Porträt

laut.de-Biographie

Peter Licht

PeterLicht ist und bleibt für das Gros der Indiepop-Connaisseure dieses Landes auf dem Sonnendeck. Die entspannte elektroakustische Sommerflirrerei seiner Debütsingle hallt sehr lange nach und hat längst Chartsretrospektivshows hiesiger Privatsender erreicht. "Ich mag dieses Lied bis heute gern singen", gibt der Kölner dennoch zu Protokoll.

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Dabei müsste ihm mittlerweile zum Ohr raushängen, von Gelegenheitshörern auf diesen einen Song reduziert zu werden. Schließlich veröffentlicht der Mann, der die ersten sechs Jahre seiner 2000 beginnenden Karriere anonym bleibt, seither im Zwei- bis Dreijahresabstand Platten. Die übersteigen das Easy Listening-Moment von "Sonnendeck" bei weitem.

So wendet sich PeterLicht im Zuge seines 2006er-Albums "Lieder Vom Ende Des Kapitalismus" (Motor Music) vom dadaistischen Moment früherer Releases ab und dem utopischen Gesellschaftsspiegel zu. Ohne in akute Gesellschafts- oder Kulturkritik zu verfallen, hantiert er in seinen Liedern geschickt mit den Phänomenen unserer Zeit.

Ob er die durchökonomisierte Idee des Relaxens in "Wettentspannen" persifliert oder in "Stilberatung" eine Hypersexualisierung der Menschen ins Absurde führt: Stets schlägt er mit viel Humor und Augenzwinkern eine emotionale Brücke zu den jeweiligen Themen.

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Auch musikalisch erweitert er seit den mittleren 2000ern das Klangbild. Vorher eher ein Ein-Mann-Act und LoFi, zitiert er nun in Breitband einen Wave- oder Hamburger Schule-Sound. Mit der Band als Unterstützung tourt PeterLicht fortan die Länder. Nichtsdestotrotz verbirgt er sein Gesicht auf Pressefotos weiterhin hinter den komischsten Gegenständen. Restanonymität bleibt Trumpf.

Anlässlich späterer Veröffentlichungen investiert der Rheinländer auch in weitere Kulturspielarten. So erscheinen begleitend zur Musik immer häufiger literarische Ergänzungen in Form von Zeichnungen, Kurzgeschichten, Kolumnen und absurden wie enthüllenden Dialogen.

Beim Klagenfurter Ingeborg Bachmann-Wettbewerb erreicht er 2007 einen dritten Platz, außerdem gewinnt sein Text "Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des dritten Jahrtausends" den Publikumspreis. Darüber hinaus bringt PeterLicht als Regisseur und Autor diverse Theaterstücke auf die Bühne (darunter "Räume räumen", 2009, und "Das Sausen der Welt", 2013). Nach "Der Geizige" (2010) und "Der Menschen Feind" (2016) beschließt er mit dem inzwischen dritten von ihm überschriebenen und überzeichneten Molière seine trilogische Auseinandersetzung mit dem Werk des französischen Dramatikers. PeterLichts Theaterstück "Tartuffe oder das Schwein der Weisen" feiert am 14. September 2018 Premiere am Theater Basel.

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Die Aufführung beinhaltet bereits Stücke vom neuen Album "Wenn Wir Alle Anders Sind", das im Oktober auf Tapete Records erscheint, sieben Jahre nach dem letzten Studio-Album "Das Ende der Beschwerde" und drei Jahre nach dem per Crowdfunding finanzierten Live-Album "Lob Der Realität". Wie in den Alben davor zieht PeterLicht den aktuellen Zeitgeist ins Absurde und Groteske.

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2 Kommentare

  • Vor einem Monat

    Hallo Peter,
    ich habe dein Interview im BR zu den 80er Jahren gehört, der ein gewisses Echo bei mir ausgelöst hat.

    Auch mir ging es so, dass ich den kalten Krieg als den normalen Zustand der Welt wahrgenommen habe. 67 geboren und im "Fulda Gap" aufgewachsen, war es in Kinder- und Jugendtagen normal, dass jedes Jahr mehrfach Manöver stattfanden, Heerlager aufgeschlagen wurden, Jets über die Häuser schossen (genau wie du es beschrieben hast als lautlose Pfeile) und Panzer über die Dorfstraße in den Wald fuhren; einmal über 120, was ich als Kind begeistert zählte - schon seltsam diese Begeisterung der Kinder über das Kriegsgerät.

    Später ist mir dann klargeworden, dass es nicht nur ein Vorteil für die später geborenen ist, diese Teilung der Welt (geographisch, politisch, weltanschaulich) nicht von klein auf erleben zu müssen. Ich sage mal "bei uns" war von klein auf eine Frage im Kopf, natürlich auch eine Angst, aber auch die Frage nach dem grundsätzlichen politischen System, denn man erlebte täglich den Wettstreit dieser Systeme. Das führte auch dazu, dass man hinterfragte und nicht einfach akzeptierte. Für die Jüngeren war die politische Frage schon immer "entschieden" - eher noch nie in ihrem Leben existent und wurden zum Beispiel ökonomische Fragen, oder die nach dem persönlichen Stil, zu den entscheidenden im Leben. Und so bin ich heute immer noch, auch wenn die Faszination für Panzer und Co. schon lange dem Pazifismus gewichen ist, irgendwie auch froh darüber, in dieser Zeit aufgewachsen zu sein.

    Ach ja: Und The Cure! Inbetween Days habe ich natürlich laut aufgedreht. Wie immer eine Zeitreise – auch wenn ich heute noch auf ihre Konzerte gehe, aber das sind dann ja auch Zeitreisen – die ich sehr genossen habe.
    Liebe Grüße
    Udo

  • Vor einem Monat

    Hallo Peter,
    ich habe dein Interview im BR zu den 80er Jahren gehört, der ein gewisses Echo bei mir ausgelöst hat.

    Auch mir ging es so, dass ich den kalten Krieg als den normalen Zustand der Welt wahrgenommen habe. 67 geboren und im "Fulda Gap" aufgewachsen, war es in Kinder- und Jugendtagen normal, dass jedes Jahr mehrfach Manöver stattfanden, Heerlager aufgeschlagen wurden, Jets über die Häuser schossen (genau wie du es beschrieben hast als lautlose Pfeile) und Panzer über die Dorfstraße in den Wald fuhren; einmal über 120, was ich als Kind begeistert zählte - schon seltsam diese Begeisterung der Kinder über das Kriegsgerät.

    Später ist mir dann klargeworden, dass es nicht nur ein Vorteil für die später geborenen ist, diese Teilung der Welt (geographisch, politisch, weltanschaulich) nicht von klein auf erleben zu müssen. Ich sage mal "bei uns" war von klein auf eine Frage im Kopf, natürlich auch eine Angst, aber auch die Frage nach dem grundsätzlichen politischen System, denn man erlebte täglich den Wettstreit dieser Systeme. Das führte auch dazu, dass man hinterfragte und nicht einfach akzeptierte. Für die Jüngeren war die politische Frage schon immer "entschieden" - eher noch nie in ihrem Leben existent und wurden zum Beispiel ökonomische Fragen, oder die nach dem persönlichen Stil, zu den entscheidenden im Leben. Und so bin ich heute immer noch, auch wenn die Faszination für Panzer und Co. schon lange dem Pazifismus gewichen ist, irgendwie auch froh darüber, in dieser Zeit aufgewachsen zu sein.

    Ach ja: Und The Cure! Inbetween Days habe ich natürlich laut aufgedreht. Wie immer eine Zeitreise – auch wenn ich heute noch auf ihre Konzerte gehe, aber das sind dann ja auch Zeitreisen – die ich sehr genossen habe.

    Liebe Grüße
    Udo