Porträt

laut.de-Biographie

Carel Kraayenhof

Tango ist in. Das liegt zum einen an der Electro-Tango-Fraktion, allen voran das Gotan Project und Otros Aires, die dem altehrwürdigen Tango eine Frischzellenkur verpasst. Zum Anderen gibt es hervorragende Interpretinnen und Interpreten, die das Feuer und die Leidenschaft des Tango in allen erdenklichen Varianten und auf hohem Niveau weiter tragen.

Einer von ihnen ist Carel Kraayenhof, dessen Bekanntheitsgrad sich am 02.02.2002 auf einen Schlag ändert. An diesem Datum heiratet der holländische Thronfolger Prinz Willem Alexander seine aus Argentinien stammende Braut Prinzessin Máxima. Die musikalische Begleitung dieses Events übernimmt Carel Kraayenhof, der zu Ehren der Braut den Tango "Adiós Nonino" von Astor Piazolla intoniert. Etwa 550 Millionen Fernsehzuschauer verfolgen dieses Ereignis an den Bildschirmen und Kraayenhof wird quasi über Nacht berühmt. Seither gilt er als Botschafter des Tango, seine CDs verkaufen sich zu Zehntausenden und seine Konzerte sind regelmäßig ausverkauft.

Der niederländische Bandoneonist betritt die Weltbühne am 15. August 1958 im holländischen Aalst. Mit acht Jahren beginnt er Klavier zu spielen, interessiert sich aber schon bald mehr für das Akkordeon und die englische Concertina, das Instrument, das man von Clowns kennt. Während er sich als Punk durchs jugendliche Leben schlägt, kommt er 1983 mit dem Bandoneon in Berührung. Er verliebt sich unsterblich in das Instrument und die damit assoziierte Musik, den Tango.

Er vertieft sich in die Spielweise des Bandoneons, hört sich intensiv in die argentinische Volksmusik ein und transkribiert sie beflissentlich. Vier Jahre währt seine Besessenheit, bevor sein Eifer Früchte trägt. Vier Jahre, in denen er sich die Finger blutig übt und mit seiner Band Tango Cuatro erste Liveerfahrungen sammelt. Vier Jahre, in denen er seine Ohren fast ausschließlich mit Tango füttert. Und vier Jahre, in denen er so oft Astor Piazolla hört, dass er jede Komposition mitsingen kann. Dann ist es soweit.

Der Gottvater und das erklärte Vorbild Kraayenhofs, Piazolla himself, lädt ihn für drei Monate nach New York ein, um mit ihm am Broadway das Tangomusical "Tango Apasionado" zu performen. Dieser Ritterschlag verschafft dem begnadeten Virtuosen weltweite Aufmerksamkeit und dementsprechende Engagements. Im darauffolgenden Jahr, 1988, gründet er das Sexteto Canyengue, mit dem er 1990, auf Einladung von Osvaldo Pugliese (neben Piazolla der zweite Großmeister des Tango), ganz Argentinien bereist.

Seinen Status als Tango-Weltstar nutzt das Konservatorium im heimatlichen Rotterdam, um gemeinsam mit Kraayenhof ein Department für argentinischen Tango zu gründen. Bis heute ist es eine einmalige Besonderheit der Rotterdamer Hochschullandschaft, Tango auf Konservatoriumslevel zu lehren. Die kommende Dekade nutzt Kraayenhof für die Ausbildung seiner Meisterklasse, seine globalen Konzertverpflichtungen und seine ersten CD-Einspielungen.

Dann kommt die Prinzenhochzeit und mit ihr der kommerzielle Durchbruch. Die CDs "Tango Royal" (2003) und "Street Tango" (2005) festigen seinen Ruf als ausgezeichneter Virtuose. Seine Interpretationskompetenz beweist er auf "Guardians Of The Clouds" (2006), auf dem er die Musik Ennio Morricones adapitert. "Tango Heroes" (2007) widmet er seinen Idolen Astor Piazolla und Osvaldo Pugliese. Er feiert damit sein 20-jähriges Bühnenjubiläum und offeriert erstmals nur Titel, die von ihm selbst stammen.

Verstanden wissen will er "Tango Heroes" als Hommage an Piazolla und Pugliese. Dementsprechend kredenzt er hochwertige Tangokompositionen und veranschaulicht eindrucksvoll, mit welcher Leidenschaft er den Tango lebt. Und auch das nächste Projekt ist schon in Planung. 2008 soll eine CD erscheinen, die er gemeinsam mit dem gewaltigen Metropole Orchestra (Holland) und zahlreichen, international renommierten Gästen einspielen will. Tango ist eben in.

Alben

  • Carel Kraayenhof

    Die offizielle Netzheimat.

    http://www.carelkraayenhof.nl
  • Interview

    Carel Kraayenhof steht Rede und Antwort.

    http://www.tangoinfo.ch/interview/kraayenhof/kraayenhof_2002.shtml

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