Porträt

laut.de-Biographie

Culture Club

"Culture Club ist eine lebende Soap Opera. Manchmal muss ich mich selbst zwicken, weil es total verrückt ist", gibt Frontmann Boy George 1999 zu Protokoll. Damit offenbart er eine Liebe-Hass-Beziehung zur jener Band, der er seine Karriere zu verdanken hat.

Culture Club entstehen 1981 als Nachfolger von Sex Gang Children. Zu George (geb. 1961 als George O'Dowd) und Bassist Mikey Craig (geb. 1960) stoßen Gitarrist und Keyboarder Roy Hay (geb. 1961) sowie Schlagzeuger Jon Moss (geb. 1957). George hat zeitweise in Malcolm McLarens Sex Pistols-Möchtegern-Nachfolgeband Bow Wow Wow gesungen, Moss ist aber der einzige, der eine nennenswerte musikalische Erfahrung mitbringt. Er hat für Clash und The Damned gespielt, möchte jedoch von Punk-Szene wegkommen und leitet die junge Band in poppigere Gefilde.

Es bilden sich zwei Pole. Einerseits der homosexuelle George, der sich extravagant kleidet und schillernd schminkt. Andererseits der Frauenschwarm Moss, der sich von Georges "Unisexual Image" angezogen fühlt. "Ich begehrte ihn vom ersten Moment an, schon in den ersten Minuten war da eine magische Anziehungskraft ", erinnert sich George in seiner Autobiografie "Take It Like A Man" (1995). Die Geschichte von Culture Club hängt direkt mit ihrer Beziehung zusammen.

Zunächst läuft alles bestens. Mit ihren ersten zwei Singles "White Boy" und "I'm Afraid Of Me" erlangen Culture Club Anfang 1982 Achtungserfolge, mit "Do You Really Want To Hurt Me" stehen sie im Winter des selben Jahres auf Position eins der englischen Single-Charts. Den internationalen Durchbruch schaffen sie 1983 mit ihrem zweiten Album "Colour By Numbers" und der Auskopplung "Karma Chameleon", die weltweit die Spitzen der Hitparaden erobert. George ist der gefragteste Pop-Künstler des Moments.

Der enorme Druck, der auf ihnen lastet, macht den Mitgliedern jedoch zu schaffen. Moss kapselt sich zunehmend von George ab, der mit der Situation nicht umzugehen weiß und Zuflucht im Heroin sucht. Die Spannungen schlagen sich aufs dritte Album "Waking Up with the House on Fire" (1984) nieder, das die hohen Erwartungen nicht erfüllt. Nach einem Jahr Pause kommen sie 1986 wieder zusammen, können mit "From Luxury To Heartache" aber weder musikalisch noch kommerziell an den vergangenen Erfolg anknüpfen. Im Frühjahr 1987 gehen die Mitglieder getrennte Wege.

Während George nach einer Entziehungskur auch Solo Erfolge feiert, wird es um die anderen ruhig. Ein Reunion-Versuch 1989 scheitert am Sänger, der das Ende der Beziehung zu Moss noch immer nicht überwunden hat. Erst nach einer Aussprache raufen sie sich 1997 für ein VH1-Special wieder zusammen. Das Ergebnis sind eine Tour und sogar ein neues Album, " Don't Mind If I Do" (1999).

Auch danach sind Culture Club sporadisch auf ausgewählten Bühnen zu erleben. Der Mitschnitt ihres Konzerts in der Londoner Royal Albert Hall 2002 erscheint zwei Jahre später auf DVD. Einer weiteren Reunion verweigert sich Boy George aber. So engagieren die verbliebenen Bandmitglieder den erst 29-jährigen und völlig unbekannten Sam Butcher als neuen Sänger für eine Tour durch Großbritannien, die eigentlich am 7. Dezember 2006 beginnen soll, dann aber doch noch einmal verschoben wird.

Das wiederum ist Boy George auch nicht recht, er kann sich nicht verkneifen, Butcher als "grauenhaft" zu titulieren. Das gehe nun eindeutig zu weit, finden Drummer Jon Moss und Bassist Mikey Craig, nachdem Boy George sich schon in der Vergangenheit einiges geleistet habe. So hätte er nach Ansicht der beiden den Songwriting Award für "Karma Chameleon" bei den Q Music Awards nicht allein entgegen nehmen dürfen: "Den haben wir zusammen geschrieben. Am Schluss hatten wir sowieso viel mehr Einfluss auf Culture Club als Boy George".

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