Porträt

laut.de-Biographie

Earthless

Jimi Hendrix steht nicht nur im Ruf, der größte Gitarrist aller Zeiten zu sein. Vor allem in puncto Improvisation können ihm ganz, ganz wenige das Wasser reichen. Über 30 Jahre nach seinem Tod formiert sich in San Diego jedoch ein Trio, das damit keinerlei Probleme hat.

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Earthless bilden Gitarrist Isaiah Mitchell, Basser Mike Eginton und der ehemalige Profiskater Mario Rubacalba am Schlagzeug. Seit 2001 setzen diese drei Musiker Maßstäbe in Liveperformance und Jamkunst. Über Geheimtippstatus kommen sie trotzdem lange nicht hinaus.

Krautrock, Black Sabbath, The Who, ZZ Top, Motörhead und Psychedelic Rock: So lesen sich die Einflüsse der Gruppe. All diese verwursten Earthless zu einem irren Mix. Sie verlieren sich in ausufernden Soli, unirdischen Drumlines und stoischer Bassdominanz. Rubacalba und Eginton stellen eine der mit Abstand besten Rock-Rhythmussektionen unserer Zeit. Auf Basis dessen spielt sich Isaiah Mitchell regelmäßig einen Wolf und beeindruckt mit Fingerakrobatik der Extraklasse, ohne auch nur ansatzweise konstruiert oder technisch zu klingen. Musik aus dem Bauch heraus, das praktizieren Earthless in erster Linie.

So verwundert es kaum, dass der Kompositionsprozess der Band gerne in ungeplante Jamsessions umschlägt. Dementsprechend klingen auch die Alben. Die Stücke gleichen eher Monumenten denn Songs. Lange Spielzeiten scheinen vorprogrammiert, 15 oder gar 30 Minuten Spieldauer sind keine Seltenheit.

Einen Höhepunkt erreicht das Schaffen der Band 2012 auf dem Roadburn Festival. Gemeinsam mit Dinosaur Jr.- und Heavy Blanket-Gitarrist J Masics holen Earthless zum Jam aus. Kurzfristig fällt allerdings Isaiah Mitchell aufgrund anderweitiger Verpflichtungen aus. Masics Kollege Graham Clise ersetzt ihn. Eine knappe Stunde brauchen die Musiker, die in dieser Konstellation noch nie zuvor gemeinsam gespielt hatten, um alle bisher gekannten Jams bedeutungslos erscheinen zu lassen. 2014 erscheint der einzigartige Gig unter dem Namen "In A Dutch Haze" auf Platte.

Abgesehen von etwas Touring, unter anderem auch zu ausgewählten Terminen in Europa, gehen es Earthless in den Folgejahren ruhiger an. Rubacalba widmet sich seiner zweiten Band, den Punkern Off!, wo er gemeinsam mit Ex-Black Flag-Sänger Keith Morris und Melvins-Basser Steven Shane McDonald spielt.

Damit die Welt ihre Jam-Qualitäten nicht völlig vergisst, veröffentlichen Earthless 2016 eine Split-EP mit Harsh Toke. Mit dem darauf enthaltenen 15-minütigen "Acid Crusher" endet aber vorerst die Ära grenzenloser Jams. Bei den Sessions zum nächsten Studioalbum forciert nämlich in erster Linie Mitchell kompaktere Songstrukturen – außerdem singt er.

Schuld an der geänderten Ausrichtung ist teils Mitchells Umzug von San Diego in den Norden Kaliforniens. Statt, wie bisher, auf Basis von Egintons Riffs mehrmals wöchentlich zu jammen, schreiben die Mitglieder nun öfter allein. "Der größte Unterschied zu unseren vorherigen Alben ist Isaiahs Einfluss", glaubt Rubacalba. "Es war ein Risiko für ihn uns diese Ideen zu präsentieren, da er nicht wissen konnte, ob wir es mögen würden. Doch wie alles, was wir machen, hat es sich auch dieses Mal völlig natürlich angefühlt, diesen Schritt zu gehen."

Zumindest in der Reichweite zahlt sich der neue Sound prompt aus. Nach Jahren bei Tee Pee wechseln Earthless zum ungleich größeren Metal-Label Nuclear Blast und teilen sich damit den Stall mit unter anderem Kadavar. Dem neuen Netzwerk sei dank, gehen sie kurz nach dem Albumrelease von "Black Heaven" direkt auf längere Europa-Tournee.

"Mir ist bewusst, dass viele Leute weiterhin gigantische Space Rock-Jams erwarten, und ich bin mir nicht sicher, ob ihnen das neue Material gefallen wird. Aber wir sind bereit, uns kleinen Enttäuschungen von Leuten, die weiterhin nur das ausgeflippte Zeug hören wollen, zu stellen", erklärt Rubacalba mit Blick auf die Zukunft.

"Gleichzeitig bin ich mir auch sicher, dass vielen Leuten sehr gefallen wird, einmal eine andere Seite von uns zu hören. Wenn man sich wirklich die Zeit nimmt, sich unsere neuen Songs genau anzuhören, wird man merken, dass wir noch immer nach UNS klingen!"

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