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"Surfen hält mich am Leben, die Musik erdet mich" erklärt Donavon Frankenreiter zu Beginn der Biographie auf seiner Homepage. Es handelt sich um eine Verbindung, die Jack Johnson im neuen Jahrtausend wieder salonfähig gemacht hat. Das Brett unter dem einen Arm, die Gitarre unter dem anderen, vermitteln beide die Atmosphäre einer entspannten Nacht am Strand.
1972 in Downey, Kalifornien geboren, beginnt Frankenreiters Surferkarriere in jungen Jahren. Bereits mit 13 stattet ihn der Ausrüster Billabong aus, was ihm erlaubt, den ganzen Tag als Freerider auf dem Meer zu verbringen. Während er in verschiedenen Dokumentationen und Filmen erscheint, greift er nebenbei zur Gitarre und spielt in der Band Peanut Butter And Jam. Als Inspirationsquellen nennt er Bob Marley, Stevie Ray Vaughan und Lenny Kravitz.
2003 erhält er einen Plattenvertrag bei Brushfire Records, dem Label von Jack Johnson. Auf Frankenreiters selbst betitelten Debüt (2004) agiert Johnson als Produzent und trägt auch Hintergrundgesang und Instrumenteneinlagen bei. Das Ergebnis übertrifft nach Angaben vieler Zuhörer das des Vor(wellen)reiters.
Frankenreiters musikalische Karriere läuft auch nach einer Europa-Tour im Vorprogramm Johnsons im Frühjahr 2005 parallel zu seiner Profitätigkeit als Surfer. Der Trubel scheint ihn jedoch nicht aus der Fassung zu bringen. "Momentan lebt er in Laguna Beach, Kalifornien, mit all den Dingen, die er liebt: Seiner Frau, seinem Sohn, seiner Gitarre und dem Ozean", ist auf seiner Homepage zu erfahren.
Doch dann gesellt sich noch ein Instrument dazu: Die Orgel. So klingt sein Zweitling "Move By Yourself" (2006) nach Frankenreiters Wechsel zu Lost Highway wesentlich funkiger als der Vorgänger. "Ich höre sehr viel Musik, und ich fühle mich wohl dabei, so ziemlich alles zu singen. Ich will nicht wie ein Jemand dastehen, der den ganzen Tag am Strand rumhängt und mit seiner Klampfe am Lagerfeuer sitzt", erklärt er den Wandel auf der Seite seines neuen Labels.
Ein Weg, den Frankenreiter auf dem loungigen, schon fast tanzbaren Drittling "Pass It Around" fortsetzt. Das Album, an dem auch G. Love und Ben Harper mitgewirkt haben, erscheint am 22. August 2008.
Der Profisurfer über die perfekte Welle und sein Verhältnis zu Jack Johnson.
Er ist Profisurfer und erfolgreicher Musiker – kein Wunder also, dass bei zwei Vollzeitjobs seine Zeit knapp ist. So telefonieren wir mit Donavon Frankenreiter, kurz nachdem er von Australien aus in San Francisco gelandet ist.
Während des Gesprächs gähnt Frankenreiter häufig und hat Probleme, die Fragen auf Anhieb zu verstehen, aber das sei ihm verziehen – er entpuppt sich als äußerst relaxter Kerl, der gerne von seinem neuen Album "Pass It Around" und seiner Beziehung zu Jack Johnson erzählt.
Dein erstes, selbstbetiteltes Album vor vier Jahren war eine entspannte Singer/Songwriter-Angelegenheit. Dein Zweites Werk "Move By Yourself" klang schon deutlich grooviger. "Pass It Around" ist eine Weiterentwicklung in dieselbe Richtung, oder?
Das neue Album ist ein Gemeinschaftsprodukt, denn viele Musiker haben im Studio vorbeigeschaut, um mir bei den Aufnahmen zu helfen. Es war großartig. Als ich das erste Album aufgenommen habe, wollte ich einfach eine Platte machen und hatte keinen großen Plan. Das zweite ist mit meiner Begleitband entstanden, das dritte ist tatsächlich so etwas wie eine Weiterentwicklung, gibt aber auch nur den aktuellen Stand wieder.
"Pass It Around" erscheint heute in Deutschland. Wir haben es zu unserer Platte der Woche erkoren. Damit hast du Slipknot und The Game geschlagen.
Wirklich?!?
Ja. Slipknot haben auch hier eine sehr große Gefolgschaft. Ihre Musik ist aber genau das Gegenteil von deiner, oder? Brachial und hoffnungslos.
Haha. Das sollte man an einem regnerischen Tag nicht unbedingt hören, sonst fängt man an, Leute umzubringen. Da braucht man fröhlichere Kost.
In einem der neuen Stücke singst du: "Nimm dir Zeit, lebe nicht so schnell, singe ein Lied, wenn du den Moment erhalten willst. Singe ein Lied für deine Mutter, deinen Bruder und auch für deine Freunde". Ist das so etwas wie dein Lebensmotto?
Ja, schon. Was ich damit sagen möchte ist einfach: Hey, versuche, deine Zeit zu genießen, vor allem, wenn du unter Leuten bist. Man neigt ja dazu, von einer Sache zur nächsten zu hetzen. Das mit Bruder, Mutter und Freunde bezieht sich darauf, dass ich verheiratet bin und zwei Kinder habe. Sie erinnern mich immer wieder daran, dass ich langsam machen soll, relaxen, genießen - auch die Lieder, die ich singe. Ich soll mir nicht immer Gedanken machen über gestern oder morgen, sondern den Augenblick kosten. Das ist mir sehr wichtig.
Apropos Kinder: Gwen Stefani hat gerade ihren zweiten Sohn bekommen, der Nesta Rock heißt. Da hören sich die Namen deiner Kinder schon viel cooler an: Hendrix und Ozzy.
Haha, danke.
Als ich die Platte aufgenommen habe, gab es viele tolle Momente. Das war einer davon. Die Idee stammte von Joe Chiccarelli. Er ist der Beweis, wie wichtig es ist, einen genialen Produzenten zu haben. Ursprünglich hatte ich an eine Harmonikabegleitung gedacht, aber er meinte, dass sei viel zu simpel. Er höre im Hintergrund Geigen, Bläser und eine Mariachi-Band. So kam es dann auch. Es ist definitiv eines meiner Lieblingslieder auf der Platte, und ich finde, dass es super funktioniert.
In der Tat. Was bedeutet der Titel deines Albums eigentlich? Die Botschaft des Titelsongs scheint zu sein: Das Leben wäre viel einfacher, wenn wir mehr Verständnis füreinander hätten und uns nicht ständig anfeinden würden.
Na ja, so ist es im Leben: manchmal hast du einen guten Tag, manchmal einen schlechten. Doch das ist bei jedem anders – was leicht in Vergessenheit gerät. Das Leben ist keine einfache Angelegenheit. Aber wenn jeder eine gute Tat am Tag vollbringt und dabei jemand anderem hilft, und der wiederum jemand anderem, dann kommt so etwas wie eine Kettenreaktion zustande. Kleinigkeiten, wie eine Tür aufzuhalten oder jemanden beim Stau in die Schlange fahren zu lassen, anstatt die Lücke zu schließen. Ich bin der Überzeugung, dass die Menschen an sich gut sind, aber manchmal hat man eben einen schlechten Tag. Da hilft es, wenn man ein Lied hört und wieder daran denkt, dass auch eine kleine Geste Großes bewirken kann. "Reiche die positive Energie weiter", das bedeutet der Titel. So ging es bei den Aufnahmen auch im Studio zu.
Als ich den Titel des neuen Albums gelesen habe, ist mir was ganz anderes in den Sinn gekommen. Und zwar ein Stück aus dem Soundtrack zu "Easy Rider" von einer Band namens Fraternity of Man. Der Refrain lautet: "Don't bogart that joint, my friend, pass it over to me".
Yeah. Ich kenne das Lied. Das ist das Schöne an Musik: Jeder kann etwas hinein interpretieren. Es ist auch nicht so wichtig, was du herumreichst, so lange du es mit Freude teilst. Im Refrain heißt es: "Tue, was für dich richtig ist und ich tue, was für mich richtig ist". Ich möchte, dass jeder glücklich ist. Tue, was du willst, so lange du niemandem schadest. Lebe dein Leben und habe Spaß dabei.
Letztes Jahr habe ich dich bei einem sehr coolen Festival in der Schweiz gesehen, dem Paleo.
Ja, an das Festival kann ich mich sehr gut erinnern.
Du hast am Nachmittag im großen Zelt gespielt. Nicht auf der Hauptbühne, aber das war gut, denn es hat in Strömen geregnet. Es war ein sehr entspanntes Konzert. Was mir auch gefallen hat war dein Outfit: weiße Hose, ein rotes Hemd mit beigen Punkten und knallrote Lackschuhe …
Haha.
… Sah auf jeden Fall ziemlich cool aus.
Na ja, wenn du auf Tour bist, kommt immer wieder der Zeitpunkt, an dem du etwas Neues brauchst. Deine Klamotten fallen irgendwann auseinander, alles ist dreckig, du findest keine Waschmaschine, dann besorgst du dir halt was. Ich mag Schuhe. Ich habe auch ein Paar grüne. Mode macht Spaß, und ich liebe es, rote oder grüne Schuhe zu tragen. Oder gar keine, wie jetzt im Moment.
Ja. Gestern habe ich den ganzen Tag im Wasser verbracht. Es war unglaublich.
In Australien?
Ja, es war einer der besten Ritte aller Zeiten. Einfach nur unglaublich.
Ist es nur noch ein Hobby oder bist du nach wie vor ein Profi?
Ich bin immer noch ein Profi. Ich habe eine eigene Kollektion bei Billabong und eigene Boards. Kaum zu fassen, was sich da in den letzten sechs Monaten ergeben hat. Eine Riesengaudi, auf jeden Fall!
Du hast jetzt alle zwei Jahre eine neue Platte herausgebracht, warst damit auf Tour und surfst. Bist du überhaupt mal zuhause?
Ne, ich bin ständig unterwegs. Manchmal ist es echt hart. Ich versuche, so oft wie möglich meine Frau und meine Kinder zu sehen, aber das ist sehr schwer.
Hast du noch Kontakt zu Jack Johnson?
Ja, natürlich. Ich habe vor kurzem mit ihm telefoniert. Er ist am Sonntag in San Francisco bei einem Festival, auf dem ich auch spiele. Ich hoffe, dass wir die Gelegenheit haben, uns mal wieder zu sehen. Im September ist er hier in der Gegend auf Tour, vielleicht ergibt sich auch da noch was.
Er spielte eine wichtige Rolle auf deinem ersten Album, das bei seinem Label Brushfire Records erschienen ist. Dann bist du zu Lost Highway gewechselt, und bei der jetzigen Platte hat er nicht mitgewirkt. Es scheint also, als würdet ihr in unterschiedliche Richtungen gehen.
Die Sache ist: Er hat verdammt viel zu tun. Die Gäste auf dem Album waren eher zufällig in der Gegend. Wenn G. Love oder Ben Harper gerade unterwegs gewesen wären, hätten sie auch nicht mitgemacht. Die Zukunft ist offen. Ich würde es lieben, noch mehr Musik mit Jack zu machen, aber dieses Mal hat das Timing einfach nicht gepasst.
G. Love veröffentlicht seine neue Platte zum gleichen Zeitpunkt wie du. Habt ihr da so eine Art Wettbewerb wie letztes Jahr Kanye West und 50 Cent?
Ne, Dude, kein Wettbewerb, wir sind alle Freunde. Er hilft mir auf meinem Album, ich helfe ihm auf seinem, wir jammen miteinander, wir haben viel Spaß. Kein Wettwerb.
Der Auftritt in San Francisco ist der einzige, den du auf deiner Webseite aufgelistet hast. Wirst du demnächst auch nach Europa kommen?
Ja, im November werden wir durch Deutschland touren.
Cool. OK, die Zeit ist gleich um. Vielen Dank!
Hey Bruder, ich hoffe, dich im November zu sehen. Es echt hat Spaß gemacht, mit dir zu reden!
Danke! Bis bald, hoffentlich – und gute Erholung!
Abbey Road Sessions (2006), Donavon Frankenreiter (2004)
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Was soll man von ihm halten? Dr.A.Cula |
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21.01.10, 17:03 rifle |
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