Porträt

laut.de-Biographie

Hemso

"Hier gibt's nicht viel zu machen, nur Spielotheken, Dönerläden, Internetcafés, Shisha-Bars." Die Trostlosigkeit Offenbachs bietet sich für zünftigen Straßenrap an. Neben seiner Heimatstadt prägen Hemso die prominenten Namen des US-Rap wie 50 Cent, Ice T, Cypress Hill, Snoop Dogg, Mobb Deep oder Busta Rhymes. Mit Kool Savas, Azad oder Samy Deluxe verfolgt er oberflächlich auch die hiesige Szene, doch erst Massivs "Ghettolied" verändert seine Perspektive auf den Deutschrap: "Das war der Gamechanger." Haftbefehl avanciert für ihn anschließend zum "Überhype des Grauens".

Bereits mit knapp 15 Jahren nimmt er seinen ersten Song auf. Anschließend rappt er in seiner Freizeit in einem Jugendzentrum. Hemso lernt früh den späteren Rapper Ramo kennen, der in seiner Nachbarschaft aufwächst und über seinen Bruder den Zugang zu Hip Hop findet. "Wir wollten nur rappern. Mehr konnten wir ja nicht", erinnert er sich später bei TV Strassensound an seine Anfänge zurück. Um sich dennoch abzusichern, absolviert der Offenbacher eine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer.

2017 entscheidet er mit seinem Jugendfreund Ramo, die Musik über den Status eines Hobbys zu erheben. Sie nehmen den Song "Meine Stadt Schläft Nie" auf, den Celo & Abdi anschließend im Rahmen ihres fortlaufenden Newcomer-Projekts "Von Der Straße In Die Charts" veröffentlichen. Über 16bars erscheint einige Monate später "Money". Das Duo eröffnet den Youtube-Kanal KOP Records, auf dem sie mit "Bandit", "Bang Bang" und "Wenn Es Nacht Wird" jedoch nur Solostücke von Hemso hochladen. Letztgenanntes glänzt mit einem Instrumental von KD-Beatz.

Über den Baden-Württemberger Produzent nimmt 18 Karat Kontakt zu Hemso auf, um ihm einen Vertrag bei seinem Label Supremos Musik anzubieten. Der Offenbacher zeigt sich begeistert von dem Rapper mit der Goldmaske. Nicht nur sei dieser ein "herzlicher Typ", wie er gegenüber TV Strassensound versichert, sondern liege auch stilistisch auf der gleichen Wellenlänge: "Die Musik hat gepasst. 18 Karat macht die gleiche Musik wie ich: Geilen Straßenrap." Im Dezember 2018 besiegeln beide Parteien vertraglich ihre Zusammenarbeit.

Ab Frühjahr 2019 legt Hemso ein ansehnliches Arbeitspensum an den Tag. Auf "Keine Zeit Für Rap" folgt "3NG" mit seinem Labelchef, Play69, Hamada und Brecho sowie "Ich Bin Verrückt". Im Winter erscheinen die Videosingles "Für Die Blocks", "Cream", "Push" und "Schmeckt" mit LX von der 187 Strassenbande über SupremosTV. Für Amus Album "Amuflage" nimmt er den Posse-Track "Click" mit Bonez MC, Kalazh44, Sa4 und LX auf. Parallel dazu arbeitet der Rapper an seinem Debütalbum, das komplett in Dortmund entsteht.

Trends wie Afro-Trap oder Autotune-Gesang in seiner Musik aufzugreifen, erscheint für ihn undenkbar: "Wenn du einmal einen auf Michael Jackson und dann einen auf The Game machst? Man muss schon zeigen, wer man ist." Auch wenn er sich in Interviews recht ausgeglichen präsentiert, bedeutet das für Hemso, den kriminellen Lifestyle unwirsch und energiegeladen in den Beat zu pressen. Dabei bereitet es ihm durchaus Sorgen, dass Fans seine Texte als glorifizierend auffassen könnten: "Es kann passieren, dass es auf manche Leute einen zu krassen Einfluss hat."

Im Februar erscheint sein erstes Album "Knast Oder Palast" über Supremos Musik und im Vertrieb von Warner Music. Der Titel paraphrasiert letztlich nur das uralte Motto des Gangster-Raps, auf dem bereits 50 Cent ("Get Rich Or Die Tryin") oder Xatar ("Alles Oder Nix") Karrieren aufbauten: "Entweder du schaffst es oder nicht. Das ist unser Motto, was wir leben: Knast oder Palast, Alles oder Nix." Dabei verfolgt der in seiner Musik raubeinig auftretende Rapper im Grunde bescheidene Ziele. So wünsche sich Hemso letztlich nur, "dass sich unser Leben ein bisschen zum Schöneren wendet."

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