Porträt

laut.de-Biographie

Chokebore

Die Südsee-Insel ist der natürliche Feind des (alternativ-rockenden) Musikers. Sofern dieser ebenso reiselustig wie knapp bei Kasse ist, einen gewissen existenzialistischen Anspruch an sein lautmalerisches Schaffen stellt und es satt hat, ständig vor denselben zehn Inselbewohnern aufzutreten. In Anbetracht der in Honolulu nichtexistenten Szene ziehen es Troy Balthazar (Gesang & Gitarre), Christian Omar Madrigal Izzo (Drums) sowie die Gebrüder James (Bass) und Jonathan Kroll (Gitarre) Anfang der Neunziger vor, mit ihrer Band Chokebore Land zu gewinnen.

Infiziert vom US-Hardcore kalifornischer Prägung zieht es die vier Hawaiianer 1992 in die Brutstätte Los Angeles, wo sie ihren eigenwilligen Stil aus brachialer Urgewalt und melodiebejahendem Indierock auf fruchtbarem Terrain weiter kultivieren. Chokebores tief melancholischer Unterton, gepaart mit düsteren Texten und schleppenden Beats verleitet fantasielose Musikkritiker dazu, das Œuvre der Band mit dem kitschigen Begriff Sadcore abzustempeln. Heute würde man den Sound ganz unverfänglich als Postrock deklarieren.

1993 kommen Chokebore unter die Fittiche des legendären Lärmlabels Amphetamine Reptile Records (AmRep) aus Minneapolis – Heimat so illustrer Kollegen wie Helmet, Melvins und Today Is The Day. Nach der Veröffentlichung des Debüts "Motionless" spielen sich Chokebore mit letzteren auf ausgedehnter US-Tour schon mal warm, bevor sie im Januar 1994 den Sechser in der Support-Band-Lotterie ziehen. Gemeinsam mit den Butthole Surfers begleiten sie Nirvana auf deren letzten zehn US-Shows – inklusive dem finalen Konzert in Seattle.

Unermüdlich erspielen sich Chokebore den Ruf einer gehirnerschütternden Livemacht, woraufhin ihnen vor allem in Europa eine Welle der Begeisterung entgegenschwappt. Dieser Musik kann man nicht einfach nur zuhören - sie zwingt den Hörer, sich mit ihr zu identifizieren, sie zu fühlen. Ohne Atempause geht es im Winter 1994 auf Tournee durch den alten Kontinent: 30 Shows in elf Ländern, mit zwei weiteren Bands eingepfercht in einem Nightliner – nichts für Wimps und schwache Nerven.

Mit "Anything Near Water" brechen Chokebore 1995 endgültig aus der Nische des Insider-Tipps aus und verschaffen sich selbst in Mainstream-Gefilden Gehör. Dank ihrer loyalen Fanbase frequentieren sie Europa erneut für ganze zwei Monate, spielen u.a. mit Girls In Hawaii in Belgien und teilen sich in Deutschland die Bühnen mit Tocotronic. Die frisch entflammte Bandfreundschaft mit den Hamburger Schülern besiegeln Chokebore 1996 sogar mit einer exklusiven Split 7-Inch.

Obwohl sie ihren Qualitätsstandard auf den Folgewerken "A Taste For Bitters" sowie "Black Black" mindestens halten und ihn bei "It's A Miracle" dank Mut zu Minimalismus und Folk-Einflüssen sogar noch auf ein höheres Level puschen, gehen Chokebores Energiereserven allmählich zur Neige. Am 7. September 2003 fällt in Paris vorerst der letzte Vorhang, James und Jonathan Kroll lassen sich in Berlin nieder und alle Vier kochen ihr eigenes Süppchen. Die Reunion-Tour, die Drummer Izzo 2007 mit Christian Death absolviert, ist dabei am ehesten der Rede Wert.

Am 18. November 2009 tauchen Chokebore, die niemals 'nie' gesagt haben, aus der Versenkung auf und kündigen via Newsletter an, sich für einige Europa-Shows im Februar 2010 wieder zusammenzuraufen. "We're gonna rock you like it's 1997!"

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