Porträt

laut.de-Biographie

Chinawoman

"Sentimental, melodisch, tragikkomisch, Chanson, weinen, während man lacht, dunkel, romantisch, theatralisch, wo das Echte das Erfundene trifft, filmisch." Mit dieser Beschreibung bringt diese russisch-stämmige Kanadierin, die mit bürgerlichem Namen Michelle Gurevich heißt, den Charakter ihres LoFi-Pops auf den Punkt.

Der Klang ihrer Musik zeichnet sich durch eine an Traurigkeit und Schmerz gekoppelte Feierlichkeit aus, wenn Chinawoman ihren Kompositionen dunkle Gitarren- und Klavierlinien und Synthie-Arrangements einverleibt, die sich in Slowcore-Manier am New Wave zu orientieren scheinen. Im behäbigen Tempo schreiten ihre Lieder voran und frönen der Geisterhaftigkeit eines Dark Cabaret und der Melancholie eines entschleunigten Vaudeville-Stils. Chinawoman krönt ihre englischsprachigen Songs schließlich mit der irritierend-schönen Androgynität ihrer Alt-Gesangsstimme, mit der sie zumeist Themen intoniert, die um die Abgründigkeiten und Unehrlichkeiten von Liebesbeziehungen kreisen.

Die schwermütige Stimmung ihrer Musik wurzelt in ihrer Kindheit in und ihrer musischen Erziehung. Die Tochter russischer Eltern, eine Ballerina und ein Ingenieur aus Leningrad, die in den Siebzigern nach Toronto auswandern, ist begeistert von der elterlichen Plattensammlung, die den melodramatischen Pop der Alla Pugacheva ebenso beinhaltet wie die melancholische Romantik des Nikolai Slichenko und den pathetischen Rock des Alexander Serov. "Manches davon ist ziemlich trashig und ich würde das englischsprachige Äquivalent wahrscheinlich nie hören", bemerkt sie.

Dass Michelle, die eigentlich als Cutterin arbeitet und nebenberuflich Kurzfilme dreht, zur Musikerin avanciert, ist dem Umstand zu verdanken, dass ein befreundeter Musiker sie ermutigt, sich eine MySpace-Seite anzulegen und eigene Songs einzuspielen.

2005 stellt sie schließlich als Chinawoman (weil sie wegen ihres Aussehens oft für eine Asiatin gehalten wird) ihren ersten Song "I Kiss The Hand Of My Destroyer" auf die Webseite und zeigt sich überrascht von dem enormen Zuspruch, den sie vor allem von Hörern aus Russland und den osteuropäischen Ländern erhält.

Nachdem sie genug Songideen realisiert hat, veröffentlicht Chinawoman 2007 ihr Debüt-Album "Party Girl" und untermalt einige ihrer Lieder mit selbst gedrehtem Videomaterial, die die Stücke um eine berückende Dimension bereichern. Vor allem die Videoclips zu "Lovers Are Strangers" und dem Titeltrack "Party Girl" erreichen in den stetig wachsenden Fankreisen Kultstatus.

Nach der Veröffentlichung des Lonplayer-Nachfolgers "Show Me The Face" (2010) zieht Michelle nicht nur wegen der ausgeprägten Musikszene und der günstigen Lebenshaltungskosten nach Berlin. Die deutsche Hauptstadt dient ihr vor allem als Ausgangsbasis für ihre ausgedehnte Tour durch Osteuropa im Jahr 20011. Daneben macht sie als Support-Act von den Hidden Cameras und Patrick Wolf auf sich aufmerksam.

Schwermut und Eleganz fließen bei Chinawoman unpathetisch ineinander und sind zu einem Wesenszug geworden, den sie im Herzen trägt: "Das ist wohl etwas Russisches an mir, diese Melancholie. Aber es geht mir nicht schlecht dabei. Für mich ist das ein normaler Zustand. Manche Leute sagen: Mein Gott, diese Musik ist so deprimierend. Und ich frage: Ach, echt? Ich höre halt nicht viel fröhliche Musik – für mich ist das normal."

Alben

  • Chinawoman

    Kunstvolle Homepage mit Vidos, Infos und weiteren Links.

    http://chinawoman.ca
  • Chinawoman bei MySpace

    Songs, Infos, Links.

    http://http://www.myspace.com/chinawoman

Noch keine Kommentare