laut.de-Kritik

Hihihi, er hat beinahe Sex gesagt!

Review von

"Manch-mal möcht' ich e-wig schla-fen." Selten treffend beschreibt D-Bo in der allerletzten Nummer das Gefühl, das sein "Kopf***k Mit Niveau" hinterlässt.

Ach, könnte ich mich doch nur hemmungslos in Morpheus' Arme werfen! Dort könnte ich mich bestimmt prima darum herum drücken, ein paar Wahrheiten niederzuschreiben, die ich im Zusammenhang mit einem grundsympathischen Typen wie dem Wolfpack-Entertainment-Boss lieber für mich behalten hätte. Ich mag D-Bo nämlich.

Ich schätze die Hemmungslosigkeit, mit der er macht, worauf er gerade Lust hat, und sich über ein ungeschriebenes Gesetz der Rap-Szene nach dem anderen vollkommen unbeeindruckt hinweg setzt. D-Bo pfeift auf Trends und hat keine Angst davor, auch auf vermutlich verlorenem Posten Position zu beziehen.

Die Eier, eine ausfadende Beziehung in einem schwulen Kontext anzusiedeln, wie mit dem Video zu "Dein Herz" geschehen, muss man im immer noch vorurteilsbehafteten Hip Hop-Hausen erst einmal haben. Gefühlsduseleien wie die Jagd nach Einhörnern werden dort meist ebenfalls so misstrauisch beäugt wie einer, der zugibt, ein "Hasenherz" spazieren zu tragen.

Der ewige innere Disput zwischen Wollen und Dürfen, Engel und Teufel, Gut und Böse, Richtig und Falsch liefert D-Bo Stoff. Er behandelt Zwischenmenschliches oder immer wieder kehrende Gefühlslagen wie der dringende Wunsch, endlich einmal "Alleine Sein" zu wollen oder, wenigstens für einen Moment, die "Zeit Zurück" drehen zu können. Dafür darf man im Refrain schon mal HIMs "Join Me" klauen.

Hin und wieder findet D-Bo echt zauberhafte Bilder. Etwa, wenn er in "Zeit Zurück" "einen Zettel mit einem Herz drauf, damit ich nicht vergess', was wichtig ist" in seinen Koffer packt. Oder wenn der, der eben noch tönte: "Tags gewinn' ich oben ohne ganz allein den Weltkrieg", des Nachts schlotternd im Bett liegt, aus Furcht, das darunter lauernde Monster könnte die eigenen Verfehlungen der Freundin petzen.

D-Bo bricht Lanze um Lanze für das Traumtänzertum. Das ist schön. Es rettet den "Kopffick" aber weder vor den miserablen Elektrobeats noch vor D-Bos komplettem Fehlen eines wie auch immer gearteten Flows. Ich weiß echt nicht, was ich schlimmer finden soll. Billige Synthies, angestaubte Wind-Effekte und vorgestrige Disco-Rhythmen wirken, auch wenn Produzent Max Mostley an zwei Stellen homöopathische Dosen Dubstep unterhebt, in etwa so angesagt wie die pastellfarbene Fototapete, die das Werk umhüllt.

Wann schwappte doch gleich die Chillout-Welle über uns hinweg? Dürfte schon ein paar Jahre zurück liegen. In "Seltsames Leben" kehrt sie gnadenlos zurück. "Ooooh, eeeeeey-yeah, wooohuuuoooh! Aaah!" Um vollends alle Vokale zu präsentieren, fehlt dem Refrain nur noch einer: Iiieh!

D-Bo rappt so holprig und bedient sich derart schlichter Reimstrukturen, dass es an Unverfrorenheit grenzt. Deichkind-Style, ohne auch nur ansatzweise an deren Party-Gewalt heran zu reichen. Die Traute, einem Zeilen wie "Abendlicht - Neonlicht - Neonlicht - Tiefgarage" um die Ohren zu hauen, oder "Licht aus" auf "Dann zieht sie sich aus" zu reimen, nötigt einem aber schon beinahe wieder Respekt ab.

Das ist alles jedoch immer noch besser als die Verklemmtheit, die zutage tritt, sobald es auch nur ansatzweise unter die Gürtellinie geht. Geradezu teenagerhaft verschämt wirkt, wenn D-Bo in "Durchzug" den Reim auf "Ex" nicht zuende bringt. Hihihi, er hat beinahe Sex gesagt! Wie alt sind wir denn bitte alle?

Vor derlei Quatsch hätte allerdings schon der Albumtitel warnen können. D-Bo wünscht offenbar die ach so provokante Vokabel "Kopffick" auf dem Cover, ixt das böse F-Wort dann aber mit allerlei albernen Sonderzeichen aus. Na, danke. Ganz oder gar nicht! Im vorliegenden Fall doch lieber letzteres.

Trackliste

CD 1

  1. 1. Ich Komm' Bald Wieder
  2. 2. Zeit Zurück
  3. 3. Durchzug
  4. 4. Blumen
  5. 5. Dein Herz
  6. 6. Neonlicht
  7. 7. Na Und?
  8. 8. Hotpants
  9. 9. Fast Liebe
  10. 10. Alleine Sein

CD 2

  1. 1. Einhorn
  2. 2. Licht Aus
  3. 3. Ist Okay
  4. 4. Das Dach
  5. 5. Hasenherz
  6. 6. Es Schlägt
  7. 7. Seltsames Leben
  8. 8. Daddy
  9. 9. Schlafen

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36 Kommentare

  • Vor 5 Jahren

    danke dani fromm du machst die besten kritiken nach michael edele

  • Vor 5 Jahren

    bezüglich des "ex"-reims. der geht ja irgendwie so: "ich rette sie aus dem haus von ihrem ex"
    ich versteh da aber immer "dem haus von dmx"
    das lässt das ganze schon besser wirken
    zu den texten. teilweise lässt er seine genialität durchblicken, teilweise wirkt das sehr lustlos und simpel
    zur musik...BITTE wieder seelenblut und düstere themen..das passt zu ihm auch stimmlich VIEL besser als so zwanghafte electromusik mit zuviel partylyrics
    desweiteren werd ich mich mal nicht so auslassen. hab zu ihm und dem genrewechsel sowieso schon viel zu viel geschrieben
    paar sachen sind gut produziert aber wenn man weiß was er wirklich kann und schon rausgebracht hat, dann ist das hier echt nicht das was ich hören möchte und gefallen werd ich auch nicht dran finden
    menschlich gesehen ist d-bo einer der coolsten typen unter der sonne. hab mich mit ihm schon desöfteren persönlich unterhalten und dann ists halt schade wenn so ein grundsympathischer kerl momentan so eine mukke bringt, die ich halt mal gar nicht feiern kann
    dann doch lieber ein weiterer durchlauf der egj-sampler, deo volente, seelenblut, sans souci und der lüge der freiheit

  • Vor 5 Jahren

    "vor dem haus von dmx" - zu geil, klingt wirklich so.

    Wieso wird um den Typen so ein Aufhebens gemacht? Die Mucke klingt nach Bildungsbürgertum und -romantik in Reimform, aber Niveau ist ein neutrales Kriterium, das er selbst leider nicht erfüllt.

  • Vor 5 Jahren

    Gott, Baude: Sag D-Bo mal wie peinlich er ist. Künstler die sich derart verhalten gehen gar nicht. User bannen und Kommentare löschen, LOL

  • Vor 5 Jahren

    Gott, Baude: Sag D-Bo mal wie peinlich er ist. Künstler die sich derart verhalten gehen gar nicht. User bannen und Kommentare löschen, LOL

  • Vor 5 Jahren

    @MarcusTHELarsen (« Er ist nicht darauf angewiesen mit seiner Musik Geld zu verdienen. Der Junge man führt ein derzeit sehr erfolgreiches Musiklabel und ist noch für sein Label ersguterjunge aktiv.@JaDeVin (« Ist halt ein Lebenskünstler, der auf den Erfolg seiner Musik angewiesen ist. Da kann ich schon verstehen, dass er da mit großspurigen Geblubber (Pressefreiheit) um sich wirft. Seine Referenzen sind Musik machen und da hat er eben die Weisheit mit dem Löffel gefressen. »):
    »):

    Was bist Du eigentlich für ein unheimlicher Fanboy? Niedlich. Wenn hier jetzt ein Veriss von der Spears stehen würde, würdest du noch klatschen. Aber wenn der eigene Lieblingskünstler nicht den von dir als angemessen betrachteten Respekt bekommt, mussu weinen. Der Track ist mindestens genauso peinlich. Wisst ihr wie lange es dauert ein Album aufzunehmen? Ja. Ganz unterschielidch lang. Und das Ergebns hat null mit der Einspielzeit usw. zu tun. Beste Alben wurden in 2 Wochen, absoluter Bullshit in 14 Jahren geschrieben und eingespielt. So what? Wenn man ein schiefes Haus baut ist es auch schief, wenn man 15 Jahre dran baut.