Porträt

laut.de-Biographie

American Music Club

Als der American Music Club 1991 sein fünftes Album "Everclear" veröffentlicht, überschlagen sich die Kritiker mit Lobeshymnen. "Einer der größten lebenden Lyriker", schreibt der englische Melody Maker über Sänger und Songwriter Mark Eitzel. Das New Yorker Village Voice vergleicht ihn mit John Steinbeck, der San Francisco Chronicle sieht in ihm eine Mischung aus Bruce Springsteen, Van Morrison und Bono. Dreizehn Jahre später kürt ihn die britische Tageszeitung Guardian gar zu "Amerikas größtem lebenden Dichter". Trotz ihres Kultstatus' hat die Band nie einen großen kommerziellem Erfolg erreicht, was eher ihrem Willen als zufallsbedingten Umständen zuzuordnen ist.

American Music Club - The Golden Age Aktuelles Album
American Music Club The Golden Age
Zärtlicher Indiepop eines großen Songwriters.

Der AMC kommt 1983 in San Francisco zusammen. Neben der zentrale Figur Eitzel (geb. 1959) bestehen sie aus Gitarrist Mark Pankler alias Vudi, Bassist Dan Pearson, Keyboarder Brad Johnson und der erste einer Reihe von Schlagzeugern. Eitzels existenzielle Texte betten sie in eine Mischung aus Rock, Folk, Country, Punk und Schmaltz ein.

Ist ihr Debütalbum "Restless Stranger" (1985) noch stark von englischen New Wave-Klängen geprägt, wenden sie sich auf "Engine" (1988) nach dem Abgang Johnsons und dem Zugang des Gitarristen Tom Mallon eher dem Folkrock zu. Wie auch in folgenden Werken steht die Musik im Dienste der Texte. Auf der Bühne steht Eitzel mit Lesungen und improvisierten Monologen stets im Mittelpunkt.

Nach den minimalistisch-düsteren "California" (1988) und "United Kingdom" (1989) nimmt das Gründungstrio den Gitarristen Bruce Kaplan auf und bietet auf "Everclear" (1991) wieder versöhnlichere Klänge. Die Kritik preist sie als eine der wichtigsten Platten des Jahres.

Es ist sowas wie der Durchbruch. Mit einem Majorvertrag in der Tasche veröffentlichen AMC das als ihr ausgeglichenstes Werk geltende "Mercury" (1993). Auf "San Francisco" (1994) bieten sie Soul-Rock mit poppigen Einflüssen und scheinen sich etabliert zu haben, als Eitzel die plötzlich die freundschaftliche Auflösung der Band bekannt gibt.

Die Mitglieder setzen ihre musikalischen Karrieren nach der Trennung fort. Gitarrist Vudi arbeitet in San Francisco als Busfahrer und spielt in einer Band namens Clovis de la Floret. Bassist Danny Pearson gesellt sich zu Clodhopper, der letzte Schlagzeuger Tim Mooney öffnet ein Studio und arbeitet als Produzent.

Eitzel veröffentlicht eine Reihe an Soloalben. Nachdem er sich auf "60 Watt Silver Lining" (1996) als Crooner versucht hat, tut er sich für "West" (1997) mit R.E.M.-Gitarrist Peter Buck zusammen. Das Ende seines Major-Vertrags mit Warner läutet eine Reihe an Veröffentlichungen unterschiedlicher Qualität ein. Verbirgt sich hinter dem Elvis-Titel "Caught In A Trap And I Can't Back Out Because I Love You Too Much Baby" (1998) noch eine Vierköpfige Band, spielt Eitzel auf "The Invisible Man" (2001) alle Instrumente selbst und setzt zum ersten Mal auch elektronische Klänge ein. "Music For Courage And Confidence" (2002) ist eine eher belanglose Sammlung an Coverversionen, "Ugly American" (2003) enthält neue Versionen seiner Stücke, die er mit einem griechischen Orchester aufnimmt.

Angesichts des schaukelhaften Verlaufs seiner Solobemühungen erscheint es wenig überraschend, dass er 2003 wieder Kontakt zu seinen ehemaligen Kollegen Vudi, Pearson und Mooney aufnimmt, um ein Comeback-Versuch zu starten. Zwar stehen sie ohne Plattenvertrag da, können in Mooneys Studio aber ohne Zeitdruck Material für ein neues Album mit dem Arbeitstitel "America Is Over" aufnehmen. Schließlich nimmt sich Cooking Vinyl seiner an und veröffentlicht es im September 2004 mit dem weniger verfänglichen, wenn auch ironischen Titel "Love Songs For Patriots".

Die dreizehn Stücke bieten neben US-kritischen Texten den gewohnt eklektischen Stilmix. Ursprünglich wollte Eitzel die Band in Anti-American Music Club umbenennen, konnte sich bei seinen Mitstreitern aber nicht durchsetzen. Dafür kommen sie Anfang Oktober 2004 für vier Konzerte nach Deutschland.

Es vergehen weitere vier Jahre, bis im Januar 2008 das neunte Studioalbum des AMC erscheint, wieder vertraut Cooking Vinyl auf die Qualitäten der Band und ihren begnadeten Songgschreiber.

"The Golden Age" entsteht in Los Angeles in Zusammenarbeit mit dem Produzenten Dave Trumfio, der bereits Bands wie Wilco, My Morning Jacket oder Grandaddy betreut hat.

Für dieses Werk - das geschlossener und homogener klingt als sein Vorgänger - holt Eitzel erprobte Musiker wie Mark Pankler (Gitarre) und Keyboarder Jason Borger an Bord, den Bass übernimmt Sean Hoffman und Steve Didelot das Schlagzeug, beides ehemalige Mitstreiter bei The Larks. Tim Mooney und Danny Parson bleiben in San Francisco, um an eigenen Projekten zu arbeiten.

Mit den Songs von "The Golden Age" sind Mark Eitzel und seine Mannen im Februar und März 2008 auch auf deutschen Bühnen zu erleben.

Alben

  • Offizielle Seite

    Gut gemacht, mit Infos und Downloads.

    http://www.american-music-club.com
  • Mark Eitzel

    Offizielle Seite des Sängers.

    http://www.markeitzel.com/
  • Downloads

    Der gut versteckte Download-Bereich der offiziellen Seite.

    http://www.american-music-club.com/downloads
  • Soundmag

    Schönes Interview mit Mark Eitzel aus 2007.

    http://www.soundmag.de/content.php?content=interview_detail&review_id=2647

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