laut.de-Kritik

Ein Comeback wie ein mittelmäßiger TED Talk.

Review von

13 (in Worten: dreizehn!) Jahre musste die Hip Hop-Welt auf ein neues Projekt von Missy "Misdemeanor" Elliott warten. Sicherlich, vor vier Jahren gab es die Single mit Pharrell, und hier und da tauchte sie als Gast auf, aber auf etwas Handfestes warteten Fans vergeblich. Bis heute.

Ohne großes Tamtam oder Promo droppte sie über Nacht "Iconology". Es ist zwar nur eine EP geworden, aber: Hauptsache neue Musik von der Rap-Queen. Right? Wrong! Ihr Comeback entpuppt sich als herbe Enttäuschung.

Vier Songs lassen nicht viel Raum für Aussetzer oder Fehlgriffe. Insofern hätte Missy wohl kein schlechteres Format wählen können, um ihre Rückkehr zu feiern. Die erste Hälfte von "Iconology" geht noch als akzeptabler Throwback durch, während die anderen fünfzig Prozent einer Valium gleichkommen.

Die DatPiff-Mixtape-Ära scheint sie nie hinter sich gelassen zu haben. Zum Beginn jedes Songs murmelt uns die fast 50-Jährige "This is a Missy Elliott exclusive" ins Ohr. Auf dem Opener "Throw It Back" mag der Tag aufgrund der Thematik noch angebracht erscheinen, aber spätestens beim zweiten Mal wirkt er peinlich und fängt an zu nerven.

"Throw It Back" und "Cool Off" klingen tatsächlich nach einer moderneren Version der Missy, die 2001 Tanzflächen füllte und Booties auf der ganzen Welt zum Shaken brachte, ohne dabei lyrisch allzu viel an Qualität einzubüßen: "Break a sweat, make 'em lose control, ain't no AC / Goin' hard, tempo forty-four, feelin like Jay-Z."

Egal, ob Collage aus düsteren Synthlines, Airhornes und Weihnachtsglocken (wie auf dem Opener) oder Drumpad mit Schnappatmung (auf "Cool Off"): Die Instrumentals der ersten Hälfte stehlen der Rapperin die Show und werden Pobacken weltweit wieder ein Eigenleben entwickeln lassen. Danach wird es allerdings unglaublich ereignisarm.

"DripDemeanor" zieht sich endlos über seine vier Minuten Laufzeit. Feature-Sängerin Sum1, fälschlicherweise von mir zuerst als Sum 41 gelesen (wäre wohl interessanter geworden), klingt wie poor man's Kehlani, und selbst Missy, die hier versucht, sexy zu sein, stellt sich eher ungeschickt an: "I'm fit like a brick." Bitte, was?

Der Closer "Why I Still Love You" klingt wie eine Lizzo-B-Side. Ist okay, aber bringt auch keinerlei Replayability mit sich. Was deutlich wird, wenn der Song danach als A-capella Version noch einmal durchläuft und man schon beim zweiten Mal gerne Skip drücken würde.

"Iconology" ist nicht haarsträubend schlecht geworden. Aber als Statement nach 13-jähriger Absenz kommt das Projekt einem mittelmäßigen TED Talk gleich. Man fühlt sich nicht allzu sehr gelangweilt, hat aber bereits nach zehn Minuten alles wieder vergessen.

Trackliste

  1. 1. Throw It Back
  2. 2. Cool Off
  3. 3. DripDemeanor
  4. 4. Why I Still Love You
  5. 5. Why I Still Love You - Acapella

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