GWS-Songwriter Konstantin Gropper zur Causa Kollegah/Farid Bang. Element Of Crime-Sänger Sven Regener stützt Campino.

Berlin (mbr) - Political Correctness und Kunst, das muss nicht immer Hand in Hand gehen, befindet Get Well Soon-Songwriter Konstantin Gropper. Daher hat er auch eine zwiespältige Sicht auf die aktuell hitzig geführten Diskussionen um die Vergabe des Echo-Preises an die Rapper Kollegah und Farid Bang.

"Wahnsinnig dumme, fehlgeleitete Metapher"

Laut Gropper würden die ehemaligen Echo-Bösewichter Frei.Wild viel eher eine politische Agenda vertreten, dennoch hätte sich kaum jemand beschwert, als die Südtiroler vor zwei Jahren mit einem Echo ausgezeichnet wurden. Stattdessen hänge sich nun jeder Artikel über Kollegah und Farid Bang an "einer wahnsinnig dummen und fehlgeleiteten Metapher" auf. Grundsätzlich dürfe "Kunst auch unkorrekt sein, wenn es irgendwie Sinn macht."

Über die sexistische und homophobe Attitüde hinter Battlerap-Texten müsse man trotzdem mal sprechen, so Gropper: "Das steckt ja in all den Texten, die vom Feuilleton als 'die neue Straßensprache' durchs Dorf getrieben wird. Was da für Männer- und Frauenbilder existieren, ist grauenhaft. Nicht, dass sie Vorbildcharakter haben wollen, aber schon alleine dass dieses Machotum so adapiert wird, finde ich bedenklich. Man könnte ja auch Kreativität für Inhalte nutzen, gerade beim unterhaltsamen Niedermachen des Gegenübers mittels Metaphern."

"Was macht denn der Echo-Ethikrat?"

Dennoch trage die Hauptschuld an der ganzen Malaise der Echo-Ethikrat: "Da es diese Jury gibt, ist es nach meinem Verständnis kein reiner Verkaufspreis mehr. Dann frage ich mich aber: Wenn es diese Jury gibt, wie kann es sein, dass Frei.Wild, Kollegah und Farid Bang einen Preis bekommen? Was macht denn die Jury?", fragt sich Gropper. Der britische Mercury Prize zeige, dass es auch anders geht: "Das funktioniert, weil es hier keine Rolle spielt, wie viele Platten verkauft werden. Dadurch bekommt der Preis Aufmerksamkeit und es entstehen Karrieren, die sonst vielleicht gar nicht stattgefunden hätten."

Für Sven Regener ist der Echo am Ende

Auch Element Of Crime-Sänger Sven Regener lässt gegenüber der Zeit kein gutes Haar an den Echo-Verantwortlichen: "Die Angelegenheit mit Kollegah und Farid Bang hat den Echo komplett ruiniert: Ein Preis, den man für solche Musik mit solchen Texten vergibt, ist als Preis nichts mehr wert. Da kann man über Regularien reden und über Verkaufszahlen und was weiß ich, aber eins muss doch klar sein: dass man so einen Preis nicht an Leute vergibt, die frauenfeindliche, schwulenfeindliche, antisemitische Sachen rappen (...) Ich finde es gut, dass Campino sich dazu geäußert hat, er hat ja auch alles Nötige gesagt, aber der hätte sicher lieber auch was anderes gemacht an dem Abend. Letztendlich hat er für fast alle gesprochen, und man ist ihm zu Recht dankbar dafür."

Das vollständige Interview mit Konstantin Gropper über das neue Get Well Soon-Album "The Horror" lest ihr demnächst auf laut.de.

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Seine Band mag ein typisches Berliner Pflänzken sein. Sven Regener hingegen ist ein typischer Bremer. Wer den komplexen Hanseaten auf schnödes Rocksängertum …

5 Kommentare mit 7 Antworten

  • Vor einem Jahr

    "..aber eins muss doch klar sein: dass man so einen Preis nicht an Leute vergibt, die frauenfeindliche, schwulenfeindliche .. Sachen rappen"

    Wie viele Echos hat Bushido noch gleich? Hat damals niemanden gejuckt..

  • Vor einem Jahr

    Jeder der den Echo und seine Regeln kritisiert ist generell erstmal auf der richtigen Seite. Jeder der das aber erst jetzt durch Farid und Kollegah macht, ist ein dreckiger Heuchler. Und jeder der den Heuchlerkönig Campino noch verteidigt, der fällt im Vorfeld schonmal durch.

  • Vor einem Jahr

    Was genau ist denn jetzt an der Zeile von Farid antisemitisch? Kann mir das mal einer erklären?

    • Vor einem Jahr

      Nichts. Man nimmt ihnen die Zeile übel, weil man ihnen einen antisemitischen Hintergrund zuordnet. Ein klassischer Zirkelschluss der übelsten Sorte: Die Zeilen sind antisemitisch, weil die beiden Antisemiten sind. Ohne eine antisemitische Lesart ist daran rein gar nichts antisemitisch.

    • Vor einem Jahr

      Direkt antisemitisch ist die Zeile tatsächlich nicht. Unglaublich widerlich ist es trotzdem, wie das unbeschreibliche Leid von Auschwitzinsassen und deren Angehörigen gegen eine dumme Punchline aufgewogen wird.

  • Vor einem Jahr

    Wenigstens stürzen sich jetzt die ganzen AfDler und die CSU/CDU-Überwachungsfreunde e.V. auf diese Strohmanndebatte und wollen das widerliche Anti-Hate-Speech Gesetz auf Raptexte ausweiten.

    Schön zu sehen, wie neuerdings "Linke" und "Rechte" bei solchen Themen in dasselbe Bockshorn blasen. Da die (intellektuelle :lol:) Linke und Konsorten schon lange handlungsunfähig geworden sind, ebnen sie heuer nur noch brav den Weg für die rechtskonservativen und -radikalen Kulturanpacker, die die Lorbeeren des kleinen bis mittelgroßen Mannes als Wahrer der Sicherheit und Ordnung einheimsen.

    • Vor einem Jahr

      @Nicht Der Mundi:
      AfD will Anti-Hate-Speech ausweiten - die Meldung wär' heißer Anwärter auf den Brüller des Monats. Bis gestern hat die AfD doch noch zärtlich-liebevoll eine Ausweisung von Farid Bang gefordert.

      Die CSU kann man dieser Tage wahlkampfbedingt ohnehin nicht so ernst nehmen, das würde ich nicht überbewerten. Da greift auch gerade der Aberglaube wieder um sich. Die hängen jetzt Kreuze an die Wand, um sie später auf dem Stimmzettel wiederzufinden, habe ich mir sagen lassen.
      Gruß
      Skywise

    • Vor einem Jahr

      *badumm-tss*

      Nicht schlecht, Herr/Frau Skywise.

    • Vor einem Jahr

      Ich hoffe es. Bei der CDU bin ich mir allerdings nicht mehr sicher, gerade ein Jens Span macht einen eher Besorgnis erregenden Eindruck auf mich und es gibt immer mehr positiven Widerhall in der Bevölkerung fûr solche Einschnitte.

      Zur AfD: Dass die Genossen das nicht immer ganz durchdacht haben mit dem hate speech, ist kein Geheimnis. Nach deren Definition fällt natürlich nur linksversiffte Hetze darunter.

  • Vor einem Jahr

    "Die Angelegenheit mit Kollegah und Farid Bang hat den Echo komplett ruiniert: Ein Preis, den man für solche Musik mit solchen Texten vergibt, ist als Preis nichts mehr wert."

    Blabla. Das kann man auch über Wincent Weiss' oder Helenes prämierte Audiogülle sagen. Der Echo ist allgemein nen Scheiß wert. Radiotaugliche Analschaschlik-Veranstaltung.

    • Vor einem Jahr

      "Radiotaugliche Analschaschlik-Veranstaltung" gefällt mir bisher am besten zur Beschreibung der Echo-Verblödungsveranstaltung...( gibt ein Pluspunkt ! ) wobei man "Radiotauglich" weglassen kann......