laut.de-Kritik

Iron Maiden-Break trifft auf Jazz-Piano.

Review von

Das musikalische Gewässer, in dem die Progrock-Supergroup The Sea Within schippert, ist so tief wie breit. Initiator Roine Stolt spielt bei den schwedischen Proggern The Flower Kings und kennt sich durch seine Mitgliedschaft bei Transatlantic oder der Platte mit Yes-Fronter Jon Anderson in der Arbeit mit Ausnahmemusikern aus. Bereits die Kollaboration mit Anderson ("Invention Of Knowledge") regte Thomas Waber an, der Labelchef von Insideout. Im Herbst 2016 gibt Waber Stolt das Go, um Mitmusiker für ein neues Projekt zu suchen. Stolts Ansatz, eine unverbrauchte Mischung aus Mitmusikern zu finden, mündet am Ende doch in ein Klassentreffen.

Die Mucker stammen fast alle aus dem Dunstkreis des blonden Gitarristen. Bassist Jonas Reingold ist ein alter Weggefährte aus Flower Kings-Tagen. Pain Of Salvation-Fronter Daniel Gildenlöw kennt er von gemeinsamen Konzertreisen mit Transatlantic. Tom Brislin wirkte bereits auf "Invention Of Knowledge" mit und Marco Minnemann lag als Drummer quasi auf der Hand, stellte dieser doch seine Bandtauglichkeit bei Steven Wilson, Joe Satriani oder The Mute Gods unter Beweis.

Weitere Vorschusslorbeeren heimst die Formation durch den Headliner-Slot beim diesjährige Night Of The Prog-Festival ein, was gleichzeitig die Live-Premiere darstellt. Bevor Progfans an dieser Stelle in Erwartung einer Offenbarung in Form eines hochfliegenden Prog-Meisterwerks in Tränen ausbrechen, sei die Warnung ausgesprochen: die ätherischen Klangsinfonien von Yes oder die konzeptuelle Strenge von Transatlantic finden sich bei The Sea Within nur sporadisch.

Die Assoziation zum reichen Erfahrungsschatz der beteiligten Musiker liegt bei der Wahl des Bandnamens auf der Hand. Das selbstbetitelte Debüt ist ein ambitioniertes Amalgam aus der Klasse der beteiligten Protagonisten, das eine Reifezeit von sechs Monaten in Anspruch nimmt. Hier vereinen Stolt und Co. Prog, Klassik, Rock, Folk, Punk, Elektronik und Pop in eklektischer Manier.

Die Band setzt vor allem auf songorientiertes Denken und nimmt sich einzelne jamlastige Spots heraus, nachzuhören auf Hookline-Monstern wie "They Know My Name" oder "Goodbye". Auch "An Eye For An Eye" rauscht angenehm knackig durch die Gehörgänge und streut instrumentale Finessen gekonnt ein. Hier trifft ein Iron Maiden-Break auf ein Jazz-Piano. Das zeppelineske "Ashes Of Dawn" markiert mit der Call and Response-Strophe aus Gildenlöws Plant-Imitation und den heavy Einwürfen der Band einen Höhepunkt.

In "The Hiding Of Truth" bietet Jordan Rudess (Dream Theater) seine bekannten Klaviermanierismen feil. Diese Ballade singt Casey McPherson (Flying Colors), der Gildenlöw auch auf den Live-Shows vertritt. Einzig der Longtrack "Broken Cord", auf dem neben Gildenlöw und McPherson auch ein gewisser Jon Anderson seine Duftnote hinterlässt, überzeugt nicht restlos. Auf vierzehn Minuten gestreckt passiert hier schlicht zu wenig beziehungsweise passt das Soundkonzept dieses Tracks nicht ins Gesamtbild der Platte.

Auch die bereits bei der letzten Spock's Beard-Veröffentlichung "Noise Floor" gefahrene Strategie, das gesamte Resultat der Songwritingsessions auf zwei CDs zu verteilen, geht nicht auf. Die Bonus-Tracks fallen alle qualitativ deutlich ab.

Trackliste

CD1

  1. 1. Ashes of Dawn
  2. 2. They Know My Name
  3. 3. The Void
  4. 4. An Eye For An Eye For An Eye
  5. 5. Goodbye
  6. 6. Sea Without
  7. 7. Broken Cord
  8. 8. The Hiding Of Truth

CD2

  1. 1. The Roaring Silence
  2. 2. Where Are You Going?
  3. 3. Time
  4. 4. Denise

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