laut.de-Kritik

Von der Inspiration zur reinen Übersättigung.

Review von

Wir verdanken es wohl teilweise der Natur von Streaming-Services und dem Billboard-Algorithmus, dass Alben im Hip-Hop- und R'n'B-Mainstream zur Zeit absurde Längen annehmen können. Die letzten beiden Drake-Alben dauerten etwa 80 Minuten, das kommende Rae Sremmurd-Projekt ist als Triple-Album angesetzt, Chris Browns "Heartbreak On A Full Moon" bringt stattliche zweieinhalb Stunden auf die Waage. Für den kommerziell heißersehnten Follow-Up zu "Culture" schließen sich nun die Migos diesem Trend an und reihen 24 gleichförmige Titel aneinander, keiner unter drei, viele über fünf Minuten lang. Fast zwei Stunden "Culture 2".

Etappenziel dieses Albums scheint dementsprechend zu sein, auch den hartgesottenen Migos-Fans deutlich zu machen, dass es so etwas wie "zu viel Migos" gibt. Nicht, weil die einzelnen Tracks per se handwerklich schlecht oder untypisch für die Gruppe wären, es ist die reine Übersättigung in Kombination mit einer generellen Unsicherheit über die weitere Ausrichtung der Musik, an der viele Titel kranken.

Manche Beats greifen zaghaft Trends aus dem Mainstream auf, zum Beispiel die Latin-inspirierten Harmonien auf "Narcos", das Post Malone-Feature auf "Notice Me" oder die Pharrell-Produktion für "Stir Fry". Auf der anderen Seite lassen manche Zeilen und instrumentale Anleihen unterschwellig ernstere Töne anklingen. "Higher we go, beg and plead for the Culture" auf Opener "Higher We Go" oder Ansagen wie "Real rap, no mumble" lassen im Anbetracht vieler kritischer Stimmen zu den neuen Gesichtern der HipHop-Kultur aufhorchen.

Aber nicht nur werden diese interessanten Momente unter doppelt so vielen Schema F-Tracks begraben, sondern werden sie auch selten besonders interessant ausgespielt. Das liegt anscheinend auch an einem latenten Auseinanderdriften der einzelnen Fraktionen. Während Offset sich weiter damit begnügt, als Cardi Bs Hausmann in spe ab und zu einen einwandfrei geflowten Part aufs Parkett zu legen, rappt Takeoff hier als einziger mit Leidenschaft und Feuer, als würde er tatsächlich für die Kultur representen wollen.

Komplettes Kontrastprogramm zum aufblühenden Left-Off-Migo ist dabei Frontmann Quavo, der musikalisch wie schon auf dem Travis Scott-Kollabotape auf der Stelle tritt. Sein Autotune fühlt sich nach einem sehr Quavo-intensiven Jahr schal und ermüdend an, seine Flow-Pattern scheinen allesamt von früheren Projekten recycelt und auch, wenn es einen guten Schlag an Titeln gibt, die auf schnell zusammengeschustert klingen, ist es doch gerade er, der am häufigsten mit halbgaren und satten Performances langweilt. Einzig Drake unterbietet diese Präsenz mit einem kompletten Wegwerf-Verse, der auf "Walk It Talk It" die Frage aufwirft, warum er dafür überhaupt auftaucht.

Natürlich gibt es dagegen auch Momente, in denen die Formel der Gruppe einwandfrei aufgeht. "Stir Fry" endet vermutlich als der nachhaltige Hit der Platte, der nicht nur mit dem Funk-Appeal des letzten N.E.R.D.-Albums aufwartet, sondern auch die markantesten und griffigsten Vocal-Melodien mitbringt. "Motosports" gibt den klassischen Verse-getragenen Song, auf denen Triplet-Flows und hypnotischer Beat mitsamt Nicki Minaj und Cardi B ein wenig auf der "Bad And Boujee"-Formel reiten. "Too Much Jewlery" wartet mit wundervollem Flöten- und Pianosample plus einem unerwarteten Breakdown zum Ende hin auf, "Flooded" klingt wie straight up vom fantastischen "Without Warning"-Projekt. Apropos: 21 Savage taucht auf "BBO" auf, um eine der eingängisten Hooks der Platte abzuliefern.

Insgesamt fällt im Grunde jedoch kein Track zu weit vom Stamm, denn auch das zweite "Culture"-Album klingt durchgehend so, wie man sich ein Album des Trios eben vorstellt. Lediglich die Inspiriertheit der Einzeltracks und Produktionen variiert von Station zu Station.

Das Gemeine ist ja, dass bei 24 Tracks der Migos allein durch die rohe Qualität ihrer Produzenten und ihre konsequente musikalische Solidität genug Tracks abfallen, die man mögen wird. In ein paar Wochen haben sich diese Hits dann herauskristallisiert und in spätestens einem Jahr sind das dann die einzigen Fragmente, die man überhaupt mit "Culture 2" assoziiert. Und sich drei oder vier Tracks zu merken und zu mögen, wird das Album vermutlich retrospektiv weitaus besser wirken lassen, als es in einem tatsächlichen Hördurchgang der Fall ist. Dieses neue Album mag kommerziell mit Sicherheit kein Letdown sein, aber die Migos haben selten weniger hungrig geklungen. Und mit Protagonisten, die mindestens zwei Drittel der Zeit sichtlich auf Sparflamme fahren, macht die absurde Länge das Projekt nahezu unkonsumierbar.

Trackliste

  1. 1. Higher We Go (Intro)
  2. 2. Supastars
  3. 3. Narcos
  4. 4. BBO (Bad Bitches Only) (feat. 21 Savage)
  5. 5. Auto Pilot
  6. 6. Walk It Talk It (feat. Drake)
  7. 7. Emoji A Chain
  8. 8. CC (feat. Gucci Mane)
  9. 9. Stir Fry
  10. 10. Too Much Jewelry
  11. 11. Gang Gang
  12. 12. White Sand (feat. Travis Scott, Ty Dolla $ign & Big Sean)
  13. 13. Crown The Kings
  14. 14. Flooded
  15. 15. Beast
  16. 16. Open It Up
  17. 17. MotorSport (feat. Nicki Minaj & Cardi B)
  18. 18. Movin' Too Fast
  19. 19. Work Hard
  20. 20. Notice Me (feat. Post Malone)
  21. 21. Too Playa (feat. 2 Chainz)
  22. 22. Made Men
  23. 23. Top Down On A Nawf
  24. 24. Culture National Anthem (Outro)

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5 Kommentare mit 8 Antworten

  • Vor 3 Monaten

    Ich finde "Walk it like I talk it" ganz gut, aber richtige Brecher sind nicht drauf.
    Ich glaube sowieso, dass sich das Trap-Thema langsam wieder legt.
    Der lächerliche Overhype von Travis Scott war da ein sicheres Zeichen...

  • Vor 3 Monaten

    Also ich als alter golden era fan hatte ja meine Schwierigkeiten mit Trap. Mittlerweile höre ich das ein oder andere aber ganz gerne. Aber ich muss zugeben, dass sich 90% der Trap Songs für mich gleich anhören und ich teilweise weder Songs noch Interpreten auseinanderhalten kann, wenn irgendwo sowas läuft. ;-) Geht es da irgendjemandem ähnlich oder liegt das an mir?

    • Vor 3 Monaten

      Dito, besonders die Deutschtrapper klingen absolut gleich.

    • Vor 3 Monaten

      Absolut, das ist ja das schlimme... Null Kreativität oder künstlerischer Anspruch mehr. Nur noch der gleiche Einheitsbrei. Wird Zeit für ein neues Kanye-Album.

    • Vor 3 Monaten

      Luciano hat Wiedererkennungswert, weil er wenigstens mit der Stimme ein bisschen Varianz reinbringen kann. Und manche Flows sind richtig stark. Genau genommen hat er Fler schon mit Banditorinho eingeholt. Ja, Vibe war gut, aber Gauner in Lacoste brettert mehr als Flers gesamte Diskographie.

  • Vor 3 Monaten

    Wer ist denn dieser "Yannik Gölz" ??
    Eben mal kurz drüber gelesen und ich muss echt lachen! Was für eine Flachzange und möchtegern "Musikritiker" dieser Yannik Gölz ist...
    Schreibt ein Review über Maik Singer und dann über Migos ? Der neue Musikpapst von Laut.de
    Wie kann so jemand eingestellt werden und über alle Musikgenre schreiben ??? Hr Gölz, sind Sie aus der goldenen Rapära der 90iger und alles was ein wenig davon abtrifftet wird von Ihnen komplett überhaupt nicht Objektiv betrachtet....Schrecklich...
    Die Musik geht mit der Zeit und verändert sich, aber beim kleinen Yannick der mal auf den Tasten rumhauen darf ist das wohl noch nicht angekommen, Idiot !

    • Vor 3 Monaten

      ..daß Yannick sich überhaupt so einen MÜLL reinziehen muß....ist schon 5 Sterne FÜR Yannick wert !
      und für DICH 0 Sterne ...
      WER BIST DU DENN ? neuer Troll ?

    • Vor 3 Monaten

      Du verteidigst hier den womöglich schlechtesten Migos Release. Mach einfach den Kopf zu, du Komiker.

    • Vor 3 Monaten

      dude, bei aller liebe, scroll mal ein wenig durch meine reviews durch. Lil skies, Lil Peep, XXXTentacion, Lil Pump, Lil Uzi, Yung Lean, Metro Boomin, Thugger, alles gut weggekommen. Das is einfach kein besonders gutes Migos-Album, u know

    • Vor 3 Monaten

      "Die Musik geht mit der Zeit und verändert sich, aber beim kleinen Yannick der mal auf den Tasten rumhauen darf ist das wohl noch nicht angekommen, Idiot !"

      - Dominic, 15, hat sich paar Fler Interviews angeguckt und ist jetzt der wahre Kenner der Musik.

      verpiss dich einfach du Kek, danke.

    • Vor einem Monat

      du bimst 1 yannik vong lauchigkeit her