Porträt

laut.de-Biographie

William Fitzsimmons

Mit dem Vollbart und den wachsamen Augen verkörpert William Fitzsimmons exemplarisch den Typus des melancholischen Singer/Songwriters, der seit Beginn des Jahrtausends das Bild der alternativen Musiklandschaft prägt.

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Der in Illinois ansässige Amerikaner blickt auf eine außergewöhnliche Biographie zurück, deren Erfahrungen schließlich dazu führen, dass William sich mit seiner dritten Veröffentlichung "The Sparrow And The Crow" (2009) vorerst für eine Karriere als Musiker entscheidet. Der Erfolg gibt ihm Recht.

Fitzsimmons wächst als jüngstes Kind blinder Eltern in Pittsburgh, Pennsylvania auf. Aufgrund der Unmöglichkeit gängiger visueller Kommunikation im familiären Umfeld ist das Haus Fitzsimmons angefüllt mit unterschiedlichsten Klängen, die das ersetzen, was das Auge eben nicht sehen kann. So füllen diverse Tasteninstrumente, Gitarren und Blasinstrumente die Räume, das gemeinsame Singen beeinflusst den kleinen William ebenso sehr wie die allabendlichen Gutenachtgeschichten.

Wenn nicht die Klassikplatten des Vaters durch die Wände schallen, dann lauscht der kleine William der Musik der mütterlichen Folkhelden: James Taylor, Joni Mitchell, Bob Dylan oder Simon & Garfunkel. Da liegt es auf der Hand, dass William im Lauf der Jahre zum Multiinstrumentalisten heranreift.

Musik prägt sein Leben, steht aber noch nicht im Mittelpunkt. William konzentriert sich vorerst auf das Psychologie-Studium, schließt eine Therapie-Ausbildung ab und arbeitet schon während des Studiums als Psychotherapeut.

Im letzten Semester seiner Ausbildung legt er sich schließlich Aufnahme-Equipment zu und spielt erste Songs ein. Lyrisch bleibt der familiäre Kontext zentral "99 Prozent meiner Songs behandeln familiäre Themen: entweder geht es um mein Elternhaus oder meine eigene Familie. Die Familie ist Teil jedes Songs, den ich geschrieben habe, ob es nun beabsichtigt war oder nicht. Ich glaube nicht, dass der Ort oder die Geographie eine ähnliche Rolle spielen. Falls doch, dann geschieht das unbewusst."

William produziert sein Debüt "Until When We Are Ghosts" (2005) sowie den Nachfolger "Goodnight"(2006), der in Deutschland erst 2008 über Haldern Pop Recordings erhältlich ist, in Eigenregie. Dabei erweist er sich als feingeistiger Liedermacher, der in seine melancholischen, Gitarren getragenen Kompositionen, diverses akustisches Instrumentarium und weiche elektronische Klangflächen integriert.

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Stilistisch lässt er sich in die Nähe der frühen Iron, Sparklehorse oder Sufjan Stevens einordnen. In den USA wächst seine Popularität, u.a. auch, weil Songs seines "Goodnight"-Albums zum Soundtrack amerikanischer Serien wie "Grey's Anatomy", Life Of Ryan" und "Army Wives" werden.

Mit seinem dritten Werk "The Sparrow And The Crow" begibt sich Fitzsimmons in die Hände des Produzenten Marshall Altman und präsentiert seine warmherzigen Stimmungsbilder erstmals auch auf europäischen Bühnen.

2011 erscheint dann "Gold In The Shadow", das vierte Album in sechs Jahren. Es ist vor allem ein Album der Selbstfindung nach einer Trennung, die er bereits im Vorgänger verhandelte. Nicht nur in Fitzsimmons' Leben klingen wieder fröhlichere Töne an, auch die Platte zeigt sich von einer sonnigeren Seite.

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Drei Jahre lässt er nichts von sich hören, dann geht es Schlag auf Schlag: 2014 "Lions", 2015 "Pittsburgh", gefolgt von "Charleroi: Pittsburgh Vol. 2". Wobei die beiden Veröffentlichungen eigentlich zusammengehören. Beide Alben sind eher EPs mit sieben, beziehungsweise sechs Songs. Auf "Pittsburgh" besingt er die Oma mütterlicherseits. Zu ihr hatte er Kontakt, die Mutter seines Vaters lernte er jedoch nie kennen, da der Vater nicht bei seinen leiblichen Eltern aufwuchs. Die Unbekannte Verwandtschaft besingt er dann auf dem Nachfolger, dem auch deshalb den Zusatz "Vol.2" trägt.

Solange der Bart wächst, macht Fitzsimmons weiter, auch wenn er so langsam an seine Grenzen stößt und sich musikalisch nicht mehr wirklich weiter entwickelt. Schön bleibt das, was er da mit der Gitarre und seiner sanften Stimme fabriziert, aber allemal.

2018 erscheint dann Fitzsimmons' nächstes Studioalbum "Mission Bell". Auch auf dieser Platte steht erneut eine familiäre Thematik im Vordergrund, wenn auch keine schöne. Nachdem seine Frau ihm nach zehn Jahren Ehe eröffnet, dass sie ihn nicht mehr liebt, und gleichzeitig eine Affäre mit einem Freund und Musikerkollegen von Fitzsimmons einräumt, nimmt sein Leben eine dramatische Wendung. Anstatt zu verzweifeln, verliert er sich jedoch in der Musik und setzt sich das Ziel, ein von vorne bis hinten authentische und ehrliches Album zu erschaffen.

Drei Jahre später behandelt er die Thematik seiner Scheidung noch einmal auf seinem Folgeprojekt "Ready The Astronaut" und fusioniert dabei die Geschichte um den Mythos des Ikarus mit seiner eigenen Lebenssituation. Nach vielen gescheiterten Versuchen, die Ehe zu retten, rekapituliert Fitzsimmons die vergangenen Geschehnisse und durchlebt dabei verschiedenste emotionale Stufen, die mit den Nachwirkungen einer Trennung einhergehen.

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München, Technikum, 2018 Im Live-Doppelpack mit Josuha Radin

Im Live-Doppelpack mit Josuha Radin, München, Technikum, 2018 | © laut.de (Fotograf: Dita Vollmond) Im Live-Doppelpack mit Josuha Radin, München, Technikum, 2018 | © laut.de (Fotograf: Dita Vollmond) Im Live-Doppelpack mit Josuha Radin, München, Technikum, 2018 | © laut.de (Fotograf: Dita Vollmond) Im Live-Doppelpack mit Josuha Radin, München, Technikum, 2018 | © laut.de (Fotograf: Dita Vollmond)

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