laut.de-Kritik

Die Leipziger klingen nachdenklicher und melodiöser.

Review von

Bundesvision Song Contest-Teilnehmer, Ansätze von Tocotronic-Affektiertheit, der bedeutungsschwangere Albumtitel, ein Dreieck anstelle des Buchstabens "A" im Bandnamen: Es fällt schon recht schwer, unvoreingenommen an die neue Platte von Adolar heranzugehen.

Mit zwei Alben in fünf Jahren avancierte das Quartett zur neuen Hoffnung des deutschsprachigen Punk-Rock-Genres. Liebhaber ihrer Wutausbrüche dürfte "Die Kälte Der Neuen Biederkeit" eher enttäuschen. Denn auch wenn die Zügellosigkeit hier und da kurz zurückkehrt, bewegt sich die Band dieses Mal in eher melodiösen und nachdenklichen Bahnen.

Das macht der Opener "Rauchen" deutlich und straft gleichzeitig oberflächlich gefasste Meinungen zur Band Lügen. Zwar geht das Ganze mit seinem ruhigen, reduzierten Beginn eher in Richtung Madsen als in die der dort besungenen Captain Planet. Doch der in Nostalgie getränkte Song über verlorene Freundschaften geht ins Herz, weil er so direkt und alltagsnah ist: "Ich werde rauchen und dass mir hier ein Freund fehlt, vergessen, der mit mir Captain Planet hört, während wir Pizza essen." Stefan Raab und Attitüde sind hier bereits vergessen. Adolar füllen das Album trotz gesellschaftskritischer Grundstimmung und dem etwas kyrptischen Titel mit greifbaren Texten. Platte Worthülsen der Sorte Revolverheld haben sie ebenso wenig nötig wie verkopfte Thesen.

Am ehesten ähneln sie wohl dem Spätwerk von Muff Potter: Etwas reflektierter als früher, aber nie um eine Zeile zum Mitsingen verlegen: "Ich kaufe Wein und Brötchen / Viva la Leergut-Bon / Ich trinke aus und schlafe ein / Mein Lebenslauf verbleicht im Sonnenschein." ("Inspektor Brötchen")

Oder: "Ich würde jeden von euch in den Arm nehmen, wäre ich nicht so verklemmt / Und ich schiebe die Schuld auf das Fernsehen, es hat die Herzen der Menschen entstellt" ("Neue Biederkeit"). Reduzierte, deprimierte Stücke wie "Diesig" beherrschen sie ebenso wie die Überbleibsel ihres Ärgers in "Halleluja" oder "Salmiak", wo Tom Mischoks Stimme wieder krächzt und verzerrte Gitarren nach vorne treiben.

Im Vergleich zu altem Material wie "Tanzenkotzen" klingen Adolar heute dennoch radiotauglicher. Mischok schreit seltener und instrumentale Schrammel-Parts lassen sich an einer Hand abzählen. es bleibt zu wünschen, dass sie auch in den Programmen hiesiger Sender landen, auch wenn die Band ihr volles Potenzial musikalisch noch nicht ausschöpft. Dafür finden sich mit dem belanglosen Bela B.-Abklatsch "Nach Schweden Ziehen" und der schnulzigen Nummer "Kanüle" noch zwei überflüssige Songs zu viel auf der Tracklist.

Trackliste

  1. 1. Rauchen
  2. 2. Raketen
  3. 3. Neue Biederkeit
  4. 4. Blumen
  5. 5. Diesig
  6. 6. Halleluja
  7. 7. Nach Schweden Ziehen
  8. 8. Inspektor Brötchen
  9. 9. Salmiak
  10. 10. Kanüle

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