (2008) präsentierten.

Ruhiges Klavier leitet das finale "Dancing In The Moon" ein und weckt Befürchtungen, die sich sofort bestätigen. Die Emil Bulls beschließen ihr Album mit einer aufgesetzten, theatralischen Powerballade, Männerchor und synthetische Streicher inklusive. Auf den eigentlichen Song folgt ein fünf Minuten anhaltender Regensound und setzt dem ganzen die Krone auf.

Dennoch liefern die Münchner mit "Oceanic" eine solide Platte ab und beweisen, dass sie ihr Handwerk nach wie vor sehr gut beherrschen. Mit dem immer breiter werdenden Spagat zwischen musikalischen Gewaltexzessen und cheesy Radiomelodien setzen die Emil Bulls aber vielleicht doch ihren Ruf als Ausnahmeband unter den deutschen Metallern aufs Spiel.

Trackliste

  1. 1. The Concubines Of Debauchery
  2. 2. Epiphany
  3. 3. Between The Devil And The Deep Blue Sea
  4. 4. The Jaws Of Oblivion
  5. 5. Not Tonight Josephine
  6. 6. Battle Royal
  7. 7. I Bow To You
  8. 8. We Don't Believe In Ifs
  9. 9. The Saddest Man On Earth Is The Boy Who Never Weeps
  10. 10. All Systems Go
  11. 11. Lessons From Losses
  12. 12. The Knight In Shining Armour
  13. 13. Ghosts
  14. 14. Dancing On The Moon

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5 Kommentare

  • Vor 6 Jahren

    wenn die videos einer band aus münchen durch die gema auf youtube gesperrt werden, dann fällt mir ehrlich gesagt nichts mehr ein.

  • Vor 6 Jahren

    Ich nehm mal an, wer die Bulls bis jetzt mochte, mag auch die neue Scheibe, oder? Wenn das so ist, wirds natürlich baldmöglichst gekauft!

  • Vor 6 Jahren

    also ich als eb fan finde das album klasse bis auf 2 oder 3 ausnahmen

  • Vor 6 Jahren

    ich verstehe die review und stimme bei solchen metalcore auch immer zu, weil ich auch dieses typisches baukastensystem nicht mehr hören kann.. aber ich muss sagen irgendwie fetzt die platte. vllt liegt es an der stimme die nicht wie ein normaler shouter wie tim lambesis oder howard jones klingt, aber der sänger macht hier den unterschied.
    hab mir eigentlich geschworen nie wieder ein metalcore album zu kaufen weil ich diese inoovationslosigkeit nich unterstützen will, aber ich glaube ich muss hier meine regel noch einmal brechen.

  • Vor 6 Jahren

    Eine der uninteressantesten und langweiligsten Bands, wenn es um härtere Musik aus Deutschland geht. Habe sie letztes Jahr in Siegen auf dem NRW-Tag gesehen. Total enttäuschend. Alles schon unzählige Male gehört.