laut.de-Kritik

Im Partyflieger nach Malle.

Review von

Eine gute Minute lang sitzt man zu Beginn des neuen Zedd-Albums mit gespitzten Lauschern vor den heimischen Boxen. Sanfte Synthiesphären und die Stimme einer Dame der Girlgroup Bahari lassen das überproduzierte EDM-Gewitter von vor zwei Jahren tatsächlich in Vergessenheit geraten. Doch der Schein trügt.

Nach gerade mal siebzig Sekunden überkommt es den Dub-House-Nerd aus Kaiserslautern wieder. Schluss mit eingängigen Melodien. Bühne frei für die Kollegen Fiep und Knarz! Die eben noch empfänglichen Gehörgänge schlagen sofort Alarm. Alles Dichtmachen heißt die Devise.

Fünf Minuten später wirds noch schlimmer. Selena Gomez is in the House! Auweia. Abermals versucht sich Zedd an einer Symbiose aus hart und zart ("I Want You To Know"). Die einzigen, die bei derartigen Strobo-Klängen begeistert in die Hände klatschen, sind zugedröhnte Camp David-Shirts-Träger mit Ballermann-Tattoos auf den Oberarmen.

Auch der New Yorker Tausendsassa Jon Bellion wird in den Partyflieger nach Malle gesetzt – ob er will oder nicht ("Beautiful Now"). Neben ihm machen es sich noch die Teletubbies gemütlich. "Bababababa" schallt es im "Refrain" aus den Boxen. Da haut es selbst Tinky-Winky die Antennen vom Kopf.

Logic, Troye Sivan und Sydney Sierota von Echosmith halten gar die Brechtüten bereit. Zedd versteht die Welt nicht mehr. Das ist doch der Sound des Sommers! Oder wollen die heißen Sommermonate etwa nicht mit stumpfem Synthie-Klingklang, knarzenden Beats und flirrenden Autoscooter-Harmonien begrüßt ("Transmission", "Papercut", "Illusion") werden?

"Ach, ihr habt doch alle keine Ahnung! Ich kann das Ding hier auch alleine rocken", hört man Zedd im Cockpit fluchen. Na dann los. Gibs uns, du Grammy prämierter Regler-Fetischist. Zieh dein Ding durch und mach es! Kein Ding. Zedd hat sogar die Liebe mit an Bord ("Done With Love"). Der kann keiner widerstehen. Es sei denn: Man ist NICHT taub. Musik kann manchmal richtig wehtun. Und jetzt die Hände in die Höhe. Wir setzen zum Landeanflug an. Oder will irgendjemand schon vorher raus?

Trackliste

  1. 1. Addicted To A Memory
  2. 2. I Want You To Know
  3. 3. Beautiful Now
  4. 4. Transmission
  5. 5. Done With Love
  6. 6. True Colors
  7. 7. Straight Into The Fire
  8. 8. Papercut
  9. 9. Bumble Bee
  10. 10. Daisy
  11. 11. Illusion

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8 Kommentare mit 8 Antworten

  • Vor 3 Jahren

    So langsam geht ihr echt komplett den Bach runter, laut. Was diese Review mal wieder für eine substanzlose Frechheit ist, ich kann es kaum in Worte fassen.

  • Vor 3 Jahren

    Ich glaub einfach dass das Problem ist, dass die meisten der höheren Semester, die mit ganz anderer Musik aufgewachsen sind, einfach gar kein Verständnis und Gefühl für EDM, Dubstep etc. entwickeln können. Klar, EDM ist zum größten Teil großer Schrott, das sag ich als 22 jähriger der in der Hinsicht eigentlich noch ziemlich anpassungsfähig ist. Aber es gibt vereinzelt auch gute Sachen, vor allem weil das ja nicht nur alles Dubstep-Krach ist, sondern auch Progressive House oder Complextro. Und Zedd ist hier sicher kein Meisterwerk der elektronischen Musik gelungen, aber es ist ein ganz unterhaltsamer und kurzweiliger Pop/Electro-Trip, der zumindest mehr Substanz hat als Musik von Katy Perry oder David Guetta, die hier ja immerhin mit zwei oder drei Sternen und positiveren Reviews noch viel besser wegkomme. Aber wie gesagt, ein alter Herr der mit Rockmusik sozialiert wurde, hört da nur Lärm. Am besten sowas dann gleich nicht rezensieren ;)

  • Vor 3 Jahren

    Und klar, so ein Song wie der mit Selena Gomez, ist übelste Grütze, aber sowas sollte man ein ganzes Album reduzieren.