laut.de-Kritik

Unfreiwillige Komik, dein Name lautet Donnie Wahlberg.

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Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird. Das dachte sich auch Maurice Starr und sammelt als Revanche für seinen Rausschmiss bei New Edition 1984 mehrere unbedarfte weiße Jungs um sich. Ende des Jahrzehnts lassen diese New Kids On The Block die Mädchenherzen für einen Moment stillstehen. Beruhigt sich erst einmal die Fanhysterie um eine Boygroup, schärft sich der Blick auf ihre Fertigkeiten.

Manche dürfen sich wie Take That über einen eigenen Songwriter der Marke Gary Barlow freuen. Tantieme und der direkte Einfluss auf den Wiedererkennungswert liegen in der eigenen Hand. NKOTB bleiben ein zusammengecasteter Haufen Hüpfdohlen, denen ohne ihren Entdecker und Songwriter die musikalische Identität flöten geht.

Seit ihre Eltern unvorsichtig ihr Einverständnis gegeben haben, kleben die Lebenslinien der fünf Männer unweigerlich aneinander. Die Kinder ihrer ehemaligen Groupies geben sich längst ihren Epigonen One Direction, The Wanted oder Big Time Rush hin. Ihnen selbst bleibt nur der verzweifelte Versuch, ihre ehemaligen Fans mit dem Mummenschanz von NKOTBSB an sich zu binden.

Nach dem R'n'B-Ausflug des Comeback-Albums "The Block" besinnen sich NKOTB, oder besser gesagt ihre dänischen Produzenten DeeKay, ihrer Wurzeln im Pop. Die kreative Leistung der fünf Knaben unter dem Klotz bleibt leicht überschaubar. Gerade einmal in "Miss You More" (Donnie Wahlberg) und "Now Or Never" (Joey McIntyre) greifen sie selbst zum Griffel. Bereits die Danksagungen dürften ihnen den Schweiß auf die Stirn getrieben haben. Wahrscheinlich sucht ihnen auch heute noch jemand die Klamotten aus, in denen sie zu posieren haben.

Den Vogel schießt Danny Wood ab. Die anderen Kids wechseln sich strebsam am Mikrofon ab, um im Refrain wieder zusammen zu kommen. Wood schafft es in "Crash", "Now Or Never" und "Survive You" auf genau zwölf Solozeilen. Wozu ist der Kerl genau in dieser Band? Da Auto-Tune deutlich mehr Platz als er auf "10" einnimmt, sollte man sich ernsthaft Gedanken machen, die beiden auszutauschen. Anders gesehen befindet er sich mit seiner Vorgehensweise auf der sicheren Seite und macht nichts falsch.

Diesen Part übernimmt im ganz großen Stil der ehemalige Bad Boy Donnie Wahlberg. Während sein kleiner Bruder "Marky" Mark Wahlberg von Hollywood-Erfolg zum Nächsten stelzt, darf sich Donnie schon im März 2013 die goldene Himbeere für den schlechtesten Rap des Jahrzehnts abholen. Im Laufe der Schmalzballade "Miss You More" bricht es unvermittelt aus ihm heraus.

"I hate the way I miss you / I wish that i could kiss you." Ehrlich, das ist so unfassbar mies, man muss es eigentlich mindestens einmal gehört haben. Dagegen wirkt Thomas Gottschalk wie Eminem. Das Fleisch schnurrt an meinen Knochen zusammen und ich weiß nicht, ob ich weinen oder mir vor Lachen in die Hose machen soll. Das meinte Tone also mit "Ekelerregende Raps". Zudem gibt es von ihm in "Now Or Never" solch wunderbar poetische Zeilen wie "I can see forever / you and me together / Nothing could be better / it's alright" zu hören. Unfreiwillige Komik, dein Name lautet Donnie Wahlberg.

Der Rest von "10" verliert sich zum größten Teil knietief im stupiden Electro-Pop-Matsch der mittleren 2000er. David Guetta-Feeling, mit dem heute noch manch ein Ibiza-Animateur die große Urlaubssause anheizt ("Crash", "Take My Breath Away", "The Whisper"), trifft auf klischeebeladene Balladen ("Survive You", "Miss You More"). Höchstens die ersten Sekunden der Single "Remix (I Like The)" vermitteln das Gefühl, NKOTB könnten ihre Markenzeichen in die Jetztzeit transportieren. Dieser Eindruck endet aber abrupt, sobald der sackdämliche Refrain ungebremst und frontal in die Debilitätsmauer kracht.

New Kids On The Block im Jahr 2013 erinnern an einen vierzigjährigen Mann, der immer noch zu Hause bei Muttern wohnt und sich von ihr bekochen und die Bremsspuren aus den Unterhosen waschen lässt. Genüsslich lassen sie die Arbeit andere machen und kommen nur zum Posieren vorbei. Ein fünfköpfiges Etwas, das unter dem Peter Pan-Syndrom leidet. Aber das Nimmerland hat sie schon lange ausgespuckt.

Trackliste

  1. 1. We Own Tonight
  2. 2. Remix (I Like The)
  3. 3. Take My Breath Away
  4. 4. Wasted On You
  5. 5. Fighting Gravity
  6. 6. Miss You More
  7. 7. The Whisper
  8. 8. Jealous (Blue)
  9. 9. Crash
  10. 10. Back To Life
  11. 11. Now Or Never
  12. 12. Survive You

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