Als Antwort auf "Dark Knight" schickt Capital Bra nun seinerseits Schmähungen ins Rennen. Schützenhilfe leistet sein Alter Ego Joker Bra. Eine Sternstunde der Disstrack-Kultur?

Berlin (dani) - Man hat derzeit wirklich den Eindruck, in ein Zeitloch gefallen zu sein: Rapper regeln ihre Differenzen wieder per Disstrack. Leider nicht, statt sich in Instastorys und TikTok-Videos gegenseitig auf die Schlumpfmützen zu geben, das machen sie außerdem. Aber zusätzlich. Wovon der Disput- aka Gossip-interessierte Rap-Fan ja profitiert. Zumindest in der Theorie.

Dass die Beziehung von Bushido und Capital Bra, freundlich ausgedrückt, zerrüttet ist, wissen wir nun wahrhaftig nicht erst seit "Dark Knight". Dass Capital Bra es nicht bei der Schnellschuss-Antwort "Ja Capi" belassen würde, war abzusehen, zumal seine Hinweise auf eine "richtige" Retourkutsche auf den Diss letztens ja von Tag zu Tag weniger subtil ausfielen. Nun öffnet der Joker also die Pforten zum "Arkham Asylum". Muss sich Batman tatsächlich ein wärmeres Cape suchen? Sehen wir mal:

Hm. Das erfüllt jetzt irgendwie die Erwartungen und enttäuscht sie zugleich. Beginnen wir bei der Optik: Dieses Video sieht wirklich exakt aus, wie man sich die visuelle Umsetzung eines "Arkham Asylum" betitelten Bushido-Disstracks vorgestellt hat. Hätte ich wetten sollen, ich hätte haargenau DAS prophezeit: Das Setting aus Batman-Comics, respektive deren Verfilmung entliehen. Als Killerclowns kostümierte Handlanger des Jokers foltern darin mit Hingabe ein Bushido-Double. Das sieht gut aus, teuer sowieso, Originalitätspunkte gibts dafür keine.

Okay, quasi drei verschiedene Beats in vier Minuten zu stopfen, war vielleicht nicht unbedingt zu erwarten, die Art derselben aber wohl. Die erste Minute geht für mit von Chören flankiertes unheilschwangeres Klaviergeklimper drauf. Capital Bra liefert hierzu einen Einstieg, wie ich ihn lahmer kaum finden könnte. Statt, was er eigentlich draufhätte und in einer glaubwürdig zornigen Antwort auf Bushidos vorangegangene Beleidigungen Pflicht gewesen wäre, amtlich auf- und durchzudrehen, sitzt er da und sprechsingt in einem Trantütentempo, dass einem nahezu die Füße einschlafen. Die inhaltlich härteste Line in diesem Teil erschöpft sich in dem Hinweis, Bushido habe seinen ersten Nummer-eins-Erfolg nur Capis Le-le-le in der Hook zu verdanken. Achgottchen.

Chance vertan

Bis Capi im Mittelteil mit deutlich mehr Druck endlich Fahrt aufnimmt, ist der Track schon halb vorbei. Wenn überhaupt etwas, dann bekräftigt dieser zweite Part den begründeten Verdacht, dass ein Capital Bra in Form (!) einen Bushido jederzeit mühelos an die Wand rappt. Technisch und von der Energie her überzeugt mich das, auch wenn es inhaltlich wirklich unterwältigt. Wer dachte, Capital Bra würde - wann, wenn nicht jetzt? - aus dem Nachtkästchen plaudern und irgendwelche bisher verborgen gebliebenen Ungeheuerlichkeiten ans Licht zerren: Träumt weiter.

Capis Vorwürfe erschöpfen sich in den üblichen, hundertfach ausgenudelten: Bushido ist alt (wofür er nichts kann), habe Polizeischutz in Anspruch genommen und sich nach Dubai abgesetzt, als es für ihn brenzlig wurde (sattsam bekannt, weil medial, teils auch von ihm selbst, ausgiebig ausgeweidet), er habe Ghostwriter (ach), sein Gangsterimage sei fake (ach!) und er selbst überhaupt ein illoyaler Wendehals, der auch langjährige Freunde über die Klinge springen lässt, wenn es ihm zum Vorteil gereicht (ACH!).

Bushidos (glaubwürdiger) Unterstellung, Capi sei ein Junkie, begegnet er mit "Mir gefällt es so", was man armselig finden könnte, wäre es nicht so tragisch, dass Mitleid, vor allem mit seinen Kindern und seinen Angehörigen, die angemessenere Reaktion wäre. Als finale Demütigung seines Gegners packt Capital Bra Zeilen aus, denen zufolge er "Olle in dem Haus, was du gebaut hast" und Bushidos (tote) Mutter fickt. Applaus dafür, das kann wirklich nur ein drogenzerfressenes Hirn für gelungene Punchlines halten.

Der Joker auf der Bremse

Irres Gelächter, Beatswitch, Auftritt von Capis Alter Ego Joker Bra in voller Kasperlemontur. Wer in der Erwartung, jetzt werde es richtig verrückt, vorsorglich schon einmal aufgestanden ist, kann sich gleich wieder hinsetzen: Statt noch einmal richtig Gas zu geben, tritt der Joker in diesem letzten Part auf die Bremse und nimmt Tempo und Schmackes schon wieder raus. Das Kreativlevel der Beleidugungen setzt er passend dazu gleich auch auf halbe Wadenhöhe zurück, Kategorie "Deine Kinder sind nicht von dir, ällerbätsch!" und "Ich fick' dein' Arsch".

Ja, ich hatte mehr erwartet. Oder zumindest ... irgendwas. Wenn das hier das Toplevel der wiederbelebten Disstrack-Kultur in diesem Land sein soll, können wir die aber ganz schnell wieder irgendwo im Wald verscharren. Danke. Kann weg.

Fotos

Bushido

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