Porträt

laut.de-Biographie

Alien Sex Fiend

Die Londoner Formation Alien Sex Fiend gehört zu den exzentrischsten Vertretern, die die englische Gothic-Szene hervorgebracht hat. Dick aufgetragene Schminke, schwarzumrandete Augen und wild auftoupierte Frisuren werden von Alien Sex Fiend immer auch mit einer gute Prise Selbstironie versehen, was die Band wohltuend von der ansonsten in Gothic-Kreisen so gerne zur Schau getragenen Ernsthaftigkeit abhebt.

Ihre Musik will in keine der gängigen Schubladen passen. Tracks wie "R.I.P." oder die Debüt-Single "Ignore The Machine" suchen den Crossover, verschmelzen Gothic mit Electro und reichern dieses Gebräu mit experimentellem Psychedelic an.

Wie eine ganze Reihe anderer Bands, die später zu Aushängeschildern des Gothics avancieren, so haben auch Alien Sex Fiend ihre Wurzeln in der Londoner Bat Cave-Szene der frühen 80er. Dort tummeln sich The Cult und The Sisters of Mercy genauso wie die Sex Gang Children oder die March Violets. Doch während die Bat Cave-Bands vor allem das neue Genre des Gothic-Rock definieren, schlagen Sänger Nick Wade aka Nik Fiend, Christine (Mrs. Fiend), Yaxi Highrizer und Johnny 'Ha Ha' Freshwater einen anderen Weg ein und öffnen sich elektronischen Einflüssen à la Suicide oder Psychic TV.

Die neue Mixtur kommt vor allem in den Clubs gut an, wo "E.S.T. - Trip To The Moon" oder "Dead And Buried" bald zum Standardprogramm gehören. Selbst in Japan finden die durchgeknallten Gothics eine treue Fanschar, wie das 85er Live-Album "Liquid Head In Tokyo" eindrucksvoll beweist.

Nach erfolgreicher Tour in Fernost verlässt Johnny 'Ha-Ha' die Band; zwei Jahre später geht auch Yaxi Highrizer. Das Best Of-Album "All Our Yesterdays" schließt 1988 die erste Phase der Bandgeschichte ab. Alien Sex Fiend gerinnt zum Projekt des Ehepaares Fiend, das 1990 mit "Now I'm Feeling Zombified" noch einmal ihre Stärken voll ausspielt, bevor sie sich eine Auszeit gönnen, um 1992 mit neuem Line-Up und der Platte "Open Head Surgery" wieder auf der Bildfläche zu erscheinen.

Alien Sex Fiend leben in der Folge ihre Liebe zu elektronischer Musik immer weiter aus. Dies ist vielleicht auch ein Grund dafür, dass sie 1996 mit dem Release der Compilation "The Singles 1983 - 1995" ihrem langjährigen Label Anagram den Rücken kehren und mit 13th Moon Records ihre eigene Plattform aus der Taufe heben. Dort erscheint 1997 auch ihr Longplayer "Nocturnal Emissions", der als Huldigung an das Jahrzehnt des Techno verstanden werden kann und nur noch vereinzelt Bezüge zum Gothic-Rock der frühen Tage aufweist. Seither halten sich Alien Sex Fiend mit Best of-Alben über Wasser. Zu Beginn des Jahres 2003 ziehen sich die Sex Fiends ins Studio zurück und veröffentlichen im Sommer ihr lang erwartetes neues Studioalbum unter dem Titel "Information Overload".

Dies soll trotz des Erfolges bei den Verkaufszahlen und auf Tour erst einmal das letzte Lebenszeichen für fast sieben Jahre sein. Trotz gelegentlicher Gigs bleibt es still um das streitbare ehepaar Wade. Die Ernsthaftigkeit, mit welcher sie ihr Künstlertum und die benötigte Unabhängigkeit verfolgen, zeigt sich u.a. in der Gründung einer hauseigenen Plattenfirma, die ihnen die absolute kreative Freiheit sichert.

Erst im Jahr 2010 heißt es wieder: Ready for Alien! Mit "Death Trip" untermauern Alien Sex Fiend ihren Ausnahmestatus in der von Epigonentum geprägten Szene. Umjubelte Auftritte auf dem WGT und anderen bedeutenden internationalen Festivals sind der verdiente Lohn. So leben sie weiter ihr Credo "Humor und Liebe geben dir die wenigen echten Momente, in denen man nicht wahnsinnig ist!"

Interviews

Alben

Alien Sex Fiend - Death Trip: Album-Cover
  • Leserwertung: 4 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2010 Death Trip

Kritik von Ulf Kubanke

Die Kuschelzombies penetrieren Formatradio-Hörgewohnheiten. (0 Kommentare)

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