laut.de-Kritik

Allein fürs Cover gebührt ihnen ein saftiger Arschtritt.

Review von

In Flames gehören ohne Frage zu den erfolgreichsten Bands, die Anfang der 90er aus der schwedischen Göteborg-Schule hervorgegangen sind. Waren die ersten vier oder fünf Alben musikalisch noch deutlich dieser Ecke zuzuordnen, änderte sich das auf den späteren Veröffentlichungen zunehmend. Entsprechend zwiespältig reagieren seither viele Fans der Gruppe und auch "A Sense Of Purpose" wird da keine Ausnahme sein.

So steht wohl außer Frage, dass man den Schweden schon alleine für das Cover den Schuh in den Arsch hauen sollte. Und selbst wenn man diesen Punkt mal ausklammert, stellt "A Sense Of Purpose" den Fan vor manch harte Probe. So lässt sich die schon bekannte Single "The Mirror's Truth" mit seinen aggressiven Vocals und den fetten Gitarren ja noch als ordentlicher Opener bezeichnen, aber "Disconnected" macht es einem da weniger leicht. Das Tempo der Nummer weckt zwar tatsächlich Hoffnung, allerdings nur, bis man beim Chorus angelangt ist.

"I feel like shit, but at least I feel something", gibt Fronter Anders Fridén da zum Besten. Das klingt nicht unbedingt nach einem erfüllten Leben und man fragt sich, was der Kerl denn andauernd zu jammern hat. Schließlich spielt er in einer sehr erfolgreichen Metal Band. Machen Geld und kreative Freiheit etwa nicht glücklich? Mir kommen gleich die Tränen. Andererseits führt es einem auch das Dilemma von "A Sense Of Purpose" vor Augen, denn wenn man beim Hören einer CD kaum eine emotionale Regung verspürt, spricht das nicht unbedingt für das Langeisen.

"Sleepless Again" ist mehr oder weniger das, was man von In Flames seit den letzten paar Scheiben kennt und somit auch als ordentlich, wenn auch unauffällig einzuordnen. Ganz dunkel wird es anschließend aber mit "Alias". Es ist fast schon erschreckend, wie belanglos der Song an einem vorbeizieht. Im Refrain hat man ein wenig das Gefühl, dass da der Osloer Kinderchor mit einstimmt und man nachher noch gemeinsam ein bisschen "The Wall" von Pink Floyd singen muss. Wenn man sich den durchaus gelungenen akustischen Mittelteil so anhört, drängt sich auch der Name Blind Guardian auf.

Von denen scheint ursprünglich auch "I Am The Highway" zu stammen. Zumindest könnte man das im Chorus vermuten, denn das Ding ist wohl eher was zum vor sich hinträllern, wenn man gerade ein Rudel Hobbits durch die Heide jagt. Vor allem die quäkende Stimme in den Backing Vocals ist verdammt nervig. Wer singt da? Die Chipmunks? Wenigstens gehen sowohl "Delight And Anger" als auch "Move Through Me" musikalisch voll in Ordnung. Die Arrangements sind abwechslungsreich und bestechen mit cleanen Gitarren, guten Melodien und nem treffsicheren Chorus.

Tja und dann kommt mit "The Chosen Pessimist" sowas wie der Totalausfall. Der Song startet sehr melancholisch und lässt sich ordentlich Zeit, bis überhaupt mal was passiert. Wenn dann tatsächlich Anders' Gesang einsetzt, fragt man sich unwillkürlich, ob der Kerl inzwischen auch nen fiesen Scheitel trägt und zum Jammern gern in die Ecke geht. Das überlange Stück scheitert vor allem am kläglichen Gesang des Frontmanns und sollte live nicht mal unter Androhung von Gewalt zum Einsatz kommen.

Man wagt es kaum zu glauben, aber mit "Sober And Irrelevant" beweisen die Schweden, dass tatsächlich noch Leben in ihnen steckt. Der Track hat Tempo, aggressive Gitarren und ein paar wirklich coole Leads. Geschwindigkeit und Aggression sind weiß Gott nicht alles, aber wenn es ein Highlight auf "A Sense Of Purpose" gibt, dann ist es dieses hier. Auch das folgende "Condemned" macht ein wenig mehr Druck, allerdings gehören Drummer Daniel für den Discobeat im Refrain auch beide Arme gebrochen (insofern das Ding nicht eh als Loop vom Band stammt).

Das Abschlussdoppel "Drenched In Fear" und "March To The Shore" bietet weitgehend typische, sehr melodische In Flames-Kost, die man entweder zu schätzen weiß, oder mit der man schon seit ein paar Jahren nicht mehr viel anzufangen weiß. Nach dem überraschend schwachen Anfang bin zumindest ich sehr dankbar für ein versöhnliches Ende.

Trackliste

  1. 1. Mirror's Truth
  2. 2. Disconnected
  3. 3. Sleepless Again
  4. 4. Alias
  5. 5. I'm The Highway
  6. 6. Delight And Angers
  7. 7. Move Through Me
  8. 8. Chosen Pessimist
  9. 9. Sober And Irrelevant
  10. 10. Condemned
  11. 11. Drenched In Fear
  12. 12. March To The Shore

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102 Kommentare

  • Vor 11 Jahren

    Hey ich finde das album auch nicht so sonderlich starka,aber der herr schreiberling sollte vielleicht mal beachten das in flames 5(!) wirklich bäääärenstarke Alben hintereinander rausgebracht haben die, und wer das abstreitet lügt, eine Menge für den heutigen Sound des Metalcore, bzw. Deathcore, bwegt haben.
    Aber nene das album is ja kcke und chipmunks und so und meine oma...... oh man also manchmal finde ich echt das die laut.de schreiber n stock im arsch haben, sorry jungs und mädels aber is so!!!!
    Lg Malong

  • Vor 11 Jahren

    In Flames-Kritik schon seit drei Stunden online, und Masterpiece hat noch nicht reagiert. Sach ma, was bist du denn für ein Fan? :D.

  • Vor 11 Jahren

    Kann mich der Kritik nur anschließen. Ich fand schon die Mxi nur mittelmäßig und das Album ist für In Flames ne Frechheit. Dachte immer, dass In Flames sich auf nem konstanten Level bewegen, aber irgendwie schient das nicht so zu sein. Traurig...
    Naja bei cob siehts aber ganau so aus. Deren neues Album ist auch eher traurig.

  • Vor 10 Jahren

    @guelei1 (« das album hat ja hier nicht unbedingt einen grammy bekommen...hab's mir vor ein paar wochen ungehört und aus interesse gekauft. ich muss sagen, es läuft bei mir immer öfter...sind denn die älteren sachen besser? »):

    Alben wie Colony oder Jester Race gefallen mir schon einiges besser. Das ist aber eine ziemlich subjektive Meinung; Vielleicht liegt es nur daran, dass sich Melodic Death Metal bei mir über die Jahre irgendwie totgelaufen hat. Das penetrante Gehype und die Kiddies bei den Konzerten haben ihr übriges getan... ;)

  • Vor 10 Jahren

    @blusi (« @guelei1 (« das album hat ja hier nicht unbedingt einen grammy bekommen...hab's mir vor ein paar wochen ungehört und aus interesse gekauft. ich muss sagen, es läuft bei mir immer öfter...sind denn die älteren sachen besser? »):

    Alben wie Colony oder Jester Race gefallen mir schon einiges besser. Das ist aber eine ziemlich subjektive Meinung; Vielleicht liegt es nur daran, dass sich Melodic Death Metal bei mir über die Jahre irgendwie totgelaufen hat. Das penetrante Gehype und die Kiddies bei den Konzerten haben ihr übriges getan... ;) »):

    ...und dann noch die ganzen Emos :lol: :D :lol:

  • Vor 9 Jahren

    Nachdem ich seit heute Dimmus neues Album mein Eigen nennen kann und etwas durch das Netz surfe, blieb ich mal wieder bei In Flames hängen. Unnötig mich darauf hinzuweisen das beide in unterschiedlichen Genres beheimatet sind. Zu In Flames fällt mir dabei noch ein, das Onkel Eddy mit seiner Rezension bzw. seinem Review eigentlich vollends recht hat. Ich bin bei IF bislang der doofe Käufer der alle Alben hat aber schon seit Reroute über die Qualität meckert. Wenn ich jetzt so den Bogen zurück zu Dimmu spanne, dann hat denen z.B. die Pause von fast 4 Jahren und der Wechsel des Lineups gut getan. Abrahadabra vermittelt für mich mehr Freude als dieses dusselige Konzeptalbum In Sorte...., insofern sollte In Flames auch ruhig mal ne Pause und v.a. ne Tour Pause machen, denn wenn man sich so deren Kallender anschaut hängen die fast aussschließlich nach Veröffentlichung einer neuen CD (seit Reroute) in den USA rum. M.E. versauen die Staten auch das Genre des Black- und Death Metal.... aber egal.

    P.S. Sicher ist das neue Dimmu Album auch kein Meilenstein, aber irgendwo hab ich so das Bauchgefühl von etwas mehr Spielfreude, bzw. Freiheit..

    So far with an AbrahadabrA

    SaBbY