8. Oktober 2009

"Ich bin ein verdammter Irrer!"

Interview geführt von

Eigentlich war Dead By Sunrise nur als Nebenprojekt von Chester Bennington (Linkin Park) geplant. Jetzt veröffentlicht die Band ihr erstes Album "Out Of Ashes". Im Interview mit Chester Bennington und Bandkollege Ryan Shuck (auch Mitglied von Orgy und Julien-K) stellen sie gleich fest: "Wir sind nicht Linkin Park!"Schwarze Stiefel, schwarze Tight Pants, schwarzes Haar. Ein relativ kleiner Mann in relativ großen Schuhen betritt den Raum, schwarz angezogen von Kopf bis Fuß. Tattoos an den Händen, Tunnel im Ohr.

Chester Bennington – gefolgt von Ryan Shuck, ebenfalls Mitglied von Chesters Nebenprojekt Dead By Sunrise und außerdem Mitglied der Gruppen Julien-K und Orgy. Ein weiterer Mann ist bei ihnen, daneben noch ein Promoter. Hoffentlich wird das kein allzu steifes Interview, denke ich noch, als ein Quieken ertönt.

Ryan stößt diesen Schrei aus, verschwindet auch gleich wieder. Aus dem Nebenzimmer tönt: "Ich erkunde erst mal die Suite." Plötzlich taucht er hinter mir wieder auf, grinst. "Ok. Alles gesehen. Es ist wunderschön." Wieder ein Lachen, in das auch Chester einsteigt: "Mein Zimmer sieht ganz genauso aus. Ist fast wie nach Hause kommen." Wie Ryan darauf reagiert, verstehe ich nicht. Er nuschelt in sich hinein, ans Ende des Satzes hängt er jedenfalls ein "Motherfucker", so viel ist sicher. Chester ist jetzt auch verschwunden. Aus der Küche der Ruf: "Auch nen Kaffee?" Oh ja. Gerne. "Den harten Stoff oder lieber medium?"

Ist fast so, als wäre man mit Freunden zum Kaffeeklatsch verabredet. Aufgedrehten Freunden, die gerne ihre Stimmen verstellen. "Was zum Teufel ist das denn?", fragt Ryan, der Chesters geübte Handgriffe an der Maschine beobachtet. "Kaffeeeeeee", flötet der Sänger. Danach folgt eine Erklärung über verschiedene Kaffeebeutel, die Arten von Zucker und unterschiedliche Tassengrößen. Er plappert und grinst und lacht.

Unterbrochen werden die Erläuterungen von einem meckernden Ryan aus dem Hintergrund. "Du hörst dich an, als wärst du zehn. Nä nä nä nä nä", scherzt Chester zurück. Inzwischen wundert es mich nicht mehr, dass Ryan darauf einsteigt und beide "Nä nä"-kreischend durch das Zimmer wuseln. Kindergarten hier? Dafür verwenden die Jungs zu oft Wörter wie "Fuck" und "Shit" und "Motherfucker". Aber jetzt sollte das Interview doch langsam beginnen. Am Tisch oder auf der Couch?

Ryan: Schau dir dieses Bett an. Das sieht toll aus.

Wollt ihr das Interview jetzt etwa im Bett machen?

Ryan: Ja klar, komm, gehen wir miteinander ins Bett (lacht). Stellt euch das vor, wie das wäre (grinst). Dann kommt jemand rein, und wir liegen da so ...

Chester: ... nackt ...

Ryan: ... auf dem Bett.

(Über das Gelächter hinweg brüllt Chester mit gespielter Prollstimme:) Ey Leute, kommt rein, machts euch bequem. Von welchem Magazin seid ihr?

Also sollen wir anfangen?

Ryan: Ich dachte, wir hätten schon längst angefangen.

Chester: Hey, wir machen nur Spaß. Du hast das Glück, uns als erste interviewen zu dürfen. Deswegen sind wir jetzt noch am lustigsten, am energiegeladensten ...

Das ist kaum zu übersehen.

Chester: ... und am glücklichsten - im Vergleich zum Ende des Tages. Der, der als letztes mit uns redet ...

Ryan: ... das wird scheiße.

(Beide grummeln. Chester zieht eine Grimasse. Na dann hoffe ich mal, dass meine Fragen die beiden Quatschköpfe nicht langweilen.)

"Ich werde älter, aber mache trotzdem die ganze Zeit dumme Fehler."


Ok, also die erste Frage geht an dich, Chester. Man nennt dich "Meister der Selbstzerstörung". Was ist dir denn schon alles passiert?

(Chester wiederholt den Titel - mit verstellter Stimme versteht sich - übertrieben dramatisch und sehr pathetisch:)

Meister der Selbstzerstörung. Das ist mein offizieller Titel. Kanye West ist der König der Volltrottel und ich bin der Meister der Selbstzerstörung. Ist echt toll, wie sich so was entwickelt.

Na, was ist dir denn passiert? Führst du Buch darüber?

(Chester will gerade antworten. Ryan fällt ihm ins Wort. Es ist nicht das erste Mal an diesem Tag und sicherlich nicht das letzte. Die beiden ergänzen sich, beenden Sätze füreinander. Man merkt ihnen an, dass sie sich bereits seit Jahren kennen.)

Ryan : Die Frage ist, was ihm noch nicht passiert ist.

Chester: Nun, hm. Also. Weißt du, ich denke, es gibt sicher Leute, die ihr Leben besser hinkriegen als ich. Also, na ja, ich denke, auf die eine Weise ... weißt du ...

(Ryan war zu lange still. Jetzt gibt er Schmerzlaute von sich, macht dazu zerstörerische Gesten und übertönt Chesters Gestammel.)

Ryan: Also. Erstens: Du bist von der Linkin Park-Bühne geflogen und hast dir deinen verfickten Arm gebrochen. Du hast einen Tisch zerhauen und dir dabei die Hand gebrochen.

Chester: Ich hab gegen ein Stoppschild gehauen ...

Ryan: ... und dir deine verdammten Knöchel gebrochen. Du hast dir deinen Rücken so sehr zerstört, dass du damit für den Rest deines Lebens Probleme haben wirst.

Chester: Und das sind nur die witzigen Sachen (lacht).

Eigentlich haben wir für das Interview nur eine halbe Stunde Zeit, aber erzählt ruhig weiter.

Chester: Ich bin vielleicht nicht Meister der Selbstzerstörung, aber ich bin schon gut darin.

Was müsste dir denn passieren, damit du sagst: Ok, es reicht. Nie wieder auf die Bühne.

Chester: Ich habe diese Linie bereits einmal überschritten. Ich hatte einen - sagen wir - mentalen Zusammenbruch. Da drehst du durch. Beginnst, verdammte Dämonen zu sehen. Leute, die aus dem Boden auftauchen und all dieses verfickte, durchgeknallte Zeug. Dann sagst du irgendwann: Jetzt hab ich genug. Wenn es sich so anfühlt, als würdest du gar nicht mehr richtig leben, und du willst die ganze Zeit nur sterben, dann ist das ein ziemlich gutes Zeichen, dass du aufhören solltest.

Wie hast du es geschafft, dass du jetzt wieder weiter machen willst und kannst?

Chester: Weißt du, das war nie so, dass ich das gemacht hätte, weil ich mein Leben oder mich selbst hasste. Es war damals einfach ein perfekter Ansturm vieler verschiedener Dinge. Alles zur gleichen Zeit. Plötzlich befand ich mich umgeben von so viel Negativität. Aber dann fand ich die Liebe meines Lebens. Ich habe wirklich tolle Freunde um mich, die ehrlich zu mir sind und mir weiter helfen. Sie bringen mich auf die richtige Bahn zurück. Ich hab eine tolle Familie und wunderbare Kinder, die mir einfach alles bedeuten. Ich habe meine Karriere. Und das sind die Sachen, die ich wirklich will. Leider beschwören wir manchmal unsere Dämonen herauf und lassen uns von ihnen das Beste nehmen.

Also gibt es für dich kein bestimmtes Alter, bei dem ein Rockstar lieber die Bühne räumt?

Chester: Ich bin noch völlig unreif. Ich werde zwar älter, aber ich mach trotzdem noch die ganze Zeit dumme Fehler.

(Chester ist ernst geworden bei diesen Fragen. Verständlicherweise. Er kämpfte gegen seine Alkoholkrankheit, hat seine Scheidung hinter sich. Eigentlich mochte ich Dead By Sunrise lustig drauf lieber. Themenwechsel: Ihr Album "Out Of Ashes". Lange schon arbeitet die Band an der Platte, einige Tracks sind bereits ziemlich alt.)

Chester: Ja, der älteste Song von Dead By Sunrise ist "Morning After". Den hab ich geschrieben, als ich 15 war. Mit dem Rest haben wir im Sommer 2005 angefangen.

Aber nervt das nicht, wenn sich die Produktion über einen so langen Zeitraum hinzieht?

Chester: Na ja, wenn wir nur in Dead By Sunrise spielen und trotzdem vier Jahre für die Aufnahmen brauchen würden, dann wäre das echt nervig. Aber in der Realität hat das ja gar nicht so lange gedauert.

Ryan: Nicht mal ein Jahr.

Chester: Ja, nicht mal ein Jahr.

Ryan: Das Ganze hat vielleicht acht bis zehn Monate gedauert.

Chester: Ja, acht bis zehn Monate.

Ryan: Wir haben es halt nur ein paar Jahre liegen lassen.

Chester: Wenn es wirklich so lange gebraucht hätte, wären wir heute keine Band mehr, schätze ich.

Wie habt ihr daran gearbeitet? Erst einen Song fertig geschrieben und dann den nächsten? Habt ihr einen fertigen Song über die Jahre hinweg immer wieder verändert oder war er nach der ersten Beendigung endgültig fertig?

Chester: Musik ist etwas Organisches. Sie wächst so schnell oder langsam, wie sie möchte. Manche Songs brauchen eben zehn Jahre. Da musst du den Code knacken. Andere Songs hingegen lässt du einfach bleiben, wenn sie zu lange dauern. Wieder andere (schnipst mit den Fingern) kriegst du an einem Tag hin. Das ist schon ziemlich bizarr. Wenn ich nicht zu verbissen daran denke, klappt es am besten.

Ryan: Es ist nicht leicht. Aber es ist auch nichts, was dich quält. Wir arbeiten echt hart, aber es macht jede Menge Spaß. Manchmal sitzen alle zusammen und machen sich Notizen. Dann sind wir irgendwann richtig frustriert und schreien: Fuck. Danach hören wir auf. Lassen ein bisschen Dampf ab. Spielen Computer. Wir erschießen uns gegenseitig, danach gehts zurück ins Studio. Ein erneuter Angriff. Es ist echt kompliziert, verrückt, tricky. Aber bei uns ist das auch nach einem Jahr nicht so, dass wir denken: Fuck it, jetzt reichts. Im Gegenteil, das gibt uns nur noch mehr Energie und wir wollen es endlich schaffen.

Chester: Ja, ja, ja. Stimmt. Würde ich jemals ein Jahr an einem einzigen Song arbeiten? Nee. Es ist mal ein Stündchen hier, mal eines da. Wenn ich nach zwei Wochen nicht denke, dass es klappt (schnipst wieder), dann leg ich den Song einfach zur Seite. "Fire" zum Beispiel hat echt lange gedauert. Aber bei ihm fühlte ich, dass es wert war, für ihn zu kämpfen. Ich wusste einfach, dass an ihm irgendetwas Cooles ist, obwohl die ursprüngliche Melodie und die Lyrics noch gar keine Bedeutung hatten. Ich hatte in der Rohversion diese Zeilen, von denen ich dachte: Verdammt, die sind echt gut. Die sind verdammt nochmal großartig. Wie krieg ich eine beschissene Geschichte um die herum? Allerdings musste ich die Ursprungsidee am Ende komplett fallen lassen. Plötzlich machte es dann: Bam! Anders bei "Condemned". Da bin ich morgens aufgewacht. Ich hatte die Musik. Ich hatte die Lyrics. Ich hatte die Melodie. Ich dachte: Fuck, das darf ich nicht verlieren. Da musste es echt schnell gehen.

Das heißt, du hast eine Gitarre neben deinem Bett stehen?

Ryan: Eigentlich in jedem Raum.

Chester: Ja, entweder eine Gitarre oder eben mein Handy. Dann geht's Nänänänä.

(Chester tut jetzt so, als würde er ein Handy vor seinen Mund halten. Er gibt Gitarrengeräusche von sich und schrammelt so eine Melodie vor sich hin. Ob er schon neue Ideen hätte, frage ich Chester. Sicher 40 bis 50, antwortet er. Eine Kostprobe erhalte ich sofort. Lachend streckt Ryan mir sein Handy entgegen. Eine Melodie erklingt vom Player. Keine Lyrics, aber imitierte Gitarrentöne, Schlagzeuggeräusche. Nänänä vom Handy.)

Chester: Ja, so funktionierts. Einfach den kosmischen Radiosender in deinem Kopf anschalten und zuhören. Als junger Musiker ist das natürlich schwer. Da versteht man noch nicht, wie man einen Song richtig aufbaut und wie man Titel eigentlich schreibt. Ich habe so viele wirklich beschissene Songs geschrieben. Bis du deinen ersten richtig guten Track schreibst, ist alles andere davor zum Kotzen. Das frustriert dann schon. Es ist eben einfach verdammt schwierig. Da musst du echt kritisch mit dir selbst sein. Ich glaube, dass ist das Härteste am Bandleben: Du musst dein Ego zurück stecken. Wir sind Künstler. Wollen gut aussehen, cool sein. Wir sind sehr auf uns fixiert und egoistisch. Wenn dir dann jemand sagt: Nö, das ist scheiße, dann musst du das manchmal akzeptieren und erkennen, dass es eben einfach scheiße ist. Du darfst dich nicht mit einer Melodie verheiraten und dich auf sie fixieren.

"Wenn Dead By Sunrise floppt, ist das allein meine Schuld."


Wie ist das mit den Bandkollegen von Linkin Park? Ist es ok, dass du in einer anderen Band spielst?

Ryan: Sie unterstützen uns total.

Chester: Wenn es für sie nicht ok wäre, würde ich es niemals tun.

Was ist denn für dich der größte Unterschied zwischen den beiden Bands?

Chester: Kein Mike Shinoda, kein Brad Delson, kein ...

Ryan (lacht): Ja, eine ist halt Linkin Park und die andere halt Dead By Sunrise.

Chester: Naja, ich will keinen der Jungs von Linkin Park beleidigen, ich finde, Linkin Park ...

Ryan: ... ist die "fucking best band of the world"!

Chester: Es ist echt fantastisch und eine Ehre für mich. Unser Sound klingt aber sehr nach Mike, er ist der Kern Linkin Parks. Brad ebenso. Deswegen fühlst du bei LP Mike Shinoda. Bei Dead By Sunrise bin diese Person ich. Mikes und meine Art, Songs zu schreiben, ist ganz anders.

Wäre das hart für dich, wenn du mit Dead By Sunrise nicht so erfolgreich werden würdest?

Chester: Ehrlich gesagt, bin ich immer noch überrascht, dass LP so erfolgreich sind. Ich weiß nicht, warum die Leute unsere Musik so lieben, es gibt schließlich noch so viele andere gute Bands. Mir vorzustellen, dass Dead By Sunrise jemals so erfolgreich werden könnte, ist irgendwie lächerlich. Allein mit "Hybrid Theorie" haben wir mehr Platten verkauft als manche Künstler in ihrem ganzen Leben. Meinst du, so was könnte noch mal passieren? Wahrscheinlich nicht. Deswegen geht es uns als Band einfach darum, dass alle, die unsere Platte kaufen, sie auch mögen. Wenn das passiert, ist das für uns ein Erfolg. Klar, gibt es da immer ein paar Leute, die Linkin Park und Chester Bennington hassen und deswegen dann auch grundsätzlich schon Dead By Sunrise scheiße finden. Bisher haben wir aber eigentlich nur Gutes gehört. Sollte "Out Of Ashes" jetzt doch floppen und Horrorkritiken bekommen, dann ist das meine Schuld als Songwriter. Dann habe ich einfach alles falsch gemacht. Ich werd mich bei euch Jungs entschuldigen.

(Chester wendet sich an Ryan, schlägt ihm auf die Schulter – der allerdings lacht nur.)

Du würdest dann aber nicht bei Dead By Sunrise aufhören, oder?

Chester: Ich weiß nicht. Ich bin ziemlich sensibel. Wenn mir jetzt jeder sagt, dass es scheiße ist, würde mir das schon nahe gehen. Wenn uns die Leute dann bei Auftritten ausbuhen und kein Schwein die Platte kauft, wenn wir nicht mal unsere Schulden an unser Label zurückzahlen können, dann... Fuck! Ja, dann würde ich es lassen. Ich wäre am Boden zerstört.

Ryan: Wir haben überhaupt nicht das Ziel, so erfolgreich zu sein wie Linkin Park. Wir sind Dead By Sunrise und nicht Linkin Park. Deswegen sitzen wir auch nicht da und sagen uns den ganzen Tag: "Ach Fuck. Wir sind nicht so erfolgreich wie LP. Scheiße." Wir wollen doch nur Sachen machen, die den Leuten gefallen.

Und wie entscheidest du, welche Ideen du für Dead By Sunrise verwendest und welche für Linkin Park?

Chester: Am Anfang war das schwieriger. Da schrieb ich die Songs mit der Absicht, sie mit Linkin Park zu veröffentlichen. Ich bin mir sicher: Wenn ich Mike die Songs geben würde, könnte er einen Mike-Song daraus machen. Aber dabei würden sie genau das verlieren, was ich an ihnen mag. Wir unterscheiden uns sowohl von den Melodien als auch den Lyrics sehr. Deswegen ist mir heute bereits beim Schreiben klar, was ich für Linkin Park verwende. Oder bei was ich mir denke: Nein, das hebe ich für Dead By Sunrise auf. Wenn ich mit Brad und den anderen im Studio bin, sagen sie mir auch: "Ja, das ist cool ... aber ... nimm es doch lieber für Dead By Sunrise" (lacht).

Ryan: Linkin Park sind wirklich so cool. Die gehen echt gut damit um. Sie unterstützen uns, wir sind gut befreundet. Das macht die Sache natürlich noch einfacher.

Chester: Wenn es ihnen damit nicht gut gehen würde oder sie sich versetzt fühlen würden, würde ich Dead By Sunrise zurückstellen. Ich habe allen im Vorfeld gesagt, dass ich gerne an dem Soloprojekt arbeiten möchte. Sie fanden es cool. Aber sie wissen auch, dass es Linkin Park niemals im Weg stehen wird. Wenn alle von LP ins Studio gehen wollen, dann sage ich nicht, dass ich jetzt aber lieber mein eigenes Ding durchziehe. Das wäre total uncool. Ich rufe Ryan einfach an und erkläre ihm, dass ich ab morgen mit Linkin Park im Studio bin.

Chester, du hast in einem Interview gesagt, dass es auf der Welt so viele Künstler gibt und alle sind einzigartig. Dann sag mal, was macht Dead By Sunrise so einmalig?

Chester: Ich wusste bereits, als ich die Songs fertig hatte und den anderen zur Bearbeitung gab, dass ein Sound herauskommen würde, den wir nur haben, weil genau wir zusammen arbeiten. Wir brauchen schließlich nicht noch eine Band, die genauso klingt wie Linkin Park oder Julien-K oder Orgy. Wenn Leute Dead By Sunrise beschreiben, benutzen sie Bands von Tears for Fears über T-Rex bis zu Soundgarden als Vergleich. Wie zum Teufel kann so was passieren, frag ich mich dann immer. Aber ist ok, die Leute versuchen so was ja ständig ...

Ryan: ... ist aber auch wirklich schwierig.

Langweilen euch die ewigen Vergleiche?

Beide: Nein, nein.

Ryan: Ist ok, verglichen zu werden. Aber für uns selbst wäre es schwierig, festzulegen, dass wir nach einer Kombination von dem und dem und dem klingen.

Chester: Ich denke, am besten beschreibt man es so: irgendwie grungy, dirty und punky - gemischt mit einer Art Elektro-Pop-Alternative-Sound. Das ist Dead By Sunrise.

(Inzwischen rede ich bereits 40 Minuten mit den beiden - 30 sollten es sein. Ich hatte mir im Voraus eigentlich noch viele Fragen überlegt. Aber die Jungs sind so verplappert und witzig. Antworten sprudeln aus ihnen heraus, so dass das Gespräch eine ganz andere Richtung eingeschlagen hat als geplant. Nur noch eine letzte Frage.)

In einem deiner Songs singst du: "What the hell is wrong with me, this isn’t who I'm supposed to be." Hast du darauf inzwischen eine Antwort?

Chester: Nein, keine Ahnung, was mit mir nicht stimmt. Ich will immer die richtigen Sachen machen. Will darauf hören, was mein Herz mir sagt. Und immer wieder bau ich Scheiße und mach etwas ganz anderes. Genau so war es mit meinem Alkoholproblem. Ich hatte ein Glas in der Hand und dachte nur: "Scheiße. Ich will das nicht trinken. Fuck!" Dann hab ich es angesetzt und den ganzen Scheiß auf einen Zug runter gehauen. Was zur Hölle passierte da nur? Das ist mein Dilemma. Ich komme immer wieder in Situationen, in denen ich die Kontrolle über mich verliere. Das ist total kacke. Voll verrückt. Ich bin ein verfickter Irrer.

(Schon irgendwie verrückt, dass wir alle drei herzhaft darüber lachen. Fuck yeah.)

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