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Im Jahr 1992 veröffentlicht Dr. Dre das Album "The Chronic" und läutet eine neue Ära in der Geschichte des Hip Hops ein. Gangsta-Rap war geboren und das allmächtige G breitet sich langsam aber sicher von Compton über die ganze Welt aus. Doch 1992 ist nicht nur das Jahr des gewalttätigen Wiederstands in der Hip Hop-Gemeinde, sondern auch die Geburt einer der friedlichsten und musikalischsten Phänomene, die der Rap-Zirkus bis heute zu bieten hat.
Arrested Development ist ein Zusammenschluss verschiedenster Künstler, die erstmals 1992 mit der Veröffentlichung ihres Debüts "3 Years, 5 Months And 2 Days In The Life Of ..." auf sich aufmerksam machen. Der Titel des Albums bezieht sich auf den Zeitraum, der zwischen der eigentlichen Gründung und dem ersten Plattenvertrag liegt. Die Anfänge gehen also bis Ende der Achtziger Jahre zurück, als sich das Mulitalent Speech, DJ Headliner und weitere 17 Künstler im amerikanischen Süden zusammenschließen, um ihre musikalischen und innovativen Kräfte zu bündeln. Mit einem Mix aus klassischen Rap-Elementen, Ethno-Pop-Ambitionen, dem Bewusstsein über die eigenen afroamerikanische Identität und der Fähigkeit althergebrachte Musik zu spielen, entwickelt sich ihr Erstlingswerk zu einem, für Begeisterung sorgenden Erfolg.
Seine Innovativität beweist das Künstlerkollektiv nicht nur durch den neuen Stil. Sie stellen auch einige Rekorde auf und ebnen nachfolgenden Künstlern den Weg. So sind AD die ersten Rap-Musiker, die stolz die Fahne des amerikanischen Südens in den Wind halten und schaffen so die Basis für die zukünftige Karrieren von Outkast, Goodie Mob oder den Nappy Roots. Noch größere Ehre wird ihnen durch den Gewinn zahlreicher Preise zuteil. Als erster Hip Hop-Act überhaupt gewinnen sie 1993 einen Grammy für den Besten Newcomer. Außerdem ehrt man sie mit zahlreichen MTV- und NAACP-Awards.
Im Mittelpunkt der Gruppe steht das Multitalent Speech, der mit fast erschreckender Übereifrigkeit die Fäden in der Hand hält. Im Oktober 1968 als Todd Thomas in Milwaukee, Wisconsin geboren, beweist Speech in einer bald 20-jährigen Musikkarriere, was er alles auf dem Kasten hat. Produktion, Gesang, Raps, Cuts, Management, Cover-Artwork und einiges mehr gehen auf seine Kappe. Und stets hat er die nötige Energie, um seine weniger motivierten Mitstreiter für ein musikalisches Weitermachen zu gewinnen. Nach dem Erfolg des Debüts mit der dazugehörigen Single "Tennessee" legen die Jungs und Mädels eine Unplugged-Version von "3 Years..." nach, die noch drei neue Tracks enthält. Die Aufnahmen hierfür stellen sich nicht als großes Ding heraus, gilt das Live-Einspielen der Instrumentals ohnehin als obligatorisch. Die Musikalität von AD unterscheidet sie auch von anderen Künstlern, die in dieser Zeit die Native Tongue-Szene zu einer Größe in der Hip Hop-Welt machen. AD kommen stets mit mehr Gesang als etwa A Tribe Called Quest oder De La Soul daher und auch ihr Afrozentrismus hat einen anderen Stellenwert als bei den Vorangenannten.
1994 folgt das zweite Studioalbum, das aufgrund der hohen Messlatte des Vorgängers enorme Kritik einstecken muss. "Zingalamaduni" orientiert sich noch mehr an klassischer afrikanischer Stammesmusik und so fehlt es ihm zusätzlich schlichtweg an der Frische, die das Debüt so erfolgreich gemacht hat. Zwei Jahre nach der Veröffentlichung von "Zingalamaduni" trennen sich die Wege der verschiedenen Künstler. Weder der Rückhalt in der Gruppe selbst, noch ausstehende Verpflichtungen gegenüber einer Plattenfirma können das Kollektiv zusammen halten.
Von der eigenen Kreativität getrieben, ist es schließlich nur Speech, der im mehr oder weniger breiten Licht der Öffentlichkeit bleibt. Als Solo-Künstler beginnt er die Musikwelt alleine mit seinem Können zu beglücken. Im Januar 1996 veröffentlicht das Multitalent ein selbstbetiteltes Solo-Debüt, das vor allem durch die Single "Like Marvin Said (What’s Going On)" für Furore sorgt. Zur Verwunderung vieler wird Speech besonders in Japan wie ein Weltstar gefeiert. Die Single steigt in den japanischen Charts auf Eins ein und bleibt dort sieben Wochen lang. Aus Freude über den neugewonnenen Markt und um seine Dankbarkeit auszudrücken, tourt Speech ausgiebig durch das Land der aufgehenden Sonne und manifestiert sich dort als absoluter amerikanischer Liebling. Aber auch in seinem Heimatland genießt er den Erfolg und geht mit den Pop-Rockern Hootie And The Blowfish auf ausgedehnte US-Tour.
Nebenher engagiert sich der Multiinstrumentalist als Wahlhelfer für den demokratischen Präsidentschaftskandidat Al Gore. Außerdem gelingen ihm einige Erfolge als Label-Eigner und Hausproduzent von Vagabond Productions. Wiederrum in Japan haben er und die von ihm produzierten Gruppen Nadirah und El Plus einige Hits. Mehr und mehr kristallisiert sich der japanische Markt als Hauptziel für Speechs Bemühungen heraus. Die Alben "Hoopla" und "Spiritual People" releast er zwar weltweit, aber nach entsprechender Promoarbeit hat er nur dort Erfolg.
Obwohl von vielen erhofft, kommt es 1999 völlig überraschend zu einer Reunion von AD. Die Gründungsmitglieder Rasa Don, Montsho Eshe, Baba Oje und Speech fassen sich ein Herz und gehen gemeinsam ins Studio. Aus diversen Sessions gehen schließlich die EP "Da Feelin’" und das Album "Heroes Of The Harvest" hervor, die wieder mal lediglich in Japan Anerkennung finden. Es folgen ausgedehnte Touren durch das Land und der Top 3-Hit "Braided Hair" mit der Sängerin Neneh Cherry in den dortigen Charts.
Trotz der vielversprechenden Fast-Reunion von AD müssen sich die Fans noch einmal fünf Jahre gedulden, bis schließlich das erste Studio-Album nach zehn Jahren 2004 in den Läden steht. "Among The Trees" ist dabei eine Rückbesinnung auf die alten Zeiten, mit einer Prise Aktualität, die sich vorwiegend in der Pop-Affinität des Albums äußert. Die Freude über einen definitiven Zusammenschluss des Kollektivs überwiegt aber die Tendenz zu 08/15-Schmuse-Rap. Arressted Development sind zurück und das mit ihrem speziellen innovativen Touch und dem außergewöhnlichen musikalischen Können. Und das allein tut dem gesamten Musik-Zirkus, besonders der eingefahrenen Hip Hop-Szene, mehr als gut.
Am 26. August 2006 meldeten sich AD in Europa zurück. Sie performen unplugged auf der Leipziger Games Convention brandaktuelle Songs aus ihrem neuen Album. Im September 2006 erscheint der sechste Longplayer von AD namens "Since The Last Time". Das Werk enthält durchweg Gutelaune-Songs à la "Since The Last Time", "Down & Dirty (Clap Your Hand)" sowie "Sao Paulo" und "Sun Shine".
Extended Revolution (2003), Zingalamaduni (1994), Unplugged (1993), 3 Years, 5 Months & 2 Days in the Life Of... (1992)
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