Porträt

laut.de-Biographie

Rina Sawayama

"Mir wird schnell langweilig. Ich möchte immer dahin gehen, wohin sonst keiner geht – so wie die Künstler, die ich liebe." Diesem Motto folgt Rina Sawayama konsequent, in der Musik wie im Leben. Pop kann eben so viel mehr sein als "nur Pop".

Rina Sawayama - Sawayama Aktuelles Album
Rina Sawayama Sawayama
Ein eklektischer Geniestreich.

Geboren wird Sawayama 1990 im japanischen Niigata, wo sie allerdings nur fünf Jahre lang lebt. Mitte der Neunziger siedelt ihre Familie nach London über. Dort verbringt sie den Großteil ihrer Kindheit mit ihrer Mutter in einem Einzimmer-Apartment.

Geprägt von der hässlichen Trennung ihrer Eltern mutiert Sawayama zum Problemkind, schmuggelt sich als Teenager auch mal als Groupie in Aftershows und Bandhotels und lässt sich "routinemäßig" von Freunden stockbesoffen nach Hause tragen, wie sie Pitchfork später erzählt. "Meine Mum hasste mich dafür, versteht aber auch, warum ich so ausrastete." Sie stürzt in eine schwere Depression, leidet unter Essstörungen und Autoaggression.

Mit 19 beginnt der Weg zur Besserung. Später verarbeitet Sawayama all das auf ihrem Debütalbum und erinnert sich: "Sich selbst zu retten fängt damit an, sich um sich selbst zu kümmern, und mit geistiger Gesundheit generell. Das ist ein großer Teil des Albums." Doch bis diese Platte 2020 erscheint, vergehen noch zehn ereignisreiche Jahre.

An der Cambridge University studiert Sawayama Politik, Psychologie und Soziologie. Wirklich wohl fühlt sie sich damit aber nicht. Eigenen Worten zufolge hasst sie die Einrichtung "mit jeder Zelle meines Körpers". An Jobangeboten mangelt es zwar nach erfolgreichem Abschluss in Politikwissenschaften trotzdem nicht, doch Sawayama verfolgt inzwischen ein anderes Ziel.

Als Teil der Hip Hop-Crew Lazy Lion (mit Wolf Alices Theo Ellis) ist sie schon während des Studiums musikalisch aktiv. 2013 veröffentlicht sie ihre Solo-Debütsingle "Sleeping In Waking" und konzentriert sich fortan auf diese Karriere.

Um ihre Musik finanzieren zu können, arbeitet sie nach dem Studium außerdem als Model, und das bald ziemlich erfolgreich. So posiert sie unter anderem für Versace, Uniqlo, Jourdan Dunn und John Yuyi und ergattert Porträts in verschiedenen Ausgaben der Vogue.

Dabei nutzt sie die Aufmerksamkeit auch, um Missbrauch und rassistische Tendenzen im Model-Business anzuprangern sowie fragwürdige Schönheitsideale herauszufordern. "Ich ging durch eine sehr wütende Phase. Aber jemand muss etwas sagen, damit sich Dinge ändern."

2017 erscheint ihr erstes Mini-Album "RINA". Ohne Label im Rücken ergattert sie Features, etwa bei The Guardian, The Fader und der New York Times. Stilistisch positioniert sich Sawayama im Dance Pop, schafft sich dort aber durch Integration einer Vielzahl unterschiedlicher Einflüsse von Hip Hop bis Rock sowie mit durchdachten Texten eine eigene, experimentelle Nische. "Ich wollte der Bubblegum-Pop-Form von Britney Spears und N Sync neuen Sinn verleihen und über etwas Politisches schreiben."

2018 veröffentlicht sie einige Standalone-Singles und erweitert damit auch kontinuierlich ihre Stilpalette. Besonders mit "Cherry" und dem aufwendigen, visuell beeindruckenden Musikvideos dazu erregt sie Aufmerksamkeit. Inzwischen identifiziert sich Sawayama öffentlich als pansexuell und erkundet diesen Aspekt im Song. "Privat habe ich mich schon vor einer ganzen Weile geoutet. Nun habe ich zum ersten Mal so offensichtlich darüber geschrieben, dass es sich einfach nicht mehr verstecken lässt", erzählt sie Billboard.

"Als ich die Single veröffentlichte, wollte ich es nicht als etwas maskieren, das es nicht ist. Das war ziemlich nervenaufreibend. Ich sprach mit vielen Leuten darüber, um sicherzustellen, dass die Message richtig rüberkommt. Ich wollte die Bi- und Pan-Community und Queer-People allgemein nicht weiter stigmatisieren."

Nach einer Tour mit Charli XCX 2019 sowie einer Schauspielrolle an der Seite Idris Elbas in der Netflix-Serie "Turn Up Charlie" ist die Zeit reif für den ersten Longplayer. Als erster Vorbote kracht "STFU!" ins Internet, wo plötzlich harte Metalriffs à la Korn zwischen Britney Spears-artige Popmelodien fahren. "Immer wenn man Metal hört, ist es eine Überraschung", erklärt Sawayama die Entscheidung und bezieht sich damit auch auf ihre von Limp Bizkit, Evanescence und N.E.R.D. geprägte Jugend.

Die Möglichkeiten dieser Symbiose reizt sie auf dem Album weiter aus. Sie feilt daran mit den Produzenten Bram Inscore (Troye Sivan), BloodPop (Lady Gaga), Nate Company (Carly Rae Jepsen) and Nicole Morier (Britney Spears).

"Sawayama" erscheint im April 2020. Zufrieden konstatiert die Urheberin "Ich wollte sichergehen, dass es das Debüt ist, das ich machen wollte. Und ich wollte, dass es ein Erlebnis wird. Ich möchte, dass dieses Album Menschen mit auf eine Reise nimmt." Die Reise von Rina Sawayama hat gerade erst begonnen.

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