Porträt

laut.de-Biographie

Der Sportvadder

"Wenn Sie Sportvadders Produkte in Anspruch nehmen, verdienen wir daran mehr als Sie." Ehrlicher geht's nun wirklich nicht. 2008 legt der Mann, der sich in seiner Heimat zwischen Rhein und Neckar längst einen Namen gemacht hat, sein Solo-Debüt vor. Seinem düsteren Titel zum Trotz präsentiert dieses keinen weiteren Möchtegern-Vorgartenganster, sondern bietet einem gewitzten Wortspieler eine Bühne.

Die Namen des Mannheimers Felix Kretz sind Legion: Er operiert als Felix Krass, Felix Hell, Mr. Metapher, Rainer Tisch oder eben als der Sportvadder. Auch Phel Ahuna wird gerne genommen: der erste Teil in Anlehnung an den bürgerlichen Vornamen, das Anhängsel schamlos aus dem Abspann eines Kinofilms geklaut: "Da stand: 'Special Sound Supervisor: Ahuna.'" Man versteht: Solches bleibt hängen.

Zumal die speziellen Sounds seit Beginn der 90er einen fixen Bestandteil im Leben des Sportvadders darstellen: Dann nämlich kommen ihm erste Beats aus New York zu Ohren. "Das ist Musik, die ich so dick finde, dass ich sie nicht hören kann, ohne sie selber zu machen", schwärmt er im Interview mit radioaktiv.org. Dem ersten Set noch riemengetriebener Plattenspieler folgen anständige Turntables.

Der Sportvadder beginnt seine Hip Hop-Karriere mit Cuts und Scratches als DJ. Bald bricht sich jedoch sein Mitteilungsbedürfnis Bahn. Er greift erst zum Stift, dann zum Mikrofon, schreibt und rappt hemmungslos über alles, das ihm in den Sinn kommt. In Kumpel Jimbo2K findet er einen Bruder im Geiste, mit dem er sich um 2002 zum Duo 2MAssive zusammenschließt.

Häufig mit Rückendeckung durch DJ Charles Pronzen, machen die beiden MCs die nähere und weitere Umgebung unsicher. Dem Erstling "Maulaffenfeil" von 2004 folgen Auftritte vor Kool Savas, Maeckes & Plan B, Franky Kubrick und Ugly Duckling, wobei Kontakte für eine internationale Kooperation geknüpft werden.

Um dem gemeinsamen Schaffen quasi den geeigneten Hobbyraum zur Verfügung zu stellen, rufen der Sportvadder, Jimbo2K und zwei weitere medieninteressierte Freunde die Plattform Hirnpiloten Entertainment ins Leben. Beim hauseigenen Label kümmert man sich selbst um die Eigenproduktionen in Bild und Ton und gibt sich zudem in alle Richtungen offen: "Wir schätzen unsere Hater so wie unsere Fans", lautet das Credo.

Neben seinem Studium in Politikwissenschaften, öffentlichem Recht und Anglistik feilt der Sportvadder an Reimen und Beats, bis Anfang 2008 die Zeit für den Alleingang reif scheint. Phel Ahuna gestattet einem breiteren Publikum einen Blick auf den Film aus seinem Kopfkino. "Big City Asozial"? "Ja, wir wollten einen richtig dummen, polemischen Titel als Aufhänger."

Statt der erwarteten düsteren Ghetto-Posen bietet der Longplayer jedoch zuweilen leicht melancholischen "angry young men shit", eine gekonnte Verwurstung des Instrumentals aus Missy Elliotts "Sock It 2 Me", scharfsinnige Alltagsbetrachtungen auf der Fahrt im "Methadonexpress", nicht zu trübsinnige Befindlichkeitsanalysen sowie einen Satz heiße Ohren für die gängigen Hip Hop-Klischees. Den Produktionen hört man die Heimarbeit deutlich an, doch: "Ich steh' auf den unfertigen Charme", so der Chefkoch.

Der Sportvadder sieht sich selbst als Skeptiker, der Gefallen daran findet, ständig etwas zu meckern zu haben. "Ein komplettes Ignorieren habe ich nicht nötig, selbst wenn meine Mucke nicht relevanter ist als ein Mückenfurz", fordert er. Von "komplettem Ignorieren" kann tatsächlich keine Rede sein: Die Reaktionen auf "Big City Asozial" fallen zwar höchst geteilt aus. Mit Vergleichen mit Mnemonic oder Marteria und dem Prädikat "für Denker und intellektuelle Wortakrobaten" (hip-hop.de) sollte es sich aber durchaus leben lassen.

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