laut.de-Kritik

Die Regie-Brüder Joel und Ethan Coen reisen ins Village der 60er Jahre.

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Die Verbindung Coen-Brüder und T Bone Burnett lässt die Herzen höher schlagen, erwachen doch sofort Erinnerungen an den großartigen Soundtrack zu "O' Brother, Where Art Thou", der 2000 ein großes Publikum für traditionelle US-amerikanische Musik begeisterte. Allein in den USA verkaufte sich die Platte fast acht Millionen Mal.

13 Jahre später fand das Dream Team wieder zusammen, diesmal, um die Geschichte eines jungen Singer/Songwriters im New Yorker Greenwich Village zu Beginn der 60er Jahre klanglich zu untermalen. Demnach ist die Musik ein noch wesentlicherer Bestandteil des Filmes als im epischen "O'Brother", der auch der schauspielerischen Leistung der Darsteller - allen voran John Turturro, George Clooney und John Goodman - viel verdankte.

Die wandelnde Americana-Enzyklopädie Burnett ging auf Fischfang und fand die ein oder andere Perle, von denen er die meisten neu aufnahm. Zur Seite stand ihm Marcus Mumford, doch die wesentliche Rolle spielt die Stimme von Hauptdarsteller Oscar Isaac (keine Verwandtschaft zu Chris). Der bislang noch nicht zur ersten Liga der Schauspielerzunft gehörte, Ende des letzten Jahrtausends aber musikalische Erfahrungen in der Band The Blinking Underdogs sammelte.

Sein Gesang prägt sich nicht auf Anhieb ein, besitzt aber genügend Herzschmerz und Melancholie, um überzeugend den Leinwandcharakter Llewyn Davies zu verkörpern. Die Stücke werden passenderweise meistens von einfach gespielten, unverzerrten Instrumenten begleitet.

Und die Liste der Gäste bringt die Zunge zum Schnalzen. Dabei tritt Marcus Mumford nur zwei Mal in Erscheinung. Das erste als Duettpartner Isaacs im melancholischen "Fare Thee Well", das zweite in der tollen A-capella-Interpretation von "The Auld Triangle" des irischen Autors Brendan Behan.

Was Mumford hier mit den immer wieder überraschenden Punch Brothers bietet, ist wunderbar. Die Band um Chris Thile ist auch auf "The Shoals Of Herring" zu hören, ein Stück aus der Feder Ewan McColls, von dem auch der Evergreen "Dirty Old Town" stammt.

Für eine weitere Überraschung sorgt die Britin Carey Mulligan, die neben dem zögerlich wirkenden weiteren Darsteller Justin Timberlake mit Gefühl Hedy Wests Klassiker "Five Hundred Miles" interpretiert. Dass das Stück etwas zu seicht ausfällt und anschließend die einzige Neukomposition "Please Mr. Kennedy", ein Stück Burnetts und eine Gemeinschaftsaufnahme der Regisseure mit Burnett und Timberlake, als einziger Track entbehrlich ausfällt, bleibt der einsame schwächere Moment eines Albums, das auch nach mehrmaligem Anhören nicht langweilt.

Schade nur, dass die Platte mit 42 Minuten zu kurz ausfällt und weitere 10 Stücke sicherlich Platz gefunden hätten: Zum Schluss verneigt sich Burnett noch vor den zwei Musikern, die zu den Ikonen des Greenwich Village Anfang der 60er Jahre wurden.

Der eine heißt Bob Dylan, der es neben Peter, Paul And Mary als einziger aus einer dichten Schar an Musikern, Comedians und Autoren zum Superstar schaffte: "Farewell" ist auch für den Fan ein Schmankerl. Das Stück, dessen Text und Melodie deutlich auf dem Traditional "Leaving Of Liverpool" basiert, erschien offiziell erst 2012 auf den "Whitmark Demos". Die Version auf dem Soundtrack wirkt ausgereifter und entstand mutmaßlich 1963 bei einer Aufnahmesession im Gaslight Cafe, einem der Lokale, in dem das Herz der Szene schlug.

Der andere ist Dave Van Ronk, der Strippenzieher und, nicht nur wegen seiner Statur, die Größe des damaligen Folk Revivals. Seine Memoiren "Der König Von Greenwich Village" dienten als Grundlage fürs Drehbuch.

Auch wenn der Traditional "The Roving Gambler" oder "The Storms Are On The Ocean" von der Carter Family in beide Filme gepasst hätte, stellt der "Inside Llewyn Davis"-Soundtrack keine Fortsetzung von "O Brother, Where Art Thou". Dafür fällt er zu melancholisch aus. Ein wunderbares Album, auch wenn es nicht ganz die Güte des Vorgängers erreicht.

Trackliste

  1. 1. Hang Me, Oh Hang Me - Oscar Isaac
  2. 2. Fare Thee Well (Dink's Song) - Oscar Isaac & Marcus Mumford
  3. 3. The Last Thing On My Mind - Stark Sands With Punch Brothers
  4. 4. Five Hundred Miles - Justin Timberlake, Carey Mulligan & Stark Sands
  5. 5. Please Mr. Kennedy - Justin Timberlake, Oscar Isaac & Adam Driver
  6. 6. Green, Green Rocky Road - Oscar Isaac
  7. 7. The Death Of Queen Jane - Oscar Isaac
  8. 8. The Roving Gambler - John Cohen with The Down Hill Strugglers
  9. 9. The Shoals Of Herring - Oscar Isaac with Punch Brothers
  10. 10. The Auld Triangle - Chris Thile, Chris Eldridge, Marcus Mumford, Justin Timberlake & Gabe Witcher
  11. 11. The Storms Are On The Ocean - Nancy Blake
  12. 12. Fare Thee Well (Dink's Song) - Oscar Isaac
  13. 13. Farewell - Bob Dylan
  14. 14. Green, Green Rocky Road - Dave Van Ronk

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