Porträt

laut.de-Biographie

Maxim

Sich aus einer Schublade zu befreien, in der man gelandet ist, fällt äußerst schwer. Ein einmal aufgeklebtes Etikett bleibt hartnäckig haften, auch wenn es so gar nicht mehr passen will. Maxim kennt diese Problematik.

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"Reggae und BWL - meine beiden dümmsten Ideen", witzelt er, der sich auch nach Jahren der musikalischen Entwicklung noch als "deutscher Reggae-Sänger" handeln lassen muss. "Ich will das gar nicht verleugnen", blickt er auf seine Vergangenheit in Offbeat-Gefilden zurück. "Nur irgendwann hat es für mich einfach nicht mehr gestimmt."

Seine Diskografie spiegelt den Weg weg vom Roots-Sound seiner Anfangstage hin zu aufwändig in Szene gesetzten urbanem Pop ganz genau. Doch auch Maxims Geschichte beginnt am Anfang:

Als Sohn einer französischen Mutter und eines deutschen Vaters kommt Maxim Richarz am 15. Mai 1982 in Siegburg bei Bonn zur Welt. In Königswinter, wo er aufwächst, besucht Maxim eine Waldorfschule. Seine Abiturprüfung legt er an einer Bonner Gesamtschule ab. Nach dem Zivildienst nimmt Maxim in Köln ein BWL-Studium in Angriff.

"Ich dachte, dass sich das vielleicht gut mit Musik kombinieren ließe, aber Kreativität und das Geschäftliche waren mir einfach zu widersprüchlich", stellt er rasch fest. Auch ein SAE-Studium zum Toningenieur bricht er nach einem Semester ab. "Das war schon interessant, aber ich bin einfach Autodidakt. Mein letzter Schultag war mein letzter Schultag."

Schon zu Schulzeiten hat Maxim sein Herz an die Musik verloren. Bei einem Schüleraustausch mit Guadeloupe, einer überschaubaren französischen Insel der Kleinen Antillen, kommt er mit Zouk und kreolischem Dancehall in Berührung. Dennoch drängt es ihn wegen seiner Vorliebe für R'n'B eher in Richtung Roots-Reggae.

Zurück in Deutschland produziert er ein eher semiprofessionelles Tape und gerät irgendwann an den Bonner Nosliw, der zu diesem Zeitpunkt bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat. Er nimmt Maxim als Backgroundsänger mit auf Tour. "Das war wie ein Praktikum. Ziemlich interessant, und es hat mir viel gebracht."

Nebenbei singt und spielt Maxim in mehreren Bands und feilt an eigenen Songs. Im Hause Rootdown Music findet er mit Thilo Jacks aka Teka einen Partner für Songwriting und Produktion. Im November 2005 erscheint als erster greifbarer Beleg für die Fruchtbarkeit der Zusammenarbeit das Debüt-Album "Maxim".

Obwohl schon einige deutsche Acts erfolgreich im Reggaegeschäft unterwegs sind, leistet Maxim Pionierarbeit. Gentleman, Seeed oder Culcha Candela haben einen überschaubaren bis nicht vorhandenen deutschsprachigen Anteil in ihren Texten. Ganz anders Maxim oder Nosliw, die ausschließlich auf Deutsch singen und damit fast Paradiesvogel-Status erlangen.

"Radiosender sind eher zurückhaltend, was deutschen Reggae angeht", sagt der Sänger. "Im Prinzip läuft es auf eine Handvoll Menschen hinaus, die versucht, sich in der Musiklandschaft zu behaupten. Einen Hype wie früher beim deutschen Hip Hop gibt es nicht. Deutschsprachiger Reggae klingt eben ungewohnt."

Dennoch hält es Maxim nicht lange in dieser Nische. Schon auf seinem Album "Rückwärts Fallen" deutet sich 2008 eine Metamorphose in Richtung Pop an. "Ich war aber nicht konsequent genug", befindet Maxim später. "Es gab zu viele noch nicht ausgeleuchtete Facetten."

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Beim nächsten Streich sieht das anders aus. "An 'Asphalt' habe ich locker eineinhalb Jahre gearbeitet", so Maxim. "'Schaufenster', Meine Worte' oder 'Alles Versucht' gingen textlich in die richtige Richtung." Schon während der Aufnahmen zu "Asphalt" legt Maxim Tracks für den nächsten Longplayer zurück.

"Staub" erscheint zwar erst 2013, zeigt dafür aber einen Künstler, der zu sich und seinem Sound gefunden und unterwegs zudem die passenden Mitstreiter aufgetan hat. Zusammen mit Judith Holofernes verpasst Maxim manchem Text den letzten Schliff. Neben seinem langjährigen Partner Teka produzieren Farhot und Jochen Naaf, dessen Händen bereits Bosse oder PeterLicht ihr Schaffen anvertrauten.

2014 geht Maxim mit "Alles Versucht" beim Bundesvision Songcontest an den Start. Hier vertritt er sein Bundesland Nordrhein-Westfalen mit einem Song, den er als frisch gebackenes Scheidungskind geschrieben hat. Zwar landet er im Mittelfeld, auf dem achten Platz, zeigt sich rückblickend aber doch zufrieden: "Ich hab' danach mehr Platten verkauft als viele, die über mir gelandet sind."

"Staub" erscheint 2014 in einer Live-Version. Die Arbeiten am Nachfolger laufen aber bald an. Auf Produzentenseite hat Maxim neben Teka außerdem Tua, Jochen Naaf, Farhot und Max Herre hinter sich. Im Sommer 2016 ist "Das Bisschen Was Wir Sind" fertiggestellt und wirkt, was eigentlich fast nicht möglich schien, noch melancholischer als sein Vorgänger.

Der Mainstream-Erfolg, den ihm die Single "Meine Soldaten" bescherte, hatte die Erwartungen in schwindelnde Höhen geschraubt: hochfliegende Träume, die "Das Bisschen Was Wir Sind" nicht erfüllt. "Ich bin richtig auf die Fresse gefallen", erzählt Maxim rückblickend im Interview. Es folgt noch eine akustische "Reprise" des Albums, dann lange nichts mehr.

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... bis 2020 eine grüne Feder ins Blickfeld weht: Auf "Grüne Papageien" zeigt sich Maxim fröhlich und leichtfüßig wie nie, und das, obwohl das Album den schwersten Track seiner Karriere birgt. "Die Asche Von Claude" thematisiert die dunkelsten Punkte seiner Familiengeschichte.

Mit der scheint Maxim mittlerweile aber einen halbwegs gesunden Umgang gefunden zu haben. Jedenfalls besteht inzwischen kein Zweifel mehr daran, dass er es ernst meint, wenn er sagt: "Ich schreib' keine Lieder mehr über Killefitz. Ich schreibe nur noch über Dinge, die mich wirklich berühren."

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Mi 30.09.2020 Köln (Kulturkirche)
Do 01.10.2020 Mannheim (Alte Feuerwache)
Mi 11.11.2020 Berlin (Columbia Theater)
Mi 27.01.2021 Hamburg (Gruenspan)
Mi 03.03.2021 Stuttgart (Im Wizemann)
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