Porträt

laut.de-Biographie

Mike Shinoda

Michael Kenji Shinoda nur auf sein musikalisches Aushängeschild Linkin Park zu reduzieren, würde dem Kalifornier japanischer Abstammung keineswegs gerecht. Zu facettenreich und mannigfaltig sind seine künstlerischen Ambitionen, von seiner ursprünglichen Ausbildung als Grafikdesigner ganz zu schweigen.

Linkin Park: Mike Shinoda kommt nach Deutschland
Linkin Park Mike Shinoda kommt nach Deutschland
Der MC präsentiert seine persönliche Abrechnung mit dem Thema Trauer bei einer Solo-Show in Köln.
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Tendenziell eher dem Hip Hop zugeneigt, hilft er um die Jahrtausendwende, das Etikett Nu Metal auf der ganzen Welt salonfähig zu machen. Egal ob als MC oder Beatmaker, Shinoda, bandinterner Spitzname "The Glue" (Der Kleber), drückt Linkin Park nachhaltig seinen Stempel auf. Er gibt den wortakrobatischen Konterpart zu Chester Benningtons mal gesäuselten, mal geschrienen Lyrics, spielt Leadgitarre, textet und definiert so den Sound einer Ära mit.

Sein Ruf als kreatives Mastermind neben Frontmann Bennington rührt nicht zuletzt daher, dass er 1996 Linkin Park mit Schlagzeuger Rob Bourdon und Gitarrist Brad Delson aus der Taufe hebt. Neben seinen bahnbrechenden Erfolgen mit der Stammband wandelt Mike aber auch stets auf den Pfaden des Hip Hop: Wohl auch durch die mehr oder weniger gelungene Linkin Park-Kollabo mit Jay-Z inspiriert, gründet er 2004 das Nebenprojekt Fort Minor. Dieses wendet sich explizit dem Sprechgesang zu, erlangt durch den Hit "Remember The Name" mit zugehörigem Funsport-Video größere Bekanntheit und macht durch das 2005 erschienene Debütalbum "The Rising Tied" von sich Reden.

Immer wieder verdingt sich Shinoda außerdem als Producer für so illustre Namen wie Lupe Fiasco oder die X-Ecutioners und zeigt damit seine musikalischen Einflüsse aus dem Hip Hop: Den jungen Mike inspirieren Namen wie N.W.A. oder Public Enemy, später zieht es ihn mit Bands wie den Nine Inch Nails, den Deftones oder Rage Against The Machine in eine rockigere Richtung. Es braucht nicht viel Fantasie, um aus diesen Quellen Shinodas visionären Input für Linkin Parks Sound abzuleiten.

Mike Shinoda - Post Traumatic
Mike Shinoda Post Traumatic
Tagebucheinträge in musikalischer Form.
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Auch seine Qualitäten als Remixer präsentiert er 2004: Mit einer rockigeren, gleichzeitig kühleren Version des Depeche Mode-Klassikers "Enjoy The Silence" im Linkin Park-Gewand sorgt Shinoda für Aufsehen. Das tröstet aber viele Fans in den folgenden Jahren nicht darüber hinweg, dass ab dem Release von "Minutes To Midnight" ein langsamer, doch unaufhaltsamer kreativer Niedergang beim Mutterschiff Linkin Park einzukehren scheint. Die Sellout-Vorwürfe reißen nicht ab, kulminieren spätestens nach dem Release von "One More Light" 2017.

Gegenüber Noisey verweist Shinoda im gleichen Jahr auf die hohe Fluktuation der Wertungen und resümiert die pop-affinere Periode Linkin Parks: "Wir machen seit zehn Jahren Alben, die für unsere Fanbase kontrovers sind. Für unsere letzten vier Alben haben wir polarisierende Reaktionen bekommen. Ein-Stern-Reviews und Fünf-Stern-Reviews, aber kaum in der Mitte."

Schon wenige Monate darauf überschattet jedoch Chester Benningtons Suizid alle Diskussionen um den Sound der Band. Fans, Angehörige und natürlich Shinoda selbst trauern um den Frontmann. Wie es sich für einen Künstler seines Formats gehört, verarbeitet der MC seine Gefühle in der "Post Traumatic EP", die er Anfang 2018 ohne großes Brimborium veröffentlicht. Und die musikalische Katharsis scheint Wirkung zu zeigen: Wenige Wochen später kündigt er sein gleichnamiges Solo-Debüt an. Dieses dokumentiere den Prozess der Aufarbeitung und Bewältigung: "Es ist eine Reise heraus aus dem Kummer und der Dunkelheit und nicht hinein".

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  • 29 Aug.
    Köln
    Palladium

Musikalisch definiert sich Shinoda zusehends wieder über Rap, zu dem er nach Jahren des Crossover-Sounds auf ähnlich unkonventionellen Wegen zurückfindet wie bei seiner ersten Begegnung mit dem Genre: "Ich hatte immer das Gefühl, dass ich durch die Hintertür zum Rap gekommen bin (...) Als Kind wollte ich immer Rapper sein und dann fing dieses Band-Ding an und ich dachte nur: 'Oh cool, das macht richtig Spaß, über diese vermischten Rock-Electro-HipHop-Songs zu rappen' und im Mix, als wir alles fertig gestellt haben, ist es mehr zu der Rock-Seite gependelt und die Leute ordnen die Alben eher als Rock ein."

Auch auf Albumlänge verfolgt Shinoda die Mischung aus Midtempo-Beats und melancholischen Hooks. Unterstützung hierfür bekommt er von Kollegen wie Deftones-Sänger Chino Moreno, Blackbear oder Machine Gun Kelly. "Post Traumatic" erscheint im Juni 2018. Die darauf besungene Tour de Force des Linkin Park-MC greifen Millionen von Fans bereitwillig auf, um gemeinsam den Verlust von Bennington zu verarbeiten.

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Mi 29.08.2018 Köln (Palladium)

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