Porträt

laut.de-Biographie

Frank Hemd

"Denn ich muss weiter, und warum ich geh' / kann ich vielleicht sagen, wenn ich weggegangen bin": eine Zeile, die den Status Quo eines Typen gut zusammenfasst, der mit Mitte zwanzig bereits einen Weg vom Philosophiestudenten über Model bis hin zum Rapper zurückgelegt hat. Frank Hemd ist ein MC, der vom Battlerap-Quatschkopf bis hin zum ernstzunehemenden Exoten in der Szene gewachsen ist.

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Angefangen hat es, wie für viele, in der RBA, der Reimliga Battle Arena, wo Frank außer mit überdurchschnittlichen Rapparts auch immer wieder mit obskuren, fast ein wenig komödiantisch anmutenden Freetracks von sich reden macht. "Frank Hemd Geht Ab Wie Alte Klebezettel" heißt der Erstling, der irgendwo zwischen abstrusem Rap-Troll und tatsächlichem Potenzial eine kleine Fanbase findet.

Klar ein Kind des Internets steht immer die Frage im Raum, wie ernst das Ganze gemeint ist, das er da auf Tracks über Tiere, Weihnachten oder die Schönheit der eigenen Zähne und Gliedmaßen rappt. Nur darauf, dass es ziemlich gut klingt, darauf können sich die Hörer recht bald einigen.

Bei der 2015-Edition des VBTs nimmt Frank Hemd wirklich Fahrt auf. Die Runden generieren im späteren Turnierverlauf verlässlich Klicks im mittleren sechsstelligen Bereich. Als totaler Newcomer erreicht er einen kleinen Hype und zieht direkt ins Finale ein, wo er sich dem Bremer Jenemy geschlagen geben muss.

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Doch mit einer frisch gewonnenen neuen Öffentlichkeit im Rücken lässt Frank den VBT-Hype nicht einschlafen, bevor er nachlegt. Mit dem 2016 erscheinenden "Ein Album. Es Ist Sehr Gut" liefert er nicht nur ein offizielles Debüt via rappers.in und Groove Attack ab, sondern zementiert auch endgültig seinen Anspruch, dieses Rap-Ding wirklich durchzuziehen.

Mit Einflüssen von Free Jazz bis hin zu Cloud Rap gerät das Projekt genau so vielfältig und chaotisch wie sein Protagonist selbst. Absurde Running Gags, One-Liner und zwanzig-lagiger Metahumor avancieren zum Markenzeichen des Kielers und stellen sogar die Fanbase aus dem Battlerap zufrieden, der man sonst Interesse an so experimenteller Musik eher nicht zutraut.

2017 legt er die EP "Legend In Progress" nach, auf der er sich deutlicher in Richtung amerikanischer Trap-Einflüsse ausrichtet, ohne seinen typischen Humor oder den exzentrischen Stil aufzugeben. Noch ein bisschen verkopfter, noch ein bisschen sehnsüchtiger nach dem Pop-Appeal, liefert sie heiß ersehntes Backenfutter für die Fans von Frank Hemd, die Tracks wie "Pop Super Stars" oder "Meine Blumen Hören Jazz" sowieso schon vermisst haben.

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Die Produktivität ist gar nicht so selbstverständlich: Immerhin ist Frank in der Zwischenzeit bei rap.de auch selbst unter die Journalisten gegangen und veröffentlicht neben Reviews und News auch Thinkpieces über amerikanische Rapper wie XXXTentacion.

Immerhin macht sonst niemand diese Musik. Gleichzeitig zeitgemäß und doch mit vielen Referenzen auf Pop-Klassiker, Jazz, Funk oder die G-Unit versehen. Irgendwie ironisch gebrochen, aber doch dann aber auch wieder zu intimer Nahbarkeit oder überraschendem Ernst fähig.

Frank Hemd traut sich in der sonst so sicheren und Schubladen-fixierten Deutschrapszene waghalsige Experimente und irrsinige Stilbrüche. Auch wenn man ihn genau deshalb schwer einordnen kann, liefert er doch Grund genug, ihn auf dem Radar zu behalten.

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