Porträt

laut.de-Biographie

Arrested Development

"It's time for more substance" – Zeit für mehr Substanz. Auf diesen Slogan, ausgesprochen von Frontmann Speech, ließe sich die komplette Geschichte von Arrested Development herunterbrechen. Von Beginn an besetzte die Band aus Atlanta die andere Seite des Hip Hop, abseits der üblichen Klischees und Stereotypen.

Homophobie und Sexismus sind AD ebenso fremd wie zu ausgeprägte elektronische Experimente. Die Beats sind stets live eingespielt, der Übergang zwischen Pop und Hip Hop fließend. AD sind so etwas wie der Gegenentwurf zum Gangsta-Rap, der Anfang der 1990er zum Leben erwacht. Erstmals findet dieses Erfolgsrezept 1992 den Weg auf eine Platte, 20 Jahre später feiert die Truppe den Geburtstag von "3 Years, 5 Months And 2 Days In The Life Of ..." mit einer Umsonst-Platte für die Fans.

Dazwischen steht ein ganzer Haufen Geschichte, der 1996 fast sein Ende gefunden hätte. AD hatten zwei Jahre zuvor ihr zweites Studioalbum auf den Markt gebracht, das bei weitem nicht an den Erfolg den Debüts anknüpfte. "3 Years, 5 Months And 2 Days In The Life Of …" heimst nach Erscheinen zwei Grammys für Best New Artist und Best Rap Performance by a Duo or Group ein. Die Singles "Tennessee", "People Everyday" und "Mr. Wendal" avancieren zu Klassikern.

Der letztgenannte Song befasst sich mit dem Leben von Obdachlosen, die Hälfte der Einnahmen aus dem Hit spenden AD an die National Coalition Of The Homeless. Zudem unterstützen die Südstaatler UNICEF und waren die ersten afro-amerikanischen Künstler, die für Nelson Mandela spendeten. Trotz aller Lorbeeren geht das Kollektiv nach "Zingalamaduni" getrennte Wege. Weder der Rückhalt in der Gruppe selbst, noch ausstehende Verpflichtungen gegenüber einer Plattenfirma können das Kollektiv zusammen halten.

Seinen Anfang nimmt Arrested Development drei Jahre, fünf Monate und zwei Tage vor der ersten Platte – daher auch der Name des Debüts. Das Mulitalent Speech, DJ Headliner und weitere 17 Künstler schließen sich im amerikanischen Süden zusammen, um ihre musikalischen und innovativen Kräfte zu bündeln. Ein Mix aus klassischen Rap-Elementen, Ethno-Pop-Ambitionen, dem Bewusstsein über die eigenen afroamerikanische Identität und der Fähigkeit althergebrachte Musik zu spielen, sind die Grundlagen ihres Erfolgs.

Besonders Ihre vor Energie sprühenden Live-Auftritte – die Band nennt sie "celebrations" – werden schnell legendär. Mit ihrem durchschlagenden Erfolg ebnet die Truppe auch nachfolgenden Künstlern den Weg. AD sind die ersten Rap-Musiker, die stolz die Fahne des amerikanischen Südens in den Wind halten und schaffen so die Basis für die zukünftige Karrieren von Outkast, Goodie Mob oder den Nappy Roots.

Trotz aller Gemeinschaft steht Speech, der mit fast erschreckendem Übereifer die Fäden in der Hand hält, im Mittelpunkt der Gruppe. Im Oktober 1968 als Todd Thomas in Milwaukee, Wisconsin geboren, beweist Speech in seiner Karriere, was er alles auf dem Kasten hat. Produktion, Gesang, Raps, Cuts, Management, Cover-Artwork und einiges mehr gehen auf seine Kappe. Nach dem Bruch der Band veröffentlicht er sein selbstbetiteltes Solo-Debüt, das vor allem in Japan dick einschlägt.

Drei Jahre schlägt sich Speech als Solo-Künstler, Multi-Instrumentalist und Produzent durch, dann kommt wie aus heiterem Himmel wieder zusammen, was zusammengehört. Die AD-Gründungsmitglieder Rasa Don, Montsho Eshe, Baba Oje und Speech fassen sich ein Herz und gehen gemeinsam ins Studio. Ihrem Stil bleiben sie treu und auch der Erfolg bleibt Ihnen hold. Arrested Development sind im Prinzip ständig auf Tour rund um den ganzen Erdball. Irgendwo zwischen Australien, Neuseeland, Bali und Malaysia entsteht die Umsonst-Jubiläumsplatte "Standing At The Crossroads".

Von Trennungsgedanken ist seit der Re-Union nichts mehr zu hören. Im Gegenteil: Arrested Development haben ihren alten Platz im Hip Hop wieder eingenommen, in dem es laut Speech kaum mehr Balance gibt: "Diese Flut von Rappern, die zu Firmenmogulen geworden sind, ist eine Reflektion dessen, wie das Genre seinen kreativen Geist verliert. Wir wollen unseren Part spielen und diese Balance zurückbringen." Oder kurz ausgedrückt: "It's time for more substance" – Zeit für mehr Substanz.

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