laut.de-Kritik

Zwischen Yes, Flower Kings und Transatlantic.

Review von

Roine Stolts musikalische Sozialisation fußt maßgeblich in den 60ern und 70ern zurück. Schon in letzterem Jahrzehnt gestartet, spürt er bis heute mit den Flower Kings sowie den Prog-Allstars Transatlantic der Hintergrundstrahlung des Progrocks nach. Darüber hinaus lautet sein Credo, mit einer weltoffenen Haltung dem oftmals in Konventionen erstarrten Genre neues Leben einzuhauchen.

Was liegt nun näher als einen der Großmeister des Neo-Progs mit einem der bestimmenden Köpfe des Progrock-Urknalls in den 70ern zu verbinden? Und so kommt Jon Anderson, Ex-Frontsirene von Yes, ins Spiel.

Die Liaison beruht auf einem Vorschlag von InsideOut-Labelboss Thomas Waber, der beiden die Zusammenarbeit nahelegte. Stolt lernte Anderson 2014 auf der Progressiv Nation Sea Cruise-Tour kennen. Konsequenterweise nutzten die beiden die Zeit nicht zum Plantschen, sondern performten einige Yes-Klassiker gemeinsam mit den Jungs von Transatlantic.

In der Folge tauschten sie Ideen über das Internet aus. Stolt nahm seine beiden Flower Kings-Mitstreiter Jonas Reingold (Bass) und Felix Lehrmann (Schlagzeug) ins Boot und komplettierte die Band um den Yes Symphonic-Keyboarder Tom Brislin. Die späteren Backing Vocals steuerte u.a. Daniel Gildenlöw (Pain Of Salvation) bei. Fortan knüpfte dieses Ensemble an Andersons originelle Gesangslinien und Songideen an.

Das Resultat klingt nach – wen wunderts - Yes, Flower Kings, Transatlantic, Andersons Solonummern sowie einem Schuss Canterbury Style im Sinne von The Tangent. Der Retrotouch fällt nicht negativ ins Gewicht, ist er doch mit musikalischer Neugier gepaart, so dass Folk, Klassik und Weltmusik die dem Prog-Gedanken innewohnenden Suiten ähnlichen Strukturen ergänzen.

Natürlich verpflichtet die Tradition, und so gibt es vier überlange Stücke zu hören, die in ihrer Eingängigkeit, was die Melodien angeht, und der äußerst vielseitigen symphonischen Klangsprache bestechen. Mal ruhiger ("Know"), mal treibender ("Invention Of Knowledge") in der Grundausrichtung, stets verspielt, aber immer fassbar.

Ob die Platte wirklich zum Klassiker taugt, wie Stolt im Vorfeld kolportierte, kann angesichts der schier unüberschaubaren Flut an Klassikern und dem steten Strom an Neuveröffentlichungen angezweifelt werden. Dennoch kann man sich in dem Prog meets Flower Power-Potpourri an ausufernden Ideen herrlich verlieren.

Trackliste

  1. 1. Invention
  2. 2. We Are Truth
  3. 3. Knowledge
  4. 4. Knowing
  5. 5. Chase And Harmony
  6. 6. Everybody Heals
  7. 7. Better By Far
  8. 8. Golden Light
  9. 9. Know...

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1 Kommentar

  • Vor 3 Jahren

    Wenn man Andersons Musik mag, stellt man schnell fest: Das Album hätte auch vor 30 Jahren erscheinen können.
    Dennoch haut es wohl ziemlich alles weg, was heute so in der Richtung auf den Markt schwemmt.