In der Rückschau erscheint das Video-Battlerap-Turnier um Welten besser als sein Ruf. Das waren die Höhepunkte - Nostalgiealarm!

Tübingen (ynk) - Am Anfang des letzten Jahrzehnts gehörte das VBT zu den größten Ereignissen im deutschsprachigen Hip Hop-Raum. Der Hype war real, die Klickzahlen bewegten sich in Millionen-Höhe und so ziemlich alle Kids auf dem Schulhof haben zumindest in gewissem Ausmaß über Online-Rap-Battles gesprochen.

Die 25 besten VBT-Runden aller Zeiten

Für die Uneingeweihten: VBT steht für VideoBattleTurnier. Es handelte sich um ein K.O.-Turnier für Battlerapper, die nicht auf Bühnen stehen wollten. Als geistiger Nachfahre der RBA - der legendären Audiobattle-Arena - weitete das Hip Hop-Magazin rappers.in 2008 das Konzept das erste Mal aufs Videoformat aus: In einem riesigen Turnierbaum traten Rapper gegeneinander an, indem sie erst eine Hinrunde auf einem selbstgewählten Beat drehten, in der sie ihren Gegner irgendwie geartet beleidigen sollte. Der oder die Gegner*in hatte dann zwei Wochen Zeit, um auf demselben Beat eine Antwort aufzunehmen. Das kam gut an.

Aber wo es bergauf geht, muss es irgendwann auch wieder bergab gehen. Spätestens ab dem VBT 2012 war die Ahnung, die goldenen Zeiten überschritten zu haben, mit jedem Turnier gewachsen. Auch wenn das nicht per se stimmte, hatte das Turnier sich bis 2015 wieder etwas gesünder geschrumpft, von wo aus es dann langsam, aber sicher der Altersschwäche anheim fiel. Rap bewegte sich in eine andere Richtung, es wurde zunehmend schwerer, dem Video-Battle noch einen richtig originellen Ansatzpunkt abzugewinnen, und eine generelle Battle-Müdigkeit waren Faktoren, die nach dem letzten Turnier 2018 das Ende des Formats bedeuteten.

So etwas wie Wrestling

Auch, wenn die Ära heute gerne etwas belächelt wird, möchte ich sie heute explizit verteidigen. Das VBT war ein Riesenspaß, und das auch deutlich bis über 2011 hinaus. Die Heerscharen an Teilnehmern und Juroren erschufen eine Aura der chaotischen Demokratie darum, wie ein Battle eigentlich auszusehen habe. Mit der Konsequenz, dass jeder im Grunde machen konnte, was er wollte. Wenn man einfach nur cool und überzeugend genug abgeliefert hatte, kam man damit meistens auch weiter. Die besten VBT-Rapper sind deshalb in meinen Augen so etwas wie Wrestler. Sie haben alle ihren eigenen Vibe, ihren eigenen Sound und ihre eigene Herangehensweise. Entgegen dem populären Glauben gab es im Battle nie die eine große Kategorie, mit der man sie alle hätte schlagen können. Es ist weder der Gegnerbezug noch der Realtalk, nicht die Technik, die Ironie oder der Style. Verschiedene Gegner forderten verschiedene Herangehensweisen, jedes Battle entwickelte seine eigene kleine Dynamik.

Ich habe das immer so verstanden: Ein berühmter Regisseur sagte einst, jedes große Kunststück liefere auch gleichzeitig seine eigene Anleitung, wie man es konsumieren müsse. Das klingt etwas hochtrabend, aber ich finde es sehr passend: Jede gute VBT-Runde hatte ihre eigene kleine Win-Condition. Um ein Battle zu gewinnen, musste man ein Argument machen. "Ich bin besser als du, weil ich cooler bin als du." "Du bist schlechter als ich, weil du das alles so verbissen ernst nimmst." "Ich bin besser als du, weil ich geiler reimen kann." All das sind absolut valide Wege, um ein Battle zu gewinnen. Im Laufe der ausgewählten 25 Runden werden wir nicht nur über die jeweilige Runde und das zugehörige Battle sprechen, wir werden auch genau diese Win-Condition herausfiltern. Genau darin lagen oft die spannendsten Geschichten, die das VBT erzählte.

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