Porträt

laut.de-Biographie

Brainless Wankers

Berlin und der Punkrock – die Hauptstadt hat schon so manche Band geboren, die später die Herzen und Nacken der Nation erschüttern sollte: darunter freilich die Ärzte und die Beatsteaks. Die Brainless Wankers tragen ebenfalls ihr "B" auf dem Kennzeichen des Tourbusses, mit dem sie sich aufmachen, die Republik mit ihrem Ska-Punk oder, wie sie es nennen, "Punkrock mit Trompete" zu überziehen.

1997 erscheint ihre erste EP. Noch mal sechs Jahre zuvor entsteht die Gruppe – als Reinickendorfer Schulband (der Name entstammt übrigens dem Humor der damals Fünfzehnjährigen). Damals treten sie bereits auf verschiedenen Bühnen in Erscheinung, bestechen aber eher durch ihre Spaßigkeit (sie beleben deutsches Liedgut in Verzerrerspielchen) denn durch eine hervorragende musikalische Gabe. Oliver Reinert (Gesang), Felix Meißner (Gitarre) und Florian Knauer (Bass) bilden den Kern der Band. Felix besorgt wie es klingt, Olli bringt den Text dazu. Auch Florian bereichert das Repertoire von Zeit zu Zeit um ein Stück.

Desweiteren verfügen die Brainless Wankers über einen "Stammschlagzeuger", Oliver Obando "Obi" Amendt, der seinerzeit für Rudi Ruschmann zur Band stieß. Weil sich "Punkrock mit Trompete" live mit Bläsern vom Band nur schwerlich machen lässt, sind zu diesem Zwecke Tim Lange und Calle Schulze angeworben. Im Booklet unter "Dance" vermerkt, gehört auch Denis Klose zu den Wankers. Und in der Tat – Klose ist - wie bei den Vorbildern, den Mighty Mighty Bosstones Ben Carr - der offizielle Tänzer der Band (und Bassist bei der Berliner Gruppe "Blind Approach") und macht fast (aber wirklich nur vom Prinzip her) etwas wie eine Boyband aus den Musikern. Mit Sicherheit ein weiteres Attribut ihrer immer noch vorherrschenden, wenn auch inzwischen musikalisch gekonnten Spaßigkeit.

Erst 2000 erscheint schließlich das Debütalbum "Endorphin" und machte so die Bühne frei für Auftritte mit Bad Religion, den Mighty Mighty Bosstones, Millencolin und den Donots. Zwischenzeitlich gründen die Wankers ihr eigenes Label mit dem unprätentiösen Namen "Rockhit Records", auf dem sie nicht nur ihre eigene, sondern auch die Musik dreier weiterer Bands verlegen (One Fine Day, Andthewinneris und 5bugs). "Endorphin" wird zusammen mit seinem neugeborenen Bruder "Consider Yourself Rocked" 2004 (noch einmal) veröffentlicht. Endlich geraten die Brainless Wankers auch an den gemeinen Radiohörer und werden sogar, wenn auch eher in der offeneren Jugendsparte, im Öffentlich-Rechtlichen gespielt.

Im Februar 2005 erlebt sie auch der private Fernsehzuschauer: Beim "Bundesvision-Song-Contest" der Abendsendung "TV Total" kreuzen sie sich mit Rapper Sido und vertreten so gemeinsam das Bundesland Berlin. Wortwörtlich aus einer Schnapsidee von Beatsteaks-Torsten und dem Mann mit der Maske entsteht eine Version von "Mama Ist Stolz", die – unter den Bedingungen der Brainless Wankers – Sido (als Teenie übrigens Mitglied einer Punkband) bei der Produktion nur noch ein breit grinsendes Urteil erlaubt: "Ey, Killer, Alta!". Sowohl Szenepolizei als auch Mainstream bietet die Band damit eine schöne Menge Diskussionsstoff.

Die Zwischenzeit wird ebenfalls, ganz punkuntypisch, organisiert genutzt: mit einem Auftritt als sie selbst in der RTL-Serie "Hinter Gittern", einem Gig in Paris und der universitären Karriere in Form von Promotionen und einer Habilitation – die Hirnlosen haben nämlich sämtlich doch einiges an grauen Zellen vorzuweisen. 2006, inzwischen zu Szenegrößen ausgewachsen, schickt Rockhit Records den Drittling "If Everything Else Fails" auf den dort so geschickt verspotteten Markt. Wieder scherzen die Brainless Wankers über Genreklischees und verspötteln allzu durchgekaute Gutmensch-Diskurse auf ihre Weise. Berlin darf seinen Kindern ruhig mal anerkennend auf die Schulter klopfen.

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