laut.de-Kritik

Ein Holzhammer, der Prince, die Neptunes und Prefuse zermatscht.

Review von

Die Fachpresse war schnell mit bedeutungsschwangeren Vergleichen bei der Hand, als Hudson Mohawke im Frühjahr dieses Jahres mit seiner "Polyfolk Dance EP" für herunterklappende Kinnladen sorgte. Eine ähnliche Wichtigkeit wie Aphex Twin nehme der junge Mann aus Glasgow ein, in dessen Händen die Zukunft des Hip Hops gesichert sei.

Einigermaßen vorschnelle Urteile nach gerade sechs offiziell veröffentlichten Titeln? In der Tat, hätte sich einige Monate vorher nicht ein unautorisiertes Bootleg seines Remixes von Tweets "Oops (Oh My)" durchs Netz gefressen, in dem er Timbalands astreiner Trommelproduktion einen technoiden Hip Hop-Mantel überwarf, dessen Loden meterweit im Morast hing.

Die Geburtsstunde eines Hypes, der sich bis heute kontinuierlich verstärkte und uns die nächsten Monate weiterhin begleiten wird. Denn "Butter" rechtfertigt alle Vorschusslorbeeren und reiht sich nahtlos in die beeindruckende Diskografie eines der wichtigsten Labels des letzten zwei Jahrzehnte ein. Nach den Indie-Ausflügen Grizzly Bear und Maximo Park geht Warp einen Schritt zurück, um direkt einen Satz nach vorne zu machen.

Hudson Mohawke steht für den progressiven, verschrobenen und gewöhnungsbedürftigen Sound der Aphex Twin-Ära, löst sich jedoch gleichzeitig vom gefühlten Zwang, jenen als Referenz angeben zu müssen. Weder Aphex Twin selbst noch der jazzige Hintergrund des letzten Rädelsführers warpscher Prägung bildet die Grundlage des "Butter"-Sounds, sondern das aktuelle Gedeihen des US-R'n'Bs und -Hip Hops.

Dennoch liegt "Butter" fernab gestriegelter und glatt produzierter Timbaland-Produktionen. Der Fehler hat Methode und offenbart eine völlig neue Ästhetik, wenn Mohawke primitive Rave-Tunes und beinahe ekelhaft anbiedernde, käsige Sequencer- und Synthie-Sounds vor rustikalen Dancefloor-Grooves vermengt.

Mit formvollendeter Eleganz hat dieses Konzept gar nichts zu tun, eher mit einem Holzhammer, der Rick James, Prince, die Neptunes, Prefuse und Dabrye in gleich große Quader klöppelt, um die einzelnen Tracks danach auszuwürfeln. Dadurch entsteht eine Dynamik der kalkulierten Überraschung, die erst mit steigender Hördauer ihre ganze Kraft entwickelt.

Einzelne Titel herauszugreifen gestaltet sich dementsprechend schwierig. Allenfalls die Gäste Olivier Daysoul, Nasdroic und Stones Throw-Signing Dam-Funk ragen als einzige menschliche Stimmen, die zumindest nicht bis zur Unkenntlichkeit in Dubstep-Manier durch VSTs gezogen wurden, aus der Melange heraus.

Es sind dies die einzigen Momente, die einen Blick auf die Digitalanzeige oder Spurrillen überflüssig machen, ansonsten rauscht "Butter" bei aller Abwechslung über knapp 50 Minuten dahin - oder besser: stampft sich in das Gehör und stiehlt der Skiptaste ihren Nutzen.

Ob Hudson Mohawke damit tatsächlich die Zukunft des Hip Hops einleitet, ist die Diskussion kaum wert. Die einen werden sein Debüt vergöttern, die anderen es ob der teils abstrusen und billigen Effekte verschmähen. Doch Aphex Twin verdient seinen Kultstatus mitunter auch dem polarisierenden Charakter seiner Musik.

Trackliste

  1. 1. Shower Melody
  2. 2. Gluetooth
  3. 3. Joy Fantastic feat. Olivier Daysoul
  4. 4. 3:30
  5. 5. Trykk
  6. 6. Fruit Touch
  7. 7. ZOo00OOm
  8. 8. Acoustic Lady
  9. 9. Rising 5
  10. 10. Twistclip Loop
  11. 11. Just Decided feat. Olivier Daysoul
  12. 12. No One Could Ever
  13. 13. Velvet Peel
  14. 14. Tell Me What You Want From Me feat. Dam-Funk
  15. 15. FUSE
  16. 16. Star Crackout
  17. 17. Allhot feat. Nadsroic
  18. 18. Black N Red

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18 Kommentare

  • Vor 9 Jahren

    Brunt, ipsem anditum, cum des a retemo demorictabon etum dis mo quibus ne. quatus vestatatem tem ditudiciuda a aleccat anin eamed magisi pratum tent naturiam vulocritatia dece otura fin reffinenibustuducceratiam caut negitatit 'forus aded ditasperum, inules as apeium,.

    ut e ali eomnimparum Thenimiciud di dum etiscipsictra non Contur ipperis estium em quibus hocepet nec utam essensteritenda, pos nirarinavis ad nation et earumquam, de cur. siloquis re cor et. Quam.Brunt, ipsem anditum, cum des a retemo demorictabon etum dis mo quibus ne. quatus vestatatem tem ditudiciuda a aleccat anin eamed magisi pratum tent naturiam vulocritatia dece otura fin reffinenibustuducceratiam caut negitatit 'forus aded ditasperum, inules as apeium,.

    ut e ali eomnimparum Thenimiciud di dum etiscipsictra non Contur ipperis estium em quibus hocepet nec utam essensteritenda, pos nirarinavis ad nation et earumquam, de cur. siloquis re cor et. Quam.

  • Vor 9 Jahren

    die single "ooops" find ich ja mal so richtig gut
    http://www.youtube.com/watch?v=H9LDK86b60U

    der rest ist mehr gewöhnungsbedürftig doch langsam aber sicher finden die melodien einen weg ins ohr.

  • Vor 9 Jahren

    Kann man irgendwo komplett reinhören? ZooO00oO0m verspricht ja große Töne, aber ich hab Angst, dass das die Ausnahme ist und der Rest so weichgespült wie Oops klingt.

  • Vor 9 Jahren

    @Kopfnicker (« review nich gelesen, daher keine meinung zum aphex-vergleich, aber endlich mal an das album gekommen. klasse isses! etwas weniger kantig als die bisherigen releases und zwei der besten tracks sind schon ewig draußen und jetzt erst bzw. nochmal auf platte gepresst. die diversität sorgt hingegen dafür, sich nicht weiter teilweise recht poppig erscheinenden tracks zu stören und auch nach mehrmaligem durchhören spaß daran zu finden. »):

    review lesen, dann posten ?

  • Vor 9 Jahren

    weil ich mir keine eigene meinung bilden kann? das einzige, was ich verpasst zu haben scheine, ist eh der aphex-vergleich.

  • Vor 7 Jahren

    Starkes, verstörendes, pickelhartes und zuckersüsses Werk des jungen Mannes aus der Nachbarschaft.

    Nahezu jeder Song strotz vor Innovation und Genrefremdheit. Echt froh so einen Typ in der Musiklandschaft zu haben