Porträt

laut.de-Biographie

Bound Stems

Bandnamen-Bedeutungen sind ja ein Kosmos für sich. Wie Bound Stems (dt. gebundene Stängel) ihren erklären, hat aber fast schon etwas Sprachwissenschaftliches. Eine Verweis auf Blumen könne der Name sicher sein. Oder aber könne es ein Wort sein, dass seinen Platz in der Sprache verloren habe. Es komme immer auf seine Prä- und Suffixe an, wie der gebundene Stängel letztendlich aufblühe. Nun, so wie sie ihren Namen erläutern, machen Bound Stems auch Musik: kompliziert, aber durchaus nicht uncharmant.

Dan Fleury (Gitarre), Bobby Gallivan (Gesang und Gitarre) und Dan Radzicki (Bass, Keyboard, Gesang) spielen schon auf der Highschool miteinander Basketball. Als sie später spielend auch zu Instrumenten greifen, stößt Evan Sult (an Schlagzeug und Tapes und eigentlich von der Seattler Band Harvey Danger) im Spätsommer 2002 hinzu. Es beginnt die Zeit des musikalischen, höchst kreativen Herumtrödelns. Hier entsteht mal ein Song, wird eingespielt, dann ist schon wieder die Idee für einen nächsten da.

Bisher eine reine Männerband, wird Bound Stems ganz langsam von Janie Porche unterwandert. Zuerst ist sie mit den Herren befreundet, dann zieht sie irgendwo mit ein und schließlich bekommt sie auch in der Band einen Platz: als zweite Lead-Sängerin und Mädchen für alles (was die Jungs nicht können?): Gitarre, aber auch Sampler und Violine (im Booklet des ersten Longplayers als "Instruments" bezeichnet). Schließlich resultiert das Probieren auch in einer Hörprobe: "The Logic Of Building The Body Plan" ist ihr erstes Baby, noch in EP-Länge.

Zwei Jahre sollte es noch dauern, bis "Appreciation Night" geboren wird. Als deren Gastgeber bezeichnet die Band die Stadt Chicago, "wo der Bürgerkrieg sich mit der Hochbahn überschneidet". So soll sich in den Songs auch die Stadt wieder finden, wie die Stadt auch der Gruppe eine Heimat bietet. Flughafen, Drehkreuze, Partys, private Unterhaltungen, knirschender Schnee – aus allen Ecken ihrer Songs rauscht neben ihren Instrumenten auch der Alltag der Stadt.

Drummer Evan und Tim Sandusky produzieren das Album im "Studio Ballistico" und basteln an das, was aus den Instrumenten der Gruppe kommt, noch verzwickte Zugaben und Strukturen heran, die unter den angenehmen Melodien erst erhört werden müssen. Und die Musik selbst? Als Vorbild nennen sie die Eagles. Und das klingt dann wie? "Wie wenn jemand geübt hätte", sagen sie selbst. Understatement oder Eigenlob? Auch hier darf wieder analysiert werden. Tatsächlich muten sie zuerst wie eine fast beliebige Alternative-Band an: gefällige Melodien, tanzbare Rhythmen.

So einfach machen es einem Bound Stems aber doch nicht. Fix den Rhythmus gewechselt und etwas Disharmonie beigemischt und das Mitsummen weicht dem Interesse, den Song zu begreifen. Im September 2006 wird das kluge Kind endlich eingeschult: Die Platte wird veröffentlicht. Und bekommt auf der Stelle gute Zensuren. Sogar die New York Times lobt sie für ihren "stur eigenwilligen Rock".

Mittlerweile haben sie auch ihre eigentlichen Berufe aufgegeben (Geschichtslehrer, Comic Art-Director und Techniker), um, voll im Vertrauen auf ihre Musik, sich ganz dieser zu widmen. Immer immer mit ordentlich Sprachzusatz, damit es weiterhin auch viel zu rätseln gibt: "Es ist Zeit, das gute Wort zu verbreiten".

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